1. EIN­LEI­TUNG

Ich schrei­be hier auf, was mir im Lauf der Zeit an plau­sib­len Zu­sam­men­hän­gen zwi­schen Kul­tur und Bio­lo­gie auf­ge­fal­len ist. Es soll ei­ne Vor­ar­beit da­für sein, es auch münd­lich sa­gen zu kön­nen.

Es wirkt in al­lem die glei­che Kraft. Die Kraft des Le­ben­di­gen. Das Le­ben. Oder wie man es nen­nen will. Dich­tung und Kunst prei­sen es. Re­li­giö­ser Kult eben­falls. Zu Recht. Da­bei bleibt al­ler Preis und al­les Lob im­mer zu we­nig.

Mein Text möch­te das auch. Er möch­te die Kraft des Le­bens prei­sen und da­bei ih­re ver­schie­de­nen Aus­drucks­for­men zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten und Si­tua­tio­nen ach­ten.

                        I N H A L T
1. EINLEITUNG
1.1 Die Begriffe Kultur, Religion, Tradition
     und archaische Traditionen
1.1.1 Kultur
1.1.2 Religion
1.1.3 Tradition
1.1.4 Archaische Traditionen
1.1.4.1 Die Wortbedeutungen
1.1.4.1.1 "Traditionen"
1.1.4.1.2 "archaisch"
1.1.4.1.3 "Archaische Traditionen"
1.1.4.2 Zur Sachbedeutung
 
2. ZU MEINER PERSON
 
3. PRÄMISSEN
3.1 Geburt und Persönlichkeitsentwicklung
3.1.1 Geburt
3.1.2 Persönlichkeitsentwicklung
3.2 Eltern, Eliten und Elohim
3.2.1 Eltern, Eliten und Elohim in der
        Tradition
3.2.2 Eltern, Eliten und Elohim heute
3.2.3 Eltern, Eliten und Elohim und
        persönliche Vollkommenheit
3.3 Gott
 
4. DIE DREI ARCHAISCHEN TRADITIONEN
 
4.1 Beschneidung
4.1.1 Hinführung
4.1.2 Die Parallele zwischen Beschneidung
        und Abnabelung
4.1.3 Ein einziger Vorgang
4.1.4 Die Wahl des Zeichens
4.1.5 Weitere Motive
4.1.5.1 Veredelung
4.1.5.2 Vertrag
 
4.2 Taufe
4.2.1 Hinführung
4.2.2 Die Parallele zwischen Taufe und
        Platzen der Fruchtblase
4.2.2.1 ... wer denn aller taufte:
4.2.2.2 Was bedeutete die Taufe damals?
4.2.3 Die Unterschiede zwischen
        Beschneidung und Taufe als
        Bundeszeichen
4.2.3.1 ... in den Parallelen zur Geburt
4.2.3.2 ... in der Gesellschaftsorganisation
 
4.3 Segnung
4.3.1 Hinführung
4.3.2 Der Inhalt der Segnung
4.3.2.1 Das Wort
4.3.2.2 Die Sache
4.3.2.2.1 Historisches
4.3.2.2.2 Theologisches
4.3.2.3 Das Ritual
4.3.2.3.1 Die Feier des Heiligen Weines
4.3.2.3.2 Das Eheversprechen
4.3.2.3.3 Die Substanz
4.3.3 Die Parallele zwischen der Segnung
        und den beiden aufeinander
        wartenden Gameten
4.3.4 Die unterschiedlichen Momente im
        Geburtsvorgang, mit denen
        Beschneidung, Taufe und Segnung
        parallel gesetzt sind
 
5. NACHWORT
 
 

Du hast Dei­ne ei­ge­nen Sicht­wei­sen und Wahr­neh­mun­gen. Viel­leicht kön­nen wir die ja in ei­ne frucht­ba­re Kor­re­la­tion brin­gen. Über ei­ne Kon­takt­auf­nah­me freue ich mich.

Um den Text flüs­sig zu hal­ten, setz­te ich vie­les in Fuß­no­ten. Die brauchst Du, um mei­nen Text zu ver­ste­hen, nicht zu le­sen. Du kannst aber man­ches Ju­wel in ih­nen fin­den.

Ei­ni­ge Be­grif­fe ver­wen­de ich mit ei­nem auf das The­ma ab­ge­stimm­ten In­halt. Da sie im All­tag mit­un­ter an­ders kon­no­tiert wer­den, er­klä­re ich sie, um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen, gleich zu Be­ginn.
 

1.1 DIE BE­GRIF­FE KUL­TUR, RE­LI­GION, TRA­DI­TION UND ARCHAI­SCHE TRA­DI­TIO­NEN

1.1.1 Kul­tur

Das la­tei­ni­sche Wort, von dem der Be­griff "Kul­tur" ab­stammt (co­lo, co­le­re, co­lui, cul­tum - pfle­gen, be­bau­en), ist in der Land­wirt­schaft be­hei­ma­tet. Mein On­kel, zeit­le­bens För­ster, sag­te, er ge­he "in die Kul­tur", wenn er früh­mor­gens zu sei­nem von ihm selbst auf­ge­for­ste­ten Land­strich auf­brach.

Kul­tur hat ei­nen in­ne­ren und ei­nen äu­ße­ren As­pekt.

Der äu­ße­re As­pekt von Kul­tur um­fasst al­le ge­mein­sa­men Be­zugs­punk­te ei­ner Eth­nie. Das könn­ten Wert­vor­stel­lun­gen, Ver­hal­tens­wei­sen, Leh­ren, Ri­tua­le, Be­nimm­mu­ster, Wirt­schafts­kreis­läu­fe oder künst­le­ri­sche Aus­drucks­for­men sein.

Mei­ne Kul­tur ist christ­lich-is­rae­li­tisch1, und die Ri­tua­le, die im Lau­fe mei­nes Le­bens an mir voll­zo­gen wur­den, stam­men da­raus. Mein Text be­schränkt sich auf die Ri­tua­le Be­schnei­dung, Tau­fe und Seg­nung. Die­se drei be­zeich­ne ich in die­sem Ar­ti­kel als "ar­chai­sche Tra­di­tio­nen" und be­schrän­ke mich auf sie, oh­ne da­mit zu sa­gen, es gä­be nur die­se drei. Ich hal­te die­se Ri­tua­le fur kul­tu­rel­le Aus­drucks­for­men, für ei­nen As­pekt von Kul­tur. Mein Text passt da­her zum The­ma Kul­tur, Re­li­gion in­be­grif­fen.

Der in­ne­re As­pekt von Kul­tur ist das, was die Kul­ti­viert­heit ei­ner Per­son aus­macht, ih­re durch Selbst­dis­zip­lin und ethi­sche Pra­xis er­reich­te Selbst­bil­dung. Ein "Mann von Kul­tur" und ei­ne "Frau von Kul­tur" sind Per­so­nen, die ih­ren äu­ße­ren Le­bens­stan­dard mit ei­ner ho­hen in­ne­ren Qua­li­tät ver­bin­den.

1.1.2 Re­li­gion

"Re­li­gion" kommt vom la­tei­ni­schen Verb re­li­ga­re, zu­sam­men­ge­setzt aus der Vor­sil­be re (wie­der) und dem Stamm li­ga­re (bin­den). Die Wur­zel lig ver­zweigt sich zu li­ga­men oder li­ga­men­tum, was Ver­band - zum Bei­spiel ei­ner Wun­de - und in wei­te­rer Fol­ge al­les, was Din­ge oder Men­schen gei­stig oder phy­sisch mit­ei­nan­der ver­bin­det, mei­nen kann. Da­von wie­de­rum kommt die Li­ga, der Zu­sam­men­schluss von Ver­tre­tern ähn­lich ge­la­ger­ter In­te­res­sen.

Ei­ne ver­gei­stig­te In­ter­pre­ta­tion sieht in re­li­ga­re - häu­fi­ger im Pas­siv re­li­ga­ri - das Wie­der­ver­bin­den von Gott und Mensch, die durch die Sün­de von­ei­nan­der ge­trennt wur­den. Re­li­gion möch­te Gott und Mensch wie­der mit­ei­nan­der ver­bin­den. Die­ser Wort­be­deu­tung von "Re­li­gion" schlie­ße ich mich grund­sätz­lich an, ob­wohl sie viel­fach miss­deu­tet wer­den kann und auch wird.

1.1.3 Tra­di­tion

Die Wur­zeln von Tra­di­tion, eben­falls la­tei­nisch, ste­cken im Verb tra­de­re2, ei­nem Kom­po­si­tum aus trans (hin­über, über ... hi­naus, jen­seits) und da­re (ge­ben).

tra­de­re ist ein rei­ches Wort. Es reicht vom All­täg­li­chen "(her-, hin-) über­rei­chen" über die Wirt­schaft (engl. trade, der Han­del) bis zum Ver­rat des Ju­das3.

Die Ur­ein­woh­ner Ame­ri­kas - von de­nen man bei uns seit Co­lum­bus als In­dia­ner und heu­te zum Glück wie­der als in­di­ge­ne Völ­ker (in Ame­ri­ka: na­tive Ame­ri­cans) spricht - hat­ten kein Wort für "Re­li­gion" und ver­stan­den nicht, was ih­re wei­ßen Be­sat­zer da­mit mein­ten, bis sie be­grif­fen, dass ihr ei­ge­nes in­di­ge­nes Wort "Tra­di­tion" in­halt­lich dem gleich­kam, was die Bleich­ge­sich­ter mit "Re­li­gion" an­spra­chen.

Sind Re­li­gion und Tra­di­tion al­so das Glei­che?

Se­hen wir uns da­für die Wort­be­deu­tung von "Is­lam" an. Es soll - laut mus­li­mi­schen Ge­lehr­ten - "Über­ga­be" be­deu­ten, wo­bei da­mit die Über­ga­be sei­ner selbst an den ein­zi­gen Gott ge­meint ist. Mit "Frie­den" (sa­lam) ist es ety­mo­lo­gisch nicht ver­wandt.

Auch das Chri­sten­tum kennt die Über­ga­be sei­ner selbst an Gott. Wie groß der Pro­zent­satz der west­li­chen Be­völ­ke­rung ist, dem die­ser Be­griff - theo­re­tisch oder aus ei­ge­ner Pra­xis - et­was sagt, weiß ich al­lerdings nicht.

Tra­di­tion kann al­so die Über­ga­be ei­ner Sa­che - zum Bei­spiel ei­nes phy­si­schen oder gei­sti­gen Er­bes - oder sei­ner selbst be­deu­ten. Dem­ent­spre­chend wer­den auch die Vor­stel­lun­gen der Men­schen da­rüber, wie viel Tra­di­tion sich in der Re­li­gion ab­spielt oder wie viel Re­li­gion in der Tra­di­tion, va­riie­ren.

Mit "un­se­rer Tra­di­tion", von der ich im Text hie und da spre­che, mei­ne ich ein­fach un­ser Schul­wis­sen.

1.1.4 Archai­sche Tra­di­tio­nen

1.1.4.1 Die Wort­be­deu­tun­gen

1.1.4.1.1 "Tra­di­tio­nen"

Als Plu­ral heißt Tra­di­tion et­was an­de­res als im Sin­gu­lar. Für Tra­di­tion im Sin­gu­lar sie­he Ab­schnitt 1.1.3 oben. Im Plu­ral meint Tra­di­tio­nen (oder ei­ne Tra­di­tion neben an­de­ren) zu be­stimm­ten An­läs­sen wie­der­keh­ren­de Ge­pflo­gen­hei­ten. Zum Bei­spiel ge­hört es zu den Tra­di­tio­nen der bri­ti­schen Du­del­sack­ge­sell­schaft, je­des Jahr am 10. März den In­ter­na­tio­na­len Du­del­sack­tag ab­zu­hal­ten.

1.1.4.1.2 "ar­cha­isch"

Das Ad­jek­tiv "ar­cha­isch" ent­hält die grie­chi­sche Wur­zel аρχη (ar­chē), die Ur­sprung oder Be­ginn be­deu­tet. Ar­cha­isch ist da­her et­was, das zum Ur­sprung oder zum An­fang (zu­rück, hin)führt.

1.1.4.1.3 "Ar­cha­ische Tra­di­tio­nen"

... sind Ri­tu­a­le, mit de­nen et­was be­ginnt, die ei­nen neu­en An­fang set­zen. Den da­für ge­läu­fi­gen Be­griff "Ini­tia­tions­ri­ten" ver­wen­de ich hier aber nicht, weil der be­reits zu stark mit In­hal­ten be­la­stet ist. Die neue und un­be­kann­te For­mu­lie­rung "ar­cha­ische Tra­di­tio­nen" trans­por­tiert, was ich Dir sa­gen will, leich­ter.

Miss­ver­stan­den wür­den "ar­cha­ische Tra­di­tio­nen" wer­den, ver­stün­de man un­ter ih­nen so et­was wie "von An­fang oder ur­denk­li­chen Zei­ten an be­ste­hen­de Ge­pflo­gen­hei­ten". Da ich sol­che Ge­pflo­gen­hei­ten nicht ken­ne und mir der hi­sto­ri­sche Ur­sprung der Gat­tung Mensch wis­sen­schaft­lich mit zu vie­len Fra­ge­zei­chen be­haf­tet ist, fehlt mir das For­mal­ob­jekt für die Er­for­schung solch an­geb­li­cher un­vor­denk­li­cher Ge­pflo­gen­hei­ten.

1.1.4.2 Zur Sach­be­deu­tung

Was be­ginnt mit ei­ner ar­cha­ischen Tra­di­tion? Es be­ginnt im Le­ben ei­nes be­reits le­ben­den, ge­bo­re­nen Men­schen et­was Neu­es.

Vor­erst er­läu­te­re ich hier jetzt doch den bis­her ge­bräuch­li­chen Aus­druck "Ini­tia­tion". Er kommt vom la­tei­ni­schen Verb ini­tia­re und ist wie folgt ent­stan­den:

  1. in (in) plus ire (ge­hen) er­gibt in­ire (hi­nein­ge­hen), des­sen Par­ti­zip Per­fekt ini­tum ist.
  2. Von ini­tum kommt das No­men ini­tium, was Ein­gang oder An­fang heißt, und zwar tem­po­ral oder lo­kal, und auch im Sin­ne von Ein­wei­hung in My­ste­rien ver­wen­det wur­de.4
  3. Von ini­tium lei­te­te man das Verb ini­tia­re ab, das ex­klu­siv für das Ein­wei­hen in re­li­giö­se My­ste­rien re­ser­viert ist.
  4. Zu ini­tia­re ist ini­tia­men­ta (pl.) das No­men, nach­klas­sisch ver­formt zu ini­tia­tio und ein­ge­deutscht zu "Ini­tia­tion" - al­le eben­falls für die My­ste­rien­ini­tia­tion re­ser­viert.

Die­ser Ar­ti­kel und da­mit mei­ne Ver­wen­dung des Aus­drucks "ar­cha­ische Tra­di­tio­nen" be­schränkt sich, wie ge­sagt, aus me­tho­di­schen Grün­den be­wusst auf die drei Ri­tua­le Be­schnei­dung, Tau­fe und Seg­nung.
Sie sind in der Re­gel die er­sten in der re­li­giö­sen Bio­gra­fie ei­nes Men­schen, ent­schei­den über die Re­li­gions­zu­ge­hö­rig­keit ei­nes Men­schen und er­schei­nen mir al­le drei als Kor­re­lat zur phy­si­schen Ge­burt be­zie­hungs­wei­se zur Ent­ste­hung neu­en mensch­li­chen Le­bens.
Ich kür­ze sie mit ATn ab. Statt "Neues Te­sta­ment" schrei­be ich NT, statt "Al­tes Te­sta­ment" AT. Wie Du be­merkt hast, set­ze ich ATn kur­siv, um je­de Ver­wechs­lungs­mög­lich­keit mit AT aus­zu­schlie­ßen.
 
 

2. ZU MEI­NER PER­SON

Die­ser Ar­ti­kel be­han­delt Uni­ver­sel­les, auf al­le oder vie­le Men­schen Zu­tref­fen­des - auf al­le Men­schen hin­sicht­lich ih­res Ge­bo­ren­seins, auf vie­le Men­schen hin­sicht­lich der ATn. Da­her könn­te je­der Mensch ei­nen Ar­ti­kel wie die­sen schrei­ben. Aber nicht je­der tut es. Wenn noch nie je­mand so ei­nen Ar­ti­kel ge­schrie­ben hat, dann ich bin der er­ste und es in­te­res­siert Dich da­her viel­leicht mein Hin­ter­grund.

In mei­ner Ju­gend stu­dier­te ich ka­tho­li­sche Theo­lo­gie, war sie­ben Jah­re als ka­tho­li­scher Prie­ster tä­tig, ha­be dann auf­grund ei­ner Of­fen­ba­rung mei­ne Kon­fes­sion ge­wech­selt, mich in die­ser en­ga­giert, ei­ne Ar­beit ge­fun­den, ge­hei­ra­tet, drei Kin­der ge­zeugt. ... In die­sem Kon­text mach­te ich mei­ne Be­ob­ach­tun­gen. Mein Wis­sen über die Bi­bel stammt aus mei­nem Stu­dium und jah­re­lan­ger Lek­tü­re in ver­schie­de­nen Spra­chen, auch den Ori­gi­nal­spra­chen.

Mein Den­ken ist zwar lü­cken­haft, sub­jek­tiv ge­färbt und nicht un­ab­hän­gig von bio­gra­fi­schen De­tails, doch mei­ne ich, auf­grund mei­ner Kennt­nis der Quel­len­la­ge so gut Be­scheid zu wis­sen, wie es für die­sen Ar­ti­kel eben not­wen­dig ist.

Durch die Of­fen­ba­rung kam ich zur In­ter­dis­zip­li­na­ri­tät - je­de Dis­zip­lin ist auf ih­re Art ei­ne Spiel­art des Lo­gos - und fühle mich da­bei vom Wort des hei­li­gen Bo­na­ven­tu­ra, man mö­ge stets "im Buch der Schrift, im Buch der Na­tur und im Buch des Le­bens le­sen", un­ter­stützt.

Wie ver­läss­lich mein Wis­sen ist, weiß ich gar nicht. Ich hal­te nur jetzt ge­ra­de, nach Jahr­zehn­ten des Stu­die­rens und Be­ob­ach­tens, den Zeit­punkt für reif, mit an­de­ren zu tei­len, wel­che as­so­zia­ti­ven Zu­sam­men­hän­ge ich zwi­schen den ATn und der Bio­lo­gie sehe.

As­so­zia­tio­nen ha­ben Schwä­chen:

  1. Sie tre­ten in spe­ku­la­ti­ver Ge­stalt auf.
  2. Sie sind sub­jek­tiv - wie der ei­ne as­so­zi­iert, so der an­de­re nicht - und wir­ken in­so­fern we­der ver­bind­lich noch zwin­gend.
  3. Der Grad ih­rer Plau­si­bi­li­tät schwankt stark. Er geht von ge­ring ("un­wahr­schein­lich, un­sin­nig, un­mög­lich") bis hoch ("wahr­schein­lich, of­fen­sicht­lich, evi­dent").

Aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht könn­ten sie da­her als un­brauch­bar er­schei­nen. Sie ha­ben aber auch Stär­ken:

  1. Sie schu­len das Den­ken.
  2. Sie ver­lan­gen Kom­pe­tenz in mehr als nur ei­ner Dis­zi­plin.
  3. Sie glau­ben an die Ein­heit un­se­rer Wirk­lich­keit, in der al­les mit al­lem zu­sam­men­hängt.
  4. Sie ver­lan­gen an­ge­sichts des Ri­si­kos fal­schen As­so­ziie­rens stän­di­ge Auf­merk­sam­keit und Kor­rek­tur­be­rei­tschaft.

So schlecht sind As­so­zia­tio­nen al­so nicht.

Da­rüber hi­naus er­mu­ti­gen mich die wert­vol­len und er­staun­li­chen, durch Ver­las­sen aus­ge­tre­te­ner Pfa­de au­to­di­dak­tisch ge­mach­ten Ent­de­ckun­gen vie­ler For­scher - ich nen­ne hier nur Er­hard Land­mann und Ernst Mul­da­shev -, mei­nen gut be­grün­de­ten As­so­zia­tio­nen zu trau­en und sie Dir zur Kennt­nis zu brin­gen.

Wa­rum schrei­be ich dies auf? Weil wir mit der Zeit nicht mehr wis­sen wer­den, was wir tun - we­der in der Welt des Er­werbs noch in der Welt der Kunst noch in der Welt des Sinns -, wenn wir die Kor­re­la­tion der ATn, die so vie­len Mil­liar­den Men­schen Rich­tung ge­ben, mit un­se­rem All­tags­le­ben nicht se­hen. Po­si­tiv ge­wen­det: Die ATn brin­gen uns mit ei­ner ge­rich­te­ten Ener­gie, die stän­dig am Werk ist und ge­heim­nis­voll die Na­tur und die ihr in­ne­woh­nen­de Be­wusst­seins­prä­senz ver­eint, in Kon­takt und las­sen sie wir­ken. Da­her möch­te ich dem heu­ti­gen Men­schen die ATn, mit de­ren Ent­ste­hung und Sinn sich zu be­fas­sen er kaum Zeit noch Mu­ße hat, auf ei­ne Wei­se na­he­brin­gen, die ihm neue Ein­sich­ten in das Le­ben er­mög­licht.

Fach­ar­ti­kel ist das, was Du hier liest, aber kei­ner. Aka­de­mi­schen Dis­kurs gibt es zu mei­nem The­ma noch nicht. Ich tue mir durch­aus schwer, Wor­te für mein The­ma zu fin­den. Mein Wis­sen ist Ver­mu­tung, mein Durch­blick un­voll­kom­men, mei­ne Absicht nicht ta­del­los. Du musst al­so kri­tisch le­sen und dich ver­ge­wis­sern, ob es wirk­lich so ist, wie du es von mir hörst. Ich kann mich ir­ren.
 
 

3. PRÄ­MIS­SEN

Mei­ne Aus­füh­run­gen krei­sen um ...

3.1 GE­BURT UND PER­SÖN­LICH­KEITS­ENT­WICK­LUNG

3.1.1 Ge­burt

Die Ge­burt ei­nes Kin­des trans­por­tiert mensch­li­ches Be­wusst­sein aus dem Mut­ter­schoß in die nächst­hö­he­re Ebe­ne: un­se­re "Welt". Die Stu­fen die­ses Trans­port­pro­zes­ses lau­fen plötz­lich und hin­ter­ei­nan­der ab.

Die "ar­cha­ischen Ri­tu­a­le" Be­schnei­dung, Tau­fe und Seg­nung re­pli­zie­ren nach­träg­lich ei­nen je­weils an­de­ren Mo­ment des statt­ge­hab­ten Ge­burts­vor­gan­ges. Und zwar re­pli­ziert die ...

Be­schnei­dung  ... 

den Mo­ment des Durch­schnei­dens der Na­bel­schnur

Tau­fe  ... 

den Mo­ment, an dem das Kind nach dem Plat­zen der Frucht­bla­se den Mut­ter­schoß durch­bricht

Seg­nung  ... 

den Mo­ment der Zu­ord­nung der bei­den Ga­me­ten auf­ei­nan­der

Die Vor­stel­lung des Re­pli­zie­rens von Mo­men­ten prä-, pe­ri- und post­na­ta­ler Pha­sen mag auf den er­sten Blick weit her­ge­holt er­schei­nen, ist aber - Du wirst es kaum glau­ben - un­se­rer Tra­di­tion ent­nom­men und wird, da­von bin ich über­zeugt, letzt­lich auf­grund ih­rer Ein­fach­heit und Lo­gik ein­leuch­ten.

Die Ge­mein­de schafft in den ATn ei­nen grö­ße­ren Raum, um die Dy­na­mik und Ener­gie des Ge­burts­vor­gan­ges fort­zu­set­zen, zu ver­stär­ken und auf das grö­ße­re ge­sell­schaft­li­che Gan­ze hin aus­zu­rich­ten.

Die­se Zu­ord­nung ist die zen­tra­le The­se die­ses Ar­ti­kels und mein Schreib­mo­tiv. Sie braucht, wie oben un­ter "Prä­mis­sen" an­ge­ge­ben, zu ih­rer Kom­plet­tie­rung die nun fol­gen­den Be­mer­kun­gen über Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung.

3.1.2 Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung

Mit der Ge­burt ei­nes Kin­des, mit des­sen An­kunft auf un­se­rer Er­de, mit des­sen Ein­tritt in un­se­re Welt be­ginnt auch des­sen Ex­pan­sions-, Ent­fal­tungs- und Rei­fungs­pro­zess, den ich in fol­gen­dem Re­fe­renz­rah­men se­he:

Ich möch­te ei­ni­ge Ge­dan­ken zur ver­ti­ka­len und ho­ri­zon­ta­len Uni­ver­sa­li­tät von El­tern-Ener­gien an­schlie­ßen.
Die El­tern-Kind-Be­zie­hung ist ein­zig­ar­tig. Das Kind ist zeit sei­nes Le­bens stän­dig von der Ak­ti­vi­tät sei­ner El­tern um­ge­ben. Sie wa­ren vor sei­ner Ge­burt ak­tiv, sind es bei sei­ner Ge­burt und da­nach eben­falls. Das Kind er­lebt al­so vor, wäh­rend und nach sei­ner Ge­burt die glei­chen El­tern - ein Um­stand, in dem man Kon­ti­nui­tät er­bli­cken kann, und zwar ei­ne so­wohl trans­ge­ne­ra­tio­na­le5 als auch trans­di­men­sio­na­le6 Kon­ti­nu­i­tät. Da­mit sind die El­tern so et­was wie der Rah­men oder der Raum für die Ent­wick­lung des Kin­des, bis die­ses selbst neu­em Le­ben Raum gibt, al­so El­tern wird und da­mit das Ziel sei­ner Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung er­reicht.
El­tern-Ener­gien sind uni­ver­sel­le Ener­gien, die je­dem Kind zu­kom­men. Sie funk­tio­nie­ren auch durch Ob­sor­ge­be­rech­tig­te, die nicht die leib­li­chen Er­zeu­ger sind - wie Adop­tiv­el­tern oder an­de­re für das Kind ge­schaf­fe­ne zi­vil­recht­li­che Kon­stel­la­tio­nen. Um­ge­kehrt kön­nen auch bei Kin­dern, die bei ih­ren Er­zeu­gern le­ben, an­de­re Per­so­nen El­tern-Ener­gien trans­por­tieren - wie äl­te­re Ge­schwi­ster, On­keln und Tan­ten, Nach­barn, Leh­rer ...
 

3.2 EL­TERN, ELI­TEN UND ELO­HIM

Was kann un­se­re Tra­di­tion uns über das Ziel der Ent­wick­lung der mensch­li­chen Per­sön­lich­keit sa­gen?

3.2.1 El­tern, Eli­ten und Elo­him in der Tra­di­tion

Zu den drei "El"s fällt mir ein:

Is­ra­eli­ti­sches Schrift­tum und Li­tur­gie sind durch­zo­gen von Leh­ren, Bil­dern, Bei­spie­len und mar­kan­ten Er­eig­nis­sen um El, Elo­him und Eli. Das NT und die christ­li­che Li­tur­gie zi­tie­ren die­se man­chmal. Eli als Di­mi­nu­tiv von Elias in der Per­son Jo­han­nes des Täu­fers kommt an zen­tra­len Stel­len des NT vor.

So viel zur Ver­an­ke­rung der Sil­be El in un­se­rer Tra­di­tion. Spürt man heu­te et­was von der Sil­be El?

3.2.2 El­tern, Eli­ten und Elo­him heu­te

Was El­tern be­trifft: Ja. Ich ha­be Be­kannte, die nicht nur Kin­der ha­ben, son­dern auch gro­ße Ah­nen sind. Sie  s i n d  El­tern und hei­ßen nicht bloß so.
Als ehe­mals zö­li­ba­tä­rer Prie­ster, der dem Zö­li­bat grund­sätz­lich po­si­tiv ge­gen­über­steht, möch­te ich in die­sem Zu­sam­men­hang die gei­sti­ge El­tern­schaft er­wäh­nen. Man kann Men­schen auch rein gei­stig Le­ben ein­hau­chen und ih­nen so gei­stig El­tern wer­den.
Auch Adop­tiv­el­tern kön­nen ih­ren Adop­tiv­kin­dern wah­re El­tern sein. Die El­tern-Qua­li­tät ist das Er­stre­cken der Schöp­fer-Qua­li­tät auf Kin­der, sei­en es leib­li­che, gei­sti­ge oder adop­tier­te.

Was Eli­ten be­trifft: Eben­falls ja. Man­che mei­ner Be­kann­ten zäh­len sich da­zu und pfle­gen ein ent­spre­chend ho­hes gei­sti­ges und so­zia­les Ni­veau. Bei mir selbst bin ich mir nicht si­cher. Ich soll­te viel­leicht zur Eli­te ge­hö­ren, hal­te mich aber eher in Bo­den­nä­he auf.

An­ders mit den Elo­him11: Nie­mand, den ich ken­ne, zählt sich da­zu. Die Elo­him sind für mich ein ge­heim­nis­vol­ler, un­durch­dring­li­cher Be­reich, über den ich nichts Kla­res sa­gen kann.

3.2.3 El­tern, Eli­ten und Elo­him und per­sön­li­che Voll­kom­men­heit

Re­prä­sen­tie­ren El­tern-, Eli­ten- und Elo­him-Fi­gu­ren die Ziel­ge­stalt der mensch­li­chen Rei­fung? Kommt da­rauf an. Sie sind Ener­gien, mit de­nen im­mer bes­ser um­ge­hen zu ler­nen wir un­ser gan­zes Le­ben lang zu tun ha­ben. So­lan­ge wir noch wach­sen, wer­den sie uns manch­mal ab­wer­fen - wie ein wil­der Hengst, den zu­zu­rei­ten wir aus­ge­zo­gen sind. Sie ver­eh­ren, nach­ah­men oder sich ih­nen un­ter­ord­nen zu wol­len, wür­de nichts brin­gen, wä­re der fal­sche Weg. Der rich­ti­ge Weg wä­re der, in der Aus­ei­nan­der­set­zung mit ih­nen zu wach­sen. Die­ser Weg führt über Ent-Iden­ti­fi­zie­rung, Ver­ge­gen­ständ­li­chung, Rol­len­spiel. Die "El"s sind nicht mein Vor­bild und nicht mei­ne Voll­en­dung. Mei­ne Voll­en­dung er­rei­che ich nur durch mein ei­ge­nes Le­ben auf dem Weg, den es mich führt. Das meint auch das neu­te­sta­ment­li­che "Nie­mand kommt zum Va­ter au­ßer durch mich"12: Nie­mand wird "Va­ter" (gro­ßer Ah­ne) au­ßer durch sich selbst ("mich") hin­durch.

Ne­ga­tiv be­legt ist das Wort "Eli­ten" heu­te in­so­fern, als man­che da­rin ei­ne Füh­rungs­schicht se­hen, die da­rauf spe­zia­li­siert ist, an­de­re Men­schen rück­sichts­los für ei­ge­ne Zwe­cke aus­zu­beu­ten. In Eli­ten-kri­ti­schen Ideo­lo­gien ent­spricht tat­säch­lich man­ches un­se­rem Le­bens­ge­fühl und un­se­rer Er­fah­rung. In der Pra­xis funk­tio­niert aber die ideo­lo­gische Un­ter­schei­dung zwi­schen gu­ten und bö­sen Eli­ten, wah­ren und fal­schen, gu­ten und schlech­ten El­tern nicht, weil pro­ji­ziert. Ohne ne­ga­ti­ve Phä­no­me­ne zu ig­no­rie­ren, sieht die Psy­cho­lo­gie die Funk­tion von "El"s als - oft un­be­que­men - Rei­be­baum und stellt da­mit den Kon­flikt zwi­schen den Eli­ten und "nor­ma­len" Men­schen in den Kon­text der Be­zie­hung zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen. Als Rei­be­baum möch­te ich die Eli­ten auch se­hen. Oder als Lehr­mei­ster. Aber nicht als Ziel. Ge­ra­ten wir un­an­ge­neh­men Re­prä­sen­tan­ten ei­ner Eli­te in die Que­re, dann nur zu un­se­rem Be­sten. Grün­de da­für kön­nen sein, dass wir vom rech­ten Weg ab­ge­kom­men sind, in Ge­fahr da­zu wa­ren oder sonst ih­ren Ein­fluss brauch­ten. Aber un­ser Ziel sind nicht sie, son­dern Gott.
In der Ge­schich­te se­hen wir vor­züg­li­che Men­schen, auch sol­che, die wir heu­te als Hei­li­ge ver­eh­ren, mit ih­res­glei­chen er­bit­ter­te, uns gar nicht vor­bild­lich vor­kom­men­de Kon­flik­te aus­fech­ten.

Al­so Vor­bil­der? Nein! Ener­gien? Ja!
 

3.3 GOTT

Theo­lo­gie stu­diert zu ha­ben be­deu­tet nicht, von Gott mehr zu wis­sen als an­de­re, son­dern nur, von al­en mög­li­chen mehr oder we­ni­ger ehr­lich ge­mein­ten, je­doch letzt­lich er­folg­lo­sen Ver­su­chen, Gott auf die Spur zu kom­men, ge­hört zu ha­ben. Wie oft hör­te ich mei­ne Pro­fes­so­ren zu­ge­ben, dass Theo­lo­gie nur sa­gen kann, was Gott NICHT ist!

Du kennst viel­leicht den Witz vom Phi­lo­so­phen und vom The­o­lo­gen. Der The­o­lo­ge be­män­gelt am Phi­lo­so­phen, er su­che in ei­nem dunk­len Raum nach ei­ner Kat­ze, die gar nicht da sei. Der Phi­lo­soph re­tour­niert, der The­o­lo­ge su­che in ei­nem dunk­len Raum nach ei­ner Kat­ze, die gar nicht da sei, und ru­fe: "Ich hab' sie!"

Mit oder oh­ne The­o­lo­gie kann ich sa­gen, dass die ATn äl­ter sind als un­ser All­tags­be­wusst­sein. Sie ha­ben hun­der­te Ge­ne­ra­tio­nen von Men­schen er­reicht. Die äl­te­sten und mit­glie­der­reich­sten Welt­re­li­gio­nen ha­ben sie als Ein­tritts­tor. Laut un­se­ren hei­li­gen Schrif­ten hat Gott selbst sie an­ge­ord­net.13 Ein sol­cher Be­fund lässt den mo­der­nen Skep­ti­ker, wie ich ei­ner bin, fra­gen: Muss ich das glau­ben oder wird mir das aus dem Ding selbst er­sicht­lich? Er­hielt da je­mand ei­ne Ein­ge­bung von oben oder er­san­nen mensch­li­che Er­fin­der­ge­nies die­ses Ding, das sich so lan­ge hal­ten und so weit ver­brei­ten konn­te? Könn­te ich das doch am Ri­tu­al selbst er­ken­nen! Aber lei­der, ich kann es nicht! Mein Ver­stand reicht nicht so weit. Und ich bin nicht der er­ste. Die is­ra­e­li­ti­sche Ober­schicht im NT hat­te das glei­che Pro­blem:

Als er im Tem­pel um­her­ging, ka­men die Ho­hen­prie­ster, Schrift­ge­lehr­ten und Äl­te­sten zu ihm und frag­ten ihn: "Mit wel­chem Recht tust du das al­les? Wer hat dir die Voll­macht ge­ge­ben, das zu tun?" Je­sus sagte zu ih­nen: "Zu­erst will ich euch ei­ne Fra­ge vor­le­gen. Ant­wor­tet mir, dann werde ich euch sa­gen, mit wel­chem Recht ich das tue. Stamm­te die Tau­fe des Jo­han­nes vom Him­mel oder von den Men­schen? Ant­wor­tet mir!" Da über­leg­ten sie und sag­ten zu­ei­nan­der: "Wenn wir ant­wor­ten: 'Vom Him­mel!', so wird er sa­gen: 'Wa­rum habt ihr ihm dann nicht ge­glaubt?' Sol­len wir al­so ant­wor­ten: 'Von den Menschen?'" Sie fürch­te­ten sich aber vor den Leu­ten; denn al­le glaub­ten, dass Jo­han­nes wirk­lich ein Pro­phet war. Da­rum ant­wor­te­ten sie Je­sus: "Wir wis­sen es nicht." Je­sus er­wi­der­te: "Dann sa­ge auch ich euch nicht, mit wel­chem Recht ich das al­les tue."14

Die Stel­le brin­gen al­le drei Sy­nop­ti­ker15 in et­wa gleich­lau­tend. Das ist mas­siv. Aber wis­sen wir jetzt, wo­her die Tau­fe kommt? Nein. Ich muss die­se Fra­ge Men­schen mit mehr Ge­spür da­für über­las­sen. Für ei­nen In­tel­lek­tu­el­len wie mich ist sie zu hoch, zu ur­sprüng­lich oder zu sim­pel.
 

Ex­kurs: Gott ganz schnell

Gott ist selbst­ver­ständ­lich. Evi­dent. Es gibt nichts Evi­den­te­res. Die Tren­nung zwi­schen Gott und Mensch ist be­haup­tet, nicht tat­säch­lich. Es gab nie ei­ne wirk­li­che Tren­nung oder Sün­de (ety­mo­lo­gisch her­kom­mend von [ab]son­dern = tren­nen).

"Gott" sen­det sei­nen Son (sic!), sei­nen Sound, sei­nen Klang, sein Wort. So tritt er in Be­zie­hung.

"Gott" sen­det sei­ne Son­de. Die Son­de fliegt los, ver­lässt ih­ren Sen­der, ver­liert ih­re Sen­de­fre­quenz, son­dert sich ab vom Sen­der, ver­wan­delt sich in Sün­de. Sie re­a­li­siert ihr Po­ten­zial und er­schafft sich selbst neu, ge­mäß ih­rer Be­stim­mung. Ir­gend­wann funkt es auf der Sen­de­fre­quenz wie­der. Die Son­de weiß nicht wa­rum, aber wo­zu, das weiß sie schon. Sie braucht da­für kei­nen Leh­rer. Dann singt der Schöp­fer sein neu­es Lied. An das Al­te denkt nie­mand mehr. Das Neue ist un­um­kehr­bar.

Ein Gott oh­ne Mensch, ein Mensch oh­ne Gott ist kei­nes von bei­den, weil ein Teil, ei­ne Ka­te­go­rie, ei­ne Per­spek­ti­ve, ei­ne Dar­stel­lung, ein Bild ... nicht ganz sein kann. Nur das Gan­ze ist. Nur der Gott­mensch ist. Der Mensch, der Gott ist. Und das bist du. Lebe als Gott. Lebe dein Gott­sein. Schöp­fe.

Und ver­wechs­le dich nicht mit dei­nen Ge­dan­ken. Sie sind nicht du. Auch das, was du hier liest, bist nicht du.

Du weißt, wer du bist.
 
 

4. DIE DREI AR­CHA­I­SCHEN TRA­DI­TIO­NEN

Ich bin jetzt mit den Prä­mis­sen fer­tig und kom­me zum Ge­gen­stand. Da­bei gehe ich in­duk­tiv vor. Ich le­ge ein Puzz­le. Ich be­schrei­be ein De­tail der je­wei­li­gen Tra­di­tion nach dem an­de­ren und ma­che so nicht nur ihr Er­schei­nungs­bild, son­dern auch die sie mo­ti­vie­ren­de Ab­sicht und die da­hin­ter wir­ken­de Kraft im­mer deut­li­cher.
 

4.1 BE­SCHNEI­DUNG

4.1.1 Hin­füh­rung

Lässt Du al­le Ele­men­te des Ge­burts­vor­gang an Dei­nem gei­sti­gen Au­ge vor­bei­zie­hen und fragst Dich da­bei, wel­ches da­von am ehe­sten der Be­schnei­dung der männ­li­chen Vor­haut äh­nelt, kommst Du auf die Durch­tren­nung der Na­bel­schnur.

4.1.2 Die Pa­ral­le­le zwi­schen Be­schnei­dung und Ab­na­be­lung

Nach der Ge­burt und dem Ein­set­zen der At­mung hängt das Kind noch an der Na­bel­schnur, dem Ka­nal, der es neun Mo­na­te mit der Pla­zen­ta ver­bun­den und ge­nährt hat.16 Wird die­ser nicht künst­lich durch­trennt, son­dert die Na­tur ihn aus:

  1. Bei der Mut­ter: Die Pla­zen­ta und mit ihr die Na­bel­schnur tre­ten et­wa ei­ne hal­be Stun­de bis drei Stun­den nach der Ge­burt mit der Nach­ge­burt von selbst aus dem ma­ter­na­len Ute­rus aus.
  2. Beim Kind: Vom Bauch des Kin­des fällt die Na­bel­schnur in­ner­halb von zwei bis 14 Ta­gen von selbst ab. Zu­rück bleibt nur der Na­bel als sicht­ba­re Nar­be, die ver­heilt.

Die Na­tur ent­fernt ei­ne nicht durch­trenn­te Na­bel­schnur rück­stands­frei17. Wir be­ob­ach­ten je­doch ihr ak­ti­ves Durch­bis­sen­wer­den durch Mut­ter­tie­re, und der Mensch durch­trennt sie eben mit der Sche­re oder dem Mes­ser.

Ein­schlä­gi­ge is­ra­e­li­ti­sche Schrif­ten schil­dern die Be­schnei­dung als so nor­mal wie das Ent­fer­nen der Na­bel­schnur (zu­fäl­lig?) und ver­tei­di­gen sie mit die­sem Ar­gu­ment ge­gen Kri­ti­ker.

Aber schon vor mei­ner Lek­tü­re die­ser Schrif­ten mein­te ich ver­stan­den zu ha­ben, dass das Ab­schnei­den der Vor­haut sinn­fäl­lig in der Öf­fent­lich­keit ze­le­briert, was schon vor­her pas­siert ist - das Ent­kop­peln des Kin­des von der näh­ren­den Um­ge­bung des Mut­ter­scho­ßes und sein Start in die neue Um­ge­bung mit ih­ren neu­en Ge­set­zen -, und des­halb als ri­tu­el­le Fort­set­zung des Durch­tren­nens der Na­bel­schnur kon­zi­piert ist.

Das Ab­schnei­den wird zur öf­fent­li­chen Fei­er er­ho­ben, wie wir es et­wa von der Ein­wei­hung ei­ner Räum­lich­keit, der Er­öff­nung ei­nes Ge­bäu­des oder ei­ner Schiffs­tau­fe ken­nen (das zu durch­schnei­den­de Band ist mei­stens rot - Zu­fall?).

Bei der is­ra­e­li­ti­schen Be­schnei­dungs­feier wird die Öf­fent­lich­keit durch die Ge­mein­de re­prä­sen­tiert, de­ren Mit­glied der Kna­be gleich­zei­tig wird. Be­schnit­ten wird in Is­ra­el18 nor­ma­ler­wei­se nur im klei­nen fa­mi­li­ä­ren Rah­men, wes­halb von der Ge­mein­de außer dem Mo­hel19 und viel­leicht ei­nem zwei­ten Amts­trä­ger kaum je­mand zu­ge­gen sein wird - was der Öf­fent­lich­keit der Fei­er al­lerdings kei­nen Ab­bruch tut.

Ich ver­tre­te hier die The­se, dass die is­ra­e­li­ti­sche Tra­di­tion die Ab­tren­nung der Na­bel­schnur und die des Prä­pu­tiums pa­ral­lel setzt. Die Pa­ral­le­le be­zieht sich auf die Zei­chen und auf die Wir­kun­gen. Die Zei­chen sind in­so­fern pa­ral­lel, als in bei­den Fäl­len et­was Kör­per­li­ches ab­ge­schnit­ten wird. Die Wir­kun­gen sind in­so­fern pa­ral­lel, als in bei­den Fäl­len das Neu­ge­bo­re­ne in ei­nen neu­en, un­gleich wei­te­ren Le­bens­raum über­tritt.

4.1.3 Ein ein­zi­ger Vor­gang

Die Pa­ral­lel­set­zun­gen deu­ten da­rauf hin, dass es sich um ei­nen ein­zi­gen in zwei Etap­pen ge­stuf­ten Vor­gang han­delt:

  1. In der er­sten Etap­pe - der Ge­burt, zu der die Ab­tren­nung der Na­bel­schnur ge­hört - tritt das Kind phy­sio­lo­gisch in sei­nen neu­en Le­bens­raum über, in dem sei­ne Er­hal­tung und Er­näh­rung von At­mo­sphä­re, phy­si­scher Nah­rung und aku­sti­schem Klang be­stimmt sind, im Ge­gen­satz zum Mut­ter­schoß mit sei­nem Was­ser­bad und der di­rek­ten In­fu­sion der Nah­rung ins Blut.
  2. In der zwei­ten Etap­pe - der Be­schnei­dung - wei­tet sich die­ser neue Le­bens­raum von der Kern­fa­mi­lie auf die grö­ße­re Öf­fent­lich­keit hin aus. Die­se nimmt be­reits ih­re Zu­stän­dig­keit für die Auf­sicht über den neu­en Er­den­bür­ger wahr - mit al­len recht­li­chen Kon­se­quen­zen wie der Ein­tra­gung in di­ver­se Re­gi­ster. Man könn­te mit ei­nem ter­mi­nus tech­ni­cus sa­gen: Die Öf­fent­lich­keit ra­ti­fi­ziert die Ge­burt. Die Öf­fent­lich­keit ist nichts an­de­res als der Raum, in dem die Fa­mi­lie be­hei­ma­tet ist, mit an­de­ren Wor­ten: der Stamm. Die Be­schnei­dung ist die Auf­nah­me in den Stam­mes­ver­band. Ei­ner­seits ver­grö­ßert da­mit die Be­schnei­dung den Le­bens­raum des Kin­des und der Stamm be­ginnt das Neu­ge­bo­re­ne zu för­dern, an­de­rer­seits be­ginnt er es aber auch zu be­an­spru­chen.
    Wei­ters ist die Öf­fent­lich­keit die neue Müt­ter­lich­keit. Die er­ste Mut­ter wur­de zu­rück­ge­las­sen, und die zwei­te Mut­ter - die Ge­mein­de - be­ginnt das Kind gei­stig und phy­sisch zu näh­ren, zu för­dern und zu for­dern. Da­zu ge­hört in der Re­gel auch die er­ste Mut­ter mit ih­rer un­ver­zicht­ba­ren Auf­ga­be.

Bei der er­sten Etap­pe spürt man noch ei­ne Art Weih­nachts­ro­man­tik, bei der zwei­ten aber schon den Ernst des Le­bens, die Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung in­ner­halb des Stam­mes und für den Stamm.
Ge­bo­ren wird das Kind in ei­ne Fa­mi­lie, und mit der Be­schnei­dung schal­tet sich die Stam­mes­ebe­ne da­zu, die Kin­des­er­zie­hung ge­mein­sam mit der Fa­mi­lie zu be­trei­ben.

Kön­nen wir nun Ge­burt und Be­schnei­dung als ei­nen ein­zi­gen Vor­gang aus zwei pa­ral­le­len Events se­hen? Falls ja, dann wer­den wir auch die Pa­ral­le­li­tät der Zei­chen ver­ste­hen. Auf wel­che Weise sind Ab­na­be­lung und Ab­schnei­den des Prä­pu­tiums pa­ral­lel?20 Wa­rum wähl­te man nicht ei­nen an­de­ren Kör­per­teil?

4.1.4 Die Wahl des Zei­chens

Um In­zest21 zu ver­mei­den, muss ein Raum kon­stru­iert wer­den, des­sen Grö­ße ei­ne zur Ver­mei­dung ge­ne­ti­scher De­fek­te aus­rei­chen­de Ent­fer­nung der Ver­wandt­schafts­gra­de zwi­schen po­ten­ziel­len Ehe­part­nern er­mög­licht.22 Die Groß­fa­mi­lie bie­tet die­sen Raum nicht. Erst der Stamm23 bie­tet ihn und na­tür­lich, über den Stamm hi­naus­ge­hend, die Na­tion. Über Is­ra­el als Na­tion24 hi­naus soll­te man bei sei­ner Part­ner­wahl aber nicht ge­hen, weil da­mit die Zu­ge­hö­rig­keit sei­ner Nach­kom­men­schaft zu Is­ra­el oh­ne Über­tritt des an­ders­gläu­bi­gen Ehe­part­ners nicht mehr ge­si­chert wä­re. Schlimm­sten­falls wür­de man da­mit Is­ra­el und sei­nem Gott feind­lich ge­sinn­te Men­schen schaf­fen und so dem Zweck der Fort­pflan­zung zu­wi­der­lau­fen.
Stam­mes­treue tut mit­hin Not. Man in­stru­iert da­her die Is­ra­e­li­ten mit­hil­fe zahl­rei­cher Ge­set­ze, Be­leh­rungen und Re­geln, das Fort­pflan­zungs­ver­hal­ten be­tref­fend, um si­cher­zu­stel­len, dass Nach­kom­men­schaft sich in­ner­halb ei­ner ver­läss­li­chen Mann-Frau-Be­zie­hung (Ehe)25 ein­stel­le und dort auch in Si­cher­heit auf­wach­sen kann. So ist es ge­wünscht, so ist es ge­sollt und so mö­ge es denn auch sein - wie die To­ra mit der For­mel "spricht der Herr" oder "ich bin der Herr" im­mer wie­der un­ter­streicht.
Da­mit es nicht nur so sein soll, son­dern auch so wird, küm­mern sich die Stam­mes­ver­ant­wort­li­chen um die Ein­hal­tung der stren­gen Fort­pflan­zungs­re­geln. Sie si­chern in den Fa­mi­lien ih­res Stam­mes be­reits un­mit­tel­bar nach je­der Ge­burt die Fort­pflan­zungs­kraft des Neu­ge­bo­re­nen für den Stamm. Mit­hil­fe der ar­cha­ischen Tra­di­tio­nen26 rich­ten sie den Kna­ben auf die Ver­grö­ße­rung des Stam­mes aus.

Der bi­bli­sche Ur­text ist deut­lich und klar, wird aber durch kom­men­tie­ren­de Li­te­ra­tur oft bis zur Un­ver­ständ­lich­keit ver­klau­su­liert. Gott führ­te die Be­schnei­dung als Bun­des­zei­chen zwi­schen sich und Ab­ra­ham ein, um sich selbst - Gott! - zahl­rei­che Nach­kom­men zu si­chern (Ge­ne­sis 17:2-14)27. Die Pra­xis der Be­schnei­dung als ar­cha­ischer Tra­di­tion hat­te den Sinn, dem is­ra­e­li­ti­schen Stamm Nach­kom­men­schaft zu si­chern. Fragst Du Dich, wie ein so un­ver­ständ­li­ches Ri­tu­al das be­werk­stel­li­gen soll, dann freue Dich, denn Du bist der Ant­wort auf der Spur! Die Be­schnei­dung glie­dert das Kind schon im Säug­lings­al­ter in den Stamm ein und ori­en­tiert es da­rauf hin, sich spä­ter im Sin­ne des Stam­mes fort­zu­pflan­zen. "Im Sin­ne des Stam­mes" be­deu­tet in er­ster Li­nie, ei­ne Stam­mes­an­ge­hö­ri­ge zu hei­ra­ten oder we­nig­stens ei­ne vom Rab­bi­nat gut­ge­hei­ße­ne Ver­bin­dung ein­zu­ge­hen. Eine Nicht-Is­ra­e­li­tin zu hei­ra­ten und de­ren Glau­ben an­zu­neh­men wä­re - wie oben an­ge­deu­tet - für ei­nen Be­schnit­te­nen gleich­be­deu­tend mit Glau­bens­ab­fall.

Wie be­werk­stel­ligt die Be­schnei­dung nun die Stam­mes­be­zo­gen­heit? Für die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge muss ich noch zwei Ele­men­te the­ma­ti­sie­ren: den Pe­nis und das Blut.

Nicht nur die Na­bel­schnur trans­por­tiert Blut, son­dern auch der Pe­nis. Auch da­rin sind bei­de pa­ral­lel. Das Blut, das der Pe­nis trans­por­tiert, ist al­ler­dings kein buch­stäb­li­ches, son­dern die Bluts­ver­wandt­schaft des Stam­mes. Der männ­li­che Sa­me wird zum Blut des Stam­mes. Es kommt noch sub­ti­ler. Es geht hier näm­lich nicht um die Kör­per­funk­tion, den Sa­men in das weib­li­che Ge­fäß zu lei­ten - die er­for­der­te kei­ne Be­schnei­dung. Nein, das The­ma sind die Vo­raus­set­zun­gen, un­ter de­nen der acht Ta­ge al­te Kna­be spä­ter Kin­der für Gott (JHWH) zeu­gen kann. Nicht be­lie­bi­ge Kin­der soll er zeu­gen, son­dern Kin­der Got­tes soll er zeu­gen. Und da­für braucht es die Be­schnei­dung.

Dem mo­der­nen Men­schen ist der Ge­dan­ke, nicht al­le Kin­der wä­ren Kin­der Got­tes, ein Greu­el. Er kennt die All­ge­mei­ne Er­klä­rung der Men­schen­rech­te von 1948. Für ihn gibt es kei­nen Raum für Un­ter­schei­dun­gen zwi­schen Kin­dern Got­tes und an­de­ren. Je­doch: Hal­te Dei­ne Em­pö­rung bit­te zu­rück. Ich möch­te we­der die Men­schen­rech­te an­ta­sten noch Hu­man­qua­li­täts­unter­schie­de be­haup­ten. Ich spre­che hier nur da­rüber, wie die Be­schnei­dung die Fort­pflan­zungs­kraft für den Stamm ge­win­nen will. Hier sche­ma­tisch in ei­nem Dia­gramm zu­sam­men­ge­fasst:
 

Pa­ral­le­len zwi­schen ...

... phy­si­scher Ge­burt und ...

... ar­cha­ischer Tra­di­tion

lei­tet Blut:

Na­bel­schnur

Pe­nis

wird be- bzw. ab­ge­schnit­ten:

Na­bel­schnur

Prä­pu­tium

Raum­ver­än­de­rung:

Ute­rus → Fa­mi­lie

Fa­mi­lie → Stamm

Blut wird um­ge­lei­tet:

von der Pla­zen­ta in den ei­ge­nen Kör­per

vom ei­ge­nen Kör­per in den Stamm

In Wor­ten: Der Blut­kreis­lauf wird er­neu­ert. Der phy­si­sche Blut­kreis­lauf wird von der Mut­ter ab­ge­kop­pelt. Pa­ral­lel da­zu wird der gei­sti­ge Bluts­kreis­lauf eben­falls von der bis­he­ri­gen Mut­ter ab­ge­kop­pelt und an den Stamm als grö­ße­rer El­tern-In­stanz an­ge­schlos­sen. Gleich­zei­tig le­gi­ti­miert und be­auf­tragt der Stamm die El­tern mit der Er­näh­rung und Er­zie­hung des Kna­ben. Die Be­schnei­dung ist für die Mut­ter al­so nicht nur Ab­kop­pelung, son­dern auch Be­auf­tra­gung mit ei­ner neu­en Auf­ga­be. Und der Mo­hel als Stam­mes­re­prä­sen­tant er­rich­tet ver­mit­tels ora­len Ab­sau­gens des Blu­tes ei­ne ener­ge­ti­sche Ver­bin­dung zwi­schen sich, dem Stamm und dem Kna­ben, was die Re­so­nanz von Leh­rer und Schü­ler bei der re­li­giö­sen Er­zie­hung ver­stärkt.

Da­mit ha­be ich, glau­be ich, die Wahl des Zei­chens hin­läng­lich ver­deut­licht. Ob es hie­rüber schon tie­fer­ge­hen­de wis­sen­schaft­li­che Re­fle­xio­nen gibt, ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis. Ich ha­be we­der Zeit noch Mög­lich­keit, da­nach zu su­chen.

4.1.5 Weitere Mo­ti­ve

4.1.5.1 Veredelung

Ein bisher noch nicht genanntes Mo­tiv ist das der Veredelung. Wie bei der Pfropfung der Pflanze ei­ne Wunde zugefügt wird, um dort ei­nen edlen Zweig einzusetzen, wird dem Knaben ei­ne Wunde zugefügt. (Den edlen Zweig kann ich al­lerdings nicht ausmachen. Wo er wohl ist?)

4.1.5.2 Ver­trag

Wei­ters tref­fen wir bei der Be­schnei­dung auf ei­ne theo­pho­re Ver­trags­sym­bo­lik. Ver­trä­ge schloss man im al­ten Ori­ent durch Zwei­tei­lung. Man schrieb den Ver­trags­ge­gen­stand auf ei­nen Ge­gen­stand (Holz, Ziegel ...) und zer­brach die­sen in zwei gleich gro­ße Tei­le28, die man gleich da­rauf wie­der zu ei­nem Stück zu­sam­men­hielt, um zu sa­gen: Wir wol­len die­sen Ver­trag hal­ten. Im­pli­zit ver­ein­bar­te man da­bei: Soll­te ich mich nicht an die­sen Ver­trag hal­ten, er­ge­he es mir wie die­sem zwei­ge­teil­ten Ge­gen­stand.29 Bis heu­te heißt "Wir schlie­ßen ei­nen Ver­trag" in sol­chen Kul­tu­ren: "Wir schnei­den ei­nen Ver­trag ab." Durch die Zwei­tei­lung der Pe­nis­haut wird ein Ver­trag mit Gott ge­schlos­sen. Gott wird zum Bünd­nis­part­ner. Man er­hofft sich da­durch den Bei­stand Got­tes, so­lan­ge man selbst sei­ne Ver­trags­pflich­ten ein­hält.
 

4.2 TAU­FE

4.2.1 Hin­füh­rung

Lässt Du al­le Ele­men­te des Ge­burts­vor­gang an Dei­nem gei­sti­gen Au­ge vor­bei­zie­hen und fragst Dich da­bei, wel­ches da­von am ehe­sten an die Tau­fe er­in­nert, kommst Du auf das Durch­bre­chen des Mut­ter­scho­ßes nach dem Plat­zen der Frucht­bla­se.

4.2.2 Die Pa­ral­le­le zwi­schen Tau­fe und Plat­zen der Frucht­bla­se

Chri­sten be­zeich­ne­ten die Tau­fe im­mer schon als "neue Ge­burt". Sie brauch­ten da­für nicht mei­nen Ar­tik­el. Ich will ehr­lich sein: Ich ha­be Pa­ral­le­len zwi­schen den ATn und prä­zi­sen Mo­men­ten des Ge­burts­vor­gan­ges zu­erst bei der Tau­fe er­blickt und da­nach das Glei­che auch bei Be­schnei­dung und Seg­nung ge­sucht - und ge­fun­den.

Die Pa­ral­le­le zwi­schen Tau­fe und Ge­burt ist mit fre­iem Au­ge nicht mehr er­kenn­bar. Zu weit sind Ri­tu­al und Vor­bild von­ei­nan­der ent­fernt. Die Ver­suche un­se­rer Tra­di­tion, das Ri­tu­al mit dem In­halt "neue Ge­burt" zu be­frach­ten, über­zeu­gen kaum.
Zu ei­nen führt man Jo­han­nes 3:1-830 ins Feld, ob­wohl dort "neue Ge­burt" ein­deu­tig et­was an­de­res meint als ein Ri­tu­al - al­so ein zu schwa­cher Be­leg.
Zum an­de­ren müs­sen Chri­sten mit dem Um­stand fer­tig wer­den, dass we­der Je­sus selbst31 noch der gro­ße Apo­stel Pau­lus32 tauf­ten, was vor die Wich­tig­keit der Tau­fe - sie wird ja als heils­not­wen­dig re­kla­miert - zu­nächst ein Fra­ge­zei­chen setzt.

Un­ab­hän­gig von die­sen Schwie­rig­kei­ten ist die Tau­fe im NT ein gro­ßes The­ma. Be­vor wir fra­gen, was sie da­mals be­deu­te­te, klä­ren wir, ...

4.2.2.1 ... wer denn al­ler tauf­te:

a) Es tauf­te vor al­lem Jo­han­nes der Täu­fer. Er stand wo­chen-, viel­leicht mo­na­te­lang am und im Jor­dan und über­goss die von sei­ner Pre­digt an­ge­lock­ten Men­schen mit dem Was­ser die­ses Flus­ses. Die Stel­le im Jor­dan, an der er stand, war Be­ta­nien, "etwa 15 Sta­dien von Je­ru­sa­lem ent­fernt"33 - ich kom­me gleich da­rauf zu­rück.

b) So­dann tauf­ten die Jün­ger des Jo­han­nes und ...

c) die Jün­ger Je­su.

Sonst führt das NT nie­man­den an, der zu Je­su Leb­zei­ten tauf­te.34

4.2.2.2 Was be­deu­tete die Tau­fe da­mals?

Das Über­schüt­ten mit Was­ser "zur Ver­ge­bung der Sün­den"35 durch Jo­han­nes den Täu­fer im Jor­dan bei Be­ta­nien kann, was sei­ne po­li­tisch-re­li­giö­se Be­deu­tung be­trifft, nicht über­schätzt wer­den. Der zum Tau­fen ge­wähl­te Ort ist so ge­schichts­träch­tig, wie er ge­schichts­träch­ti­ger nicht sein kann. An die­sem Jor­dan-Ab­schnitt hat­te et­wa 1400 Jah­re vor­her die end­gül­ti­ge Land­nah­me der Wü­sten­wan­de­rer statt­ge­fun­den. Be­ta­nien war die Stel­le, an der Jo­sua, der Sohn Nuns, nach 40 Jah­ren Wü­sten­wan­de­rung die Is­ra­e­li­ten ins ge­lob­te Land ge­führt hat­te.36 Mit­ten durch den Jor­dan war die in der Wü­ste ge­bo­re­ne zwei­te Is­ra­e­li­ten-Ge­ne­ra­tion tro­cke­nen Fu­ßes ans an­de­re Ufer hi­nüber­ge­schrit­ten. Jo­sua war der Nach­fol­ger des gro­ßen Mo­ses, der mit der is­ra­e­li­ti­schen Vä­ter­ge­ne­ra­tion Ägyp­ten ver­las­sen hat­te und da­mals schon ein­mal - wie all­ge­mein be­kannt sein dürf­te - mit den Is­ra­e­li­ten tro­cke­nen Fu­ßes ein Was­ser, das Ro­te Meer, über­quert hat­te.37

Wie­viel an die­sen sen­sa­tio­nel­len Was­ser­durch­que­run­gen hi­sto­risch ist, ist hier nicht das The­ma. Son­dern die Sym­bo­lik des Zei­chens ist das The­ma. Ei­ne gro­ße Men­ge Men­schen zieht durch zwei rechts und links von ihr stock­werk­hoch ste­hen­de Was­ser­wän­de hin­durch ans an­de­re Ufer, wie von Holly­wood ger­ne action-reich ver­filmt. Die ver­fol­gen­den Ägyp­ter wer­den, so­bald der letz­te Is­ra­e­lit sei­nen Fuß si­cher auf tro­cke­nes Land ge­setzt hat, vom Was­ser über­schwemmt und als Lei­chen an Land ge­spült. Falls Dir der Fall nicht ge­läu­fig ist, lies ihn bit­te in Ka­pi­tel 14 des Bu­ches Exo­dus nach (siehe oben An­mer­kung 37).

Wir ha­ben es hier mit der Ge­burt ei­nes Vol­kes zu tun:

Da­mit ist ge­klärt, in­wie­fern aus die­ser "Ge­burt" so­wohl das er­ste Is­ra­el un­ter Mo­ses als auch das zwei­te Is­ra­el mit Jo­han­nes dem Täu­fer und Je­sus als Zen­trum ent­steht, wo­von die christ­li­che Tau­fe ih­ren Sinn­ge­halt als neue Ge­burt er­hält. Der alte Mensch, der "Ägyp­ter", stirbt und der neue Mensch, der "Is­ra­e­lit", wird ge­bo­ren.

Jetzt müs­sen wir noch zum Er­eig­nis kom­men, von dem der Tauf­ort des Jo­han­nes sei­ne Be­deu­tung er­hielt, näm­lich zur Durch­que­rung des Jor­dan un­ter Jo­sua. Im Un­ter­schied zur er­sten Was­ser­durch­que­rung un­ter Mo­ses legt der be­glei­ten­de Ur­text hier den Ak­zent mehr auf das Ver­trags­mo­tiv als auf die Ge­burts­sym­bo­lik:

So­weit die Land­nah­me durch Jo­sua. Das Mo­tiv des Ge­burts­ka­nals ist zwar dra­ma­tur­gisch in der Sze­nen­fol­ge aus Was­ser­tei­lung und Durch­zug ge­gen­wär­tig, die Be­gleit­wor­te des Ur­tex­tes ak­zen­tuie­ren dies­mal aber, wie ge­sagt, den Ver­trags­ab­schluss. Gott selbst - ge­gen­wär­tig in der Bun­des­la­de - zieht über den Jor­dan, der vor ihm "wie ab­ge­schnit­ten"41 ist. Wenn der Jor­dan "wie ab­ge­schnit­ten" ist, dann ha­ben wir al­le für ei­nen Ver­trags­ab­schluss nö­ti­gen Ele­men­te: die bei­den aus­ei­nan­der­ge­schnit­te­nen Tei­le - den Jor­dan nörd­lich und den Jor­dan süd­lich der Marsch­rou­te - und wir ha­ben Gott, der mit­ten hin­durch zieht.

Da­mit soll­te ich hin­rei­chend klar­ge­macht ha­ben - be­zie­hungs­wei­se die Ge­lehr­ten, die mir die­se Sicht­wei­se ver­mit­tel­ten -, wa­rum die Tau­fe des Jo­han­nes ei­ne neue Ge­burt ist: weil schon die Was­ser­durch­que­run­gen der Is­ra­e­li­ten un­ter Mo­ses und Jo­sua ge­nau das wa­ren und weil Jo­han­nes, da­ran an­schlie­ßend, ei­nen neuen Sohn Got­tes her­vor­brin­gen woll­te - ein neu­es Volk, ei­ne neue Na­tion, nicht we­ni­ger als ein neu­es Is­ra­el! Sein Tau­fen war mit­hin höchst of­fi­zi­ell, was durch die vom NT ge­schil­der­ten Mas­sen­tau­fen - auch der Ober­schicht - be­stä­tigt wird.

Die Sym­bo­lik der Was­ser­durch­que­run­gen löst die oben ge­nann­ten Pro­ble­me der Chri­sten, der Tau­fe den Sinn­ge­halt der neu­en Ge­burt zu­zu­schrei­ben. Die bi­bli­sche Tauf­the­o­lo­gie ist im­mer die glei­che, egal ob bei Mo­ses42, bei Jo­sua, bei Jo­han­nes dem Täu­fer oder im Chri­sten­tum: Der neue Mensch (Is­ra­e­lit, Er­lö­ster) wird ge­bo­ren, der alte Mensch (Ägyp­ter, Sün­der) stirbt in den Flu­ten. So pre­di­gen vie­le tau­fen­de Kir­chen43 über die Tau­fe, wo­bei rö­misch-ka­tho­li­sche Haupt­tra­di­tion die Pa­ral­le­li­tät zwi­schen Was­ser­durch­que­rung und Jo­han­nes­tau­fe eher un­ter­be­leuch­tet (au­ßer in der so­ge­nann­ten Neo­ka­te­chu­me­na­len Be­we­gung).

Nur ge­hen die christ­li­chen Ge­mein­den noch ei­nen Schritt wei­ter als Jo­han­nes der Täufer:

Aus "neu­er Is­ra­elit" ma­chen sie "Christ". Sie kön­nen dies da­mit be­grün­den, dass Je­sus als eben­falls von Jo­han­nes im Jor­dan Ge­tauf­ter und von der Stim­me aus dem Him­mel "ge­lieb­ter Sohn"44 Ge­nann­ter den an­de­ren Ge­tauf­ten als Chri­stus vo­ran­geht, ih­nen den Hei­li­gen Geist ver­leiht und so zu "Chri­sten" macht.

Man könn­te jetzt noch vie­les sa­gen zu Jo­han­nes dem Täu­fer und Je­sus und wie sie sich zu­ei­nan­der ver­hal­ten ha­ben so­wie da­zu, wie Je­sus und das Chri­sten­tum sich zu­ei­nan­der ver­hal­ten.

In Be­schrän­kung auf mein The­ma da­zu nur Fol­gen­des: Je­sus schweb­te of­fen­bar mehr vor als nur ein Fort­schrei­ben des Exo­dus-Mo­tivs. Er hat­te nicht nur ein neu­es Is­ra­el, son­dern ein neu­es Mensch­sein im Sinn. Er be­zeich­ne­te Ab­ra­ham nicht als sei­nen Va­ter, son­dern sag­te: "Ehe Ab­ra­ham ward, bin ich!"45 Er sprach davon, Feu­er vom Him­mel wer­fen zu wol­len,46 und selbst Jo­han­nes sag­te über Je­sus vo­raus, dass die­ser nicht mit Was­ser, son­dern mit Hei­li­gem Geist47 und Feu­er48 tau­fen wer­de. Er geht al­so ein­deu­tig über die im Rah­men des Alt­te­sta­ment­li­chen blei­ben­de Vi­sion des Jo­han­nes hi­naus. Was nicht heißt, dass er kein neu­es Is­ra­el woll­te. Im Ge­gen­teil! Er wur­de ja da­durch, dass er sich von Jo­han­nes tau­fen ließ, selbst Teil davon. Aber er woll­te mehr. Er woll­te ge­mein­sam mit dem neu­en Is­ra­el in Rich­tung Reich Got­tes ge­hen.

4.2.3 Die Un­ter­schiede zwi­schen Be­schnei­dung und Tau­fe als Bun­des­zei­chen

4.2.3.1 ... in den Pa­ral­le­len zur Ge­burt

Ver­gleicht man die bei­den Mo­men­te im Ge­burts­pro­zess, bei de­nen Be­schnei­dung und Tau­fe an­set­zen, dann stel­len wir fest: Die Tau­fe setzt vor be­zie­hungs­wei­se bei der Ge­burt an (pe­ri­na­tal), die Be­schnei­dung da­nach (post­na­tal). Die Tau­fe re­pli­ziert das Plat­zen der Frucht­bla­se vor der Ge­burt, wäh­rend die Be­schnei­dung das Durch­schnei­den der Na­bel­schnur re­pli­ziert, nach­dem das Kind be­reits ge­bo­ren ist. In­so­fern setzt die Tau­fe zu ei­nem frü­he­ren Zeit­punkt an, den Men­schen auf die Glau­bens­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten, als die Be­schnei­dung.

Mit an­de­ren Wor­ten: Für die Orien­tie­rung des Kin­des zur Ver­meh­rung des Stam­mes be­zie­hungs­wei­se der Na­tion ver­wen­det die ...

4.2.3.2 ... in der Ge­sell­schafts­or­ga­ni­sa­tion

Das Chri­sten­tum hat die Is­ra­el-Bil­dung uni­ver­sa­li­siert. Das sieht man da­ran, dass in al­ler Welt so­wohl Be­schnit­te­ne als auch Un­be­schnit­te­ne ge­tauft wer­den. Die­se Aus­wei­tung ge­schah nach dem Pfingst­er­eig­nis durch die Lehr­pra­xis der Apo­stel Pe­trus und Pau­lus. Bei­den wur­de mit­hil­fe ein­schnei­den­der Er­leb­nis­se49 klar, dass ihr Mis­sions­fo­kus so­wohl Ju­den als auch Hei­den um­fass­te - mit­hin al­le Men­schen auf der gan­zen Welt. Das er­ste Is­ra­el bleibt un­an­ge­ta­stet be­ste­hen, das zwei­te Is­ra­el ist die Re­a­li­sie­rung neu­er Is­ra­el-Grün­dun­gen.
 

4.3 SEG­NUNG

4.3.1 Hin­füh­rung

Lässt Du al­le Pha­sen der Ent­ste­hung neu­en mensch­li­chen Le­bens an Dei­nem gei­sti­gen Au­ge vor­bei­zie­hen und fragst Dich da­bei, wel­ches da­von am ehe­sten an die Seg­nung er­in­nert, kommst Du auf Ei- und Sa­men­zel­le, kurz bevor sie sich mit­ei­nan­der ver­ei­ni­gen.

4.3.2 Der In­halt der Seg­nung

"Um neu ge­bo­ren zu wer­den, müs­sen wir zum Ur­sprung zu­rück­ge­hen. Wir müs­sen zum Sa­men und zum Ei des Va­ters und der Mut­ter zu­rück­ge­hen. Gott ist der Ur­sprung, al­so müs­sen wir zu Gott zu­rück­keh­ren."50

Ich ha­be schon hun­der­te Re­den von Rev. Mun (1920-2012) ge­le­sen, aber die­se Wor­te sind mir wie kaum an­de­re im Zu­sam­men­hang mit mei­nem The­ma im Ge­dächt­nis ge­blie­ben. Rev. Mun hat sie am 20. Ap­ril 2004 in den USA ge­spro­chen, in sei­nem Haus "East Garden" in New York.

Ur­sprüng­lich war mir al­lerdings ein Zi­tat vor­ge­schwebt, des­sen Quel­le ich lei­der bis heu­te nicht fin­den konn­te:

"Wir müs­sen vor die Ver­schmel­zung von Ei- und Sa­men­zel­le zu­rück­ge­hen."

Da­her kann ich es nicht le­gi­ti­mer­wei­se ein­set­zen. Ich kann ja nicht be­wei­sen, dass es von Rev. Mun stammt. Du könn­test ja den­ken, ich hätte es von ir­gend­wo her oder gar selbst er­fun­den. Ich las­se es den­noch hier ste­hen, da­mit Du im Ver­lauf des nun Fol­gen­den selbst se­hen kannst, was es mit der Seg­nung zu tun hat.

4.3.2.1 Das Wort

"Seg­nung" ist die deut­sche Über­set­zung des ko­re­a­ni­schen Wor­tes 축복 (tschuk bok), was Se­gen im Sin­ne von Gra­tu­la­tion oder Glück­wunsch an­läss­lich ei­nes wirk­lich gu­ten Er­eig­nis­ses be­deu­tet. Es be­steht aus den bei­den Sil­ben ...

1.

(tschuk)

... Buchstaben:

[tsch]

[u]

[k]

"Gratulation"

2.

(bok)

... Buchstaben:

[b]

[o]

[k]51

"Segen"

Lan­ge ha­be ich nach ei­ner Ein­ord­nung der Ehe­seg­nung, wie Rev. Mun und sei­ne Frau sie prak­ti­zie­ren, in un­se­re Tra­di­tion ge­sucht. Laut Rev. Mun sei die Ehe­seg­nung nicht sei­ne Er­fin­dung, son­dern schon mehr als 5000 Jah­re alt und von ihm nur neu ent­deckt und an­ge­wandt.

Zum Un­ter­schied von Be­schnei­dung und Tau­fe ist das Seg­nungs­ri­tu­al noch kein fi­xer Be­stand un­se­rer Schul­bil­dung, was na­tür­lich dem Um­stand ge­schul­det ist, dass es den Uni­fi­ka­tio­nis­mus im Ver­gleich zu alt­ein­ge­ses­se­nen Re­li­gio­nen erst seit kur­zer Zeit gibt. Ich hör­te aber schon mehr­mals da­von, dass Re­li­gions­leh­rer das Seg­nungs­ri­tu­al im Rah­men all­ge­mei­ner Re­li­gions­kun­de er­wähn­ten, vor al­lem dann, wenn sich un­ter den Schü­lern Uni­fi­ka­tio­ni­sten be­fan­den. Dies dürf­te, seit mein Land am 15. Ju­ni 2015 die re­li­giö­se Be­kennt­nis­ge­mein­schaft "Ver­ei­ni­gungs­kir­che in Öster­reich" nach dem am 10. Jän­ner 1998 er­las­se­nen "Bun­des­ge­setz über die Rechts­per­sön­lich­keit von re­li­giö­sen Be­kennt­nis­ge­mein­schaf­ten" an­er­kannt hat, die Re­gel wer­den.

Die weit­ge­hen­de Un­be­kannt­heit von Leh­re und Ri­tu­al der Seg­nung legt mir na­he, sie hier in ge­bo­te­ner Kür­ze zu be­schrei­ben.

4.3.2.2 Die Sa­che

Wie die ein­zel­nen Ele­men­te des Seg­nungs­ri­tu­als mit­ei­nan­der zu­sam­men­hän­gen, wird oh­ne hi­sto­ri­sche und the­o­lo­gi­sche Ein­füh­rung nicht ver­stan­den wer­den kön­nen. Sie wird im Fol­gen­den kurz ge­lie­fert.

4.3.2.2.1 Hi­sto­ri­sches

Das Seg­nungs­ri­tu­al setzt den un­er­müd­li­chen Dienst der Wort­ver­kün­di­gung Rev. Muns, sei­ner Frau und sei­ner An­hän­ger vo­raus. Der Gott, des­sen Wort Rev. Mun ver­kün­de­te, ist laut ei­ge­nen An­ga­ben der Gott Je­su Chri­sti. Die­ser ha­be ihn im Al­ter von 15 Jah­ren52 am Oster­sonn­tag 1935 er­sucht, die Sen­dung Je­su wei­ter­zu­füh­ren und zu voll­en­den. Nach drei­ma­li­gem in­stän­di­gen Bit­ten des Him­mels ha­be der jun­ge Yong Myung end­lich Ja ge­sagt.

Nach Jah­ren des Stu­diums (Elek­tro­tech­nik in Ja­pan; re­li­giö­se Bil­dung und Ak­ti­vi­tä­ten in christ­li­chen Grup­pen, Un­ter­stüt­zung der Un­ab­hän­gig­keit Ko­reas von Ja­pan) be­gann Sun Myung, wie er sich mitt­ler­wei­le nann­te,53 1945 öf­fent­lich auf­zu­tre­ten.

Er hei­ra­te­te im glei­chen Jahr, ver­ließ aber sei­ne Frau und sei­nen Sohn plötz­lich, un­an­ge­kün­digt und un­be­merkt, um - dem Ruf des Him­mels fol­gend - nach Nord­ko­rea zu ge­hen.

Nach­dem er nach Jah­ren des Ab­ge­lehnt­wer­dens und der Ver­fol­gung nach Seoul zu­rück­ge­kehrt war und sei­ne Glau­bens­ge­mein­schaft in ärm­sten Ver­hält­nis­sen eta­bliert hat­te, traf er sei­ne Ehe­frau un­er­war­tet wie­der. Da sie aber den neu­en Le­bens­stil ih­res Man­nes nicht mit­tra­gen konn­te, ließ sie sich schei­den, wo­zu Sun Myung Mun schließlich sei­ne Zu­stim­mung gab.

Im Früh­jahr 1960 fei­er­te er die so­ge­nann­te Hei­li­ge Hoch­zeit mit der 17jäh­ri­gen Hak Ja Han, nach­dem er vor­her die wich­tig­sten Ver­tre­ter der Welt­öf­fent­lich­keit da­rüber in­for­miert hat­te. Der Ehe ent­spros­sen 14 Kin­der.
Kurz vor der Hei­li­gen Hoch­zeit or­ga­ni­sier­te er die Ehen von sechs sei­ner eng­sten Nach­fol­ger, kurz da­nach die Ehen von 33 wei­te­ren Paa­ren.
Auf die­sem Fun­da­ment fei­er­te er in Ab­stän­den von je­weils meh­re­ren Jah­ren Mas­sen­seg­nun­gen von im­mer mehr Paa­ren.
Ich selbst nahm mit mei­ner Frau an der Seg­nung der 360.000 Paare im Jah­re 1995 im Olym­pia-Sta­dion der ko­rea­ni­schen Haupt­stadt Seoul teil. Zu den et­wa 30.000 Paa­ren im Sta­dion wa­ren 330.000 Paa­re in al­ler Welt über Vi­deo zu­ge­schal­tet.
Ab 1997 folg­te die Seg­nung von 3,600.000 Paa­ren in meh­re­ren Etap­pen, da­nach die von 360 Mil­lio­nen Paa­ren.
Wie Du siehst, ent­spre­chen die Zah­len der ge­seg­ne­ten Paa­re ei­nem nu­me­ro­lo­gi­schen Mu­ster. Wel­chem, ha­be ich in mei­nem Vor­trag "Wie Gott, Schöp­fung und Wis­sen­schaft zu­sam­men­hän­gen" er­läu­tert.

4.3.2.2.2 Theo­lo­gi­sches

Laut Bi­bel54 schuf Gott den Men­schen als Mann und Frau, setz­te das Paar in den von ihm (Gott) ge­mach­ten Gar­ten Eden und trug ihm auf, den­sel­ben zu be­bau­en und zu be­hü­ten. Der Mensch mö­ge frucht­bar sein, sich ver­meh­ren und die Er­de be­herr­schen.

Das Ge­spräch zwi­schen der Schlan­ge und der Frau re­sul­tier­te im Sün­den­fall, in den her­nach auch der Mann hi­nein­ge­zo­gen wur­de. Die Wei­ge­rung des Paa­res, für die ent­stan­de­ne Si­tu­a­tion Ver­an­twor­tung zu über­neh­men, mach­te un­mög­lich, was Gott mit dem Men­schen vor­hat­te. Da Got­tes Plan aber un­wi­der­ruf­lich ist und er den Men­schen nie auf­gibt, ar­bei­tet Gott seit­her an der Zu­rück­füh­rung des Men­schen zu sei­ner ur­sprüng­li­chen Na­tur, aus dem Sün­den­fall he­raus, ei­nem Vor­gang, den man auch als Auf­er­ste­hung oder Neu­schöp­fung be­zeich­nen kann.

Der Glau­be an das ver­kün­dig­te Wort und die Ver­dien­ste des Mes­sias und al­ler Hei­li­gen las­sen den Men­schen bis zu dem Grad auf­er­ste­hen, an dem er den Se­gen Got­tes55 im Gar­ten erst­mals emp­fan­gen kann. Ge­leb­te Glau­bens­pra­xis bringt den Men­schen an den Punkt, an dem er sei­ner Braut be­zie­hungs­wei­se die Frau ih­rem Bräu­ti­gam nahe­kommt und sie be­zie­hungs­wei­se ihn von Gott her an­neh­men kann. Die Seg­nungs­fei­er stellt Braut und Bräu­ti­gam auf den Weg Adams und Evas im Pa­ra­dies. Zum in­di­vi­du­el­len Po­ten­zial, "frucht­bar" (in­di­vi­du­ell er­folg­reich) zu wer­den, er­hal­ten sie das Po­ten­zial, sich zu "ver­meh­ren" (da­für müs­sen sie Mann und Frau sein) und "über die Er­de zu herr­schen" (nach er­folg­rei­cher Fa­mi­lien­grün­dung). So ge­se­hen ist die Seg­nung die (Wie­der)Er­öff­nung des Gar­tens Eden.

Das Po­ten­zial, in den Gar­ten Eden ein­zu­zie­hen, ob­wohl grund­sätzlich in al­len Men­schen vor­han­den, konn­te bis zum Er­schei­nen des Herrn der Wie­der­kunft nur in dem von Je­sus er­reich­ten Aus­maß re­a­li­siert wer­den. Je­sus er­reich­te die­ses Aus­maß im Kern be­reits in der Wü­ste, als er - an­ders als der er­ste Adam - den Ver­su­cher ab­wies.56 Durch sei­nen Op­fer­tod hin­durch wei­te­te er den gei­sti­gen Gar­ten Eden57 auf al­le Gläu­bi­gen aus, in den hi­nein sie neu ge­bo­ren wer­den - sie­he oben das zur Tau­fe Ge­sag­te. Aber er konn­te nicht den phy­si­schen Gar­ten Eden er­rich­ten, da er zu Leb­zei­ten kei­ne Frau ehe­lich­te und kei­ne Nach­kom­men zeug­te. Dies möch­te ich den Christ­gläu­bi­gen un­se­res Kul­tur­krei­ses sa­gen, da­mit sie se­hen, dass ihr Glau­be und die durch Rev. Mun er­teil­te Seg­nung durch­aus zu­sam­men­pas­sen.

4.3.2.3 Das Ri­tu­al

... be­steht aus der Fei­er des Hei­li­gen Wei­nes und dem Ehe­ver­spre­chen. Die Fei­er des Hei­li­gen Wei­nes re­prä­sen­tiert den in­ne­ren Aspekt der Seg­nung, das Ehe­ver­spre­chen den äu­ße­ren, auf den in­ne­ren fol­gen­den Aspekt.

4.3.2.3.1 Die Fei­er des Hei­li­gen Wei­nes

Die wort­rei­che Ein­lei­tung durch den MC58 steht im Kon­trast zur Stil­le die­ser Fei­er. Be­obach­ter und Teil­neh­mer wer­den Zeu­ge der Rei­se ei­nes mit ro­ter Flüs­sig­keit ge­füll­ten Glas­be­chers von Hand zu Hand. In tie­fem Schwei­gen und un­ter ehr­fürch­ti­gen Ver­beu­gun­gen rei­chen die Fei­ern­den ihn ei­nan­der wei­ter. Au­ßer kur­zen My­sta­go­gien durch den Laut­spre­cher hört man nichts. Ganz ein­deu­tig ist der Wein das Zen­trum die­ser Fei­er.

Die er­ste Per­son, die die­sen Glas­be­cher in Hän­den hält, ist der Erz­en­gel. Der wie­der­her­ge­stell­te Erz­en­gel. Und schon reicht er den Be­cher an die zwei­te Per­son wei­ter - die Wah­re Mut­ter! Wie er­staun­lich, dass sie aus der Hand des Erz­en­gels die­se wert­voll­ste al­ler Ga­ben er­hält! Die Wah­re Mut­ter reicht den Glas­be­cher gleich wei­ter an den Wah­ren Va­ter59, und der Wah­re Va­ter reicht ihn wei­ter an ei­ne Frau in fest­li­cher Klei­dung - die ge­fal­le­ne Eva!

Kei­ne der Per­so­nen hielt sich bis­her lan­ge mit dem Be­cher Hei­li­gen Wei­nes auf. Kaum er­hal­ten wur­de der Wein auch schon wie­der wei­ter­ge­reicht.

Nun aber, nach­dem der Wah­re Va­ter den Glas­be­cher an ei­ne ge­fal­le­ne Eva wei­ter­ge­reicht hat, die ihn mit ei­ner Ver­beu­gung ent­ge­gen­nimmt, scheint die Rei­se des Glas­be­chers an ihr Ziel ge­langt zu sein. Eva wen­det sich zum Mann an ih­rer Lin­ken. Es ist der ge­fal­le­ne Erz­en­gel. Ihr Bräu­ti­gam. Bei­de ver­beu­gen sich vor­ei­nan­der. Die Frau führt nun den Be­cher Hei­li­gen Wei­nes an ih­re Lip­pen, trinkt die Hälfte da­von und ist in die­sem Au­gen­blick wie­der­her­ge­stellt. Dann reicht sie den Be­cher dem Mann wei­ter, der vor ihr steht. Bei­de ver­beu­gen sich im Au­gen­blick der Über­ga­be vor­ei­nan­der. Er trinkt die rest­li­che Hälf­te Hei­li­gen Wei­nes und wird zum wie­der­her­ge­stell­ten Erz­en­gel, ver­beugt sich noch ein­mal vor der wie­der­her­ge­stell­ten Eva und stellt das lee­re Glas auf das Tab­lett, das ei­ne As­si­sten­tin ihm vor­hält und an­schlie­ßend da­mit durch die Rei­hen geht, um die an­de­ren lee­ren Glä­ser ein­zu­sam­meln.

Nun dre­hen bei­de sich wie­der in Rich­tung der Of­fi­zi­an­ten - des Wah­ren Va­ters und der Wah­ren Mut­ter -, um ein ab­schlie­ßen­des Ge­bet zu hö­ren.

Was war die­ses Ri­tu­al? Mei­ne un­mit­tel­ba­re As­so­zi­a­tion: der Sün­den­fall. Die Aus­rich­tung der Se­xu­a­li­tät auf ein Zen­trum. Aber ich konn­te nicht aus. Ich woll­te das ja. Ge­nau so, wie ich in die Schu­le ge­hen woll­te und wie ich spä­ter Prie­ster wer­den woll­te und wie ich mich nach die­sem oder je­nem aus­ge­streckt ha­be. Die ei­ge­ne Hö­her­ent­wick­lung nicht zu wol­len heißt bloß, sie zu ver­schie­ben. Ver­mei­den lässt sie sich auf Dau­er nicht. Da­her wuss­te ich, dass ich die­se Fei­er woll­te.

Die Fei­er war für Men­schen, de­ren gan­ze Per­sön­lich­keit, Se­xu­a­li­tät in­klu­si­ve, auf Gott aus­ge­rich­tet ist - und nicht auf Sa­tan. Glaub­ten wir da­mals, glau­ben wir auch heu­te. Glau­be gut und schön, aber wa­ren wir sol­che Per­sön­lich­kei­ten? Zwar ha­ben wir uns seit un­se­rer Kind­heit be­müht, das zu sein. Aber ob das reicht? Das Ge­fühl nach die­ser Fei­er war ein zwie­späl­ti­ges. Ei­nes aber war si­cher: Et­was Neu­es war ge­schaf­fen wor­den, die Be­zie­hung zwi­schen mei­ner Frau und mir. Sie hat drei Kin­der her­vor­ge­bracht ... per­sön­li­cher will ich hier nicht wer­den.

Was kann ich noch zu die­ser Fei­er sa­gen?

Sie woll­te im Grun­de - auch dra­ma­tur­gisch - den Vor­gang im Gar­ten Eden, der zum Sün­den­fall ge­führt hat­te, um­keh­ren, rück­gän­gig ma­chen und da­mit gleich­zei­tig die Ver­wirk­li­chung des ur­sprüng­li­chen Schöp­fungs­plans - ein Paar und des­sen Fa­mi­lie mit Gott als Mit­tel­punkt - ini­ti­ie­ren. Dies kann nur je­mand durch­spie­len, des­sen Ab­sicht so rein und voll­kom­men ist, dass er in­ten­tio­nal Paa­re mit Got­tes Blut ver­bin­den möch­te und kann.

Die Teil­neh­mer se­hen fol­gen­de Player: die Of­fi­zi­an­ten (das als Wah­re El­tern fun­gie­ren­de Ehe­paar), den Erz­en­gel, den Hei­li­gen Wein, den Mann und die Frau in schö­nen Klei­dern, die aber kei­ne Hoch­zeits­klei­der sein dür­fen - au­ßer wenn es auf­grund knap­per Zeit nicht an­ders geht.

Der Hei­li­ge Wein ist nicht nur ein Sym­bol, son­dern ein "Real­sym­bol", um es mit ka­tho­li­scher Dik­tion zu sa­gen. Er be­steht nor­ma­ler­wei­se aus ech­tem Rot- oder Weiß­wein, von der Er­de ge­won­nen und un­ter Ge­bet mit be­son­de­ren Kräu­tern so­wie auch in ho­mö­o­pa­ti­scher Do­sis mit Kör­per­flüs­sig­kei­ten der Wah­ren El­tern, die Got­tes Blut re­prä­sen­tie­ren, ver­setzt. Für Teil­neh­mer, die kei­nen Al­ko­hol trin­ken möch­ten, kann es auch Hei­li­ger Trau­ben- oder Frucht­saft sein.

An das Trin­ken des Hei­li­gen Wei­nes wird in der Re­gel ein Süh­ne-Ri­tus an­ge­fügt. Er be­steht darin, dass die bei­den Neu­ge­seg­ne­ten ei­nan­der sym­bo­lisch "von Got­tes Seite her" drei­mal schla­gen, um ein für al­lemal sei­nem Schmerz für al­le in der Ge­schich­te zwi­schen Mann und Frau vor­ge­fal­le­nen Un­ge­rech­tig­kei­ten Aus­druck zu ver­lei­hen - und ab dann nie wie­der. Die drei Schlä­ge ver­ab­reich­te man sei­nem Part­ner ur­sprüng­lich mit ei­nem Base­ball­schlä­ger-ar­ti­gen Stock auf das Hin­ter­teil. Heut­zu­ta­ge sieht man die Ge­seg­ne­ten ei­nan­der drei­mal leicht auf die Schul­ter schla­gen.

4.3.2.3.2 Das Ehe­ver­spre­chen

... ist ei­ne ei­ge­ne Fei­er. Sie wird heu­te mei­stens am glei­chen Tag wie die Fei­er des Hei­li­gen Wei­nes ab­ge­hal­ten, ob­wohl dies ur­sprüng­lich erst an ei­nem der da­rauf­fol­gen­den Ta­ge ge­schah. Die Paa­re tra­gen tra­di­tio­nel­le Hoch­zeits­klei­der, der Bräu­ti­gam ist im schwar­zen An­zug, die Braut ganz in Weiß und schön ge­schminkt.

Sie be­ginnt da­mit, dass bei­de Wah­ren El­tern - bei grö­ße­ren Seg­nungs­zah­len auch Hel­fer - die ge­seg­ne­ten Paa­re mit Weih­was­ser aus ei­ner Schüs­sel be­spren­gen.

Sie setzt sich fort mit dem bei Ehe­schlie­ßun­gen tra­di­tio­nell üb­li­chen Ring­wech­sel.

Und sie en­det mit dem Ehe­ver­spre­chen, das ist ein lau­tes "Ja" der Neu­ge­seg­ne­ten auf die Fra­ge der Wah­ren El­tern, ob sie ei­nan­der treu sein und ih­re Nach­kom­men im Sin­ne Got­tes er­zie­hen wol­len.

Nun er­klingt fei­er­li­che Mu­sik, Blu­men wer­den den Of­fi­zi­an­ten über­reicht, Gra­tu­la­tions­lie­der wer­den ge­sun­gen. Die Fo­to­gra­fen sind nun ge­fragt, je­des Paar in sei­nem Hoch­zeits­ko­stüm zu fo­to­gra­fie­ren. Damit klingt die Fei­er des Ehe­ver­spre­chens aus.

4.3.2.3.3 Die Sub­stanz

Eine her­kömm­li­che Ehe wird in un­mit­tel­ba­rer zeit­li­cher Nä­he zur Ehe­schlie­ßungs­fei­er voll­zo­gen. Das ist bei der Seg­nung von Paa­ren der Er­sten Ge­ne­ra­tion (der "Exo­dus"-Ge­ne­ra­tion) an­ders. Für sie be­ginnt die War­te­zeit. Sie be­trug bei uns äl­te­ren Paa­ren 40 Ta­ge - die sym­bo­li­sche Zeit der Tren­nung von Sa­tan -, bei jün­ge­ren Paa­ren bis zu drei Jah­ren.

Auf die Tren­nungs­zeit folgt ei­ne Fei­er, die un­ter dem Titel Drei-Tages-Ze­re­mo­nie be­kannt ist und sich nur zwi­schen Gott, dem Mann und der Frau ab­spielt. Un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit, aber des­we­gen nicht we­ni­ger öf­fent­lich. Sie er­streckt sich, wie ihr Name sagt, über drei Ta­ge, in de­nen die ur­sprüng­li­chen Po­si­tio­nen des Paa­res wie­der­her­ge­stellt wer­den. Un­ter den ur­sprüng­li­chen Po­si­tio­nen wird die Po­si­tion des sün­den­lo­sen Adam und der sün­den­lo­sen Eva im Pa­ra­dies ver­stan­den. Die De­tails die­ser Fei­er teilt die zu­stän­di­ge Stel­le ad ca­sum ( = im An­lass­fall) Paa­ren, die da­für in Fra­ge kom­men, mit. Des­halb schrei­be ich hier nichts da­rüber.

Da­nach kommt es üb­li­cher­wei­se zum Voll­zug der Ehe, des­sen Zeit und Um­stände das Paar selbst be­stimmt.

So­mit kom­plet­tiert die Fei­er der Sub­stanz das Seg­nungs­ri­tu­al, das mit der Fei­er des Hei­li­gen Wei­nes be­gon­nen hat und mit dem Ehe­ver­spre­chen fort­ge­setzt wor­den ist.

4.3.3 Die Pa­ral­le­le zwi­schen der Seg­nung und den bei­den auf­ei­nan­der war­ten­den Ga­me­ten

Ich kann nun, nach­dem das Phä­no­men, von dem hier die Re­de ist, ei­ni­ger­ma­ßen um­ris­sen ist, auf die Pa­ral­le­le der Seg­nung zum Mo­ment bei der na­tür­li­chen Ge­burt ein­ge­hen.

Was ist der Fo­kus der Seg­nung? Wo­rauf zielt sie ab?

Der Fo­kus der Seg­nung ist ver­bor­gen und fällt nicht auf den er­sten Blick auf.

Der er­ste Blick mag auf ei­ne schö­ne Hoch­zeit fal­len, auf Ri­ten, die sie um­rah­men und mit­hil­fe de­rer Rev. Mun Ehe­leu­te mög­lichst ef­fi­zient auf ih­re Pflich­ten ein­schwö­ren kann. Je­doch - wenn es nur da­rum gin­ge, hät­te man das Ding ja nicht "Seg­nung" nen­nen müs­sen, son­dern ein­fach ei­ne tra­di­tio­nel­le Hoch­zeit fei­ern kön­nen. Und das ist sie nicht. Sie ist es­sen­ziel­ler als all das, sa­ge ich Dir, sie ist ab­sichts­lo­ser, des­in­te­res­sier­ter (heißt: kei­nem mensch­li­chen In­te­res­se ver­pflich­tet), sie ist na­tür­li­cher, sie ist "coo­ler".

Ich hof­fe, ich schaf­fe es, mich ihr ver­bal halb­wegs an­zu­nä­hern.

Bei der Seg­nung ist nicht das Ehe­paar der Fo­kus. Bei der Seg­nung sind die zu er­war­ten­den Kin­der des Ehe­paa­res der Fo­kus. Ich wie­der­ho­le mei­ne Ein­gangs­zi­ta­te "Wir müs­sen zum Sa­men und zum Ei des Va­ters und der Mut­ter zu­rück­ge­hen" Und "Wir müs­sen vor die Ver­schmel­zung von Ei- und Sa­men­zel­le zu­rück­ge­hen".

Was ist der Sa­men des Va­ters und das Ei der Mut­ter?

Es sieht so aus, als wä­re der Sa­me des Va­ters das Sper­mium des Man­nes und das Ei der Mut­ter das Ovum der Frau, aber dem ist nicht so.

In er­ster Li­nie ist der Sa­men des Va­ters das Wort Got­tes, ge­spro­chen durch ei­nen qua­li­fi­zier­ten Men­schen.60 Das Wort Got­tes ist nicht männ­lich, wenn ein Mann es spricht, und nicht weib­lich, wenn ei­ne Frau es spricht. Das Wort Got­tes ist den Ge­schlech­tern über­ge­ord­net.

Da­her ge­hen so­wohl Män­ner als auch Frau­en da­mit in Re­so­nanz.

Re­so­nanz ist ein schö­nes Wort. Wir ken­nen es aus der Mu­sik. Die Silbe "son" ist der Stamm des la­tei­ni­schen Verbs so­na­re. Die Vor­sil­be re (zu­rück, wie­der) er­in­nert an ein Echo oder ei­ne Ant­wort. Das Echo ist ei­ne Ei­gen­schaft der Ma­te­rie und be­nö­tigt zum Er­klin­gen kein Be­wusst­sein. Anders die Ant­wort. Sie wird be­wusst ge­ge­ben. "Ant" kommt vom grie­chi­schen αντί (an­ti = ge­gen). Eine Ant­wort ist ein Ge­gen-Wort auf ei­ne er­gan­ge­ne An­re­de.

Ich möch­te Re­so­nanz aber nicht zu stark zer­glie­dern. Die Sil­be "son" ist auch mit "Sohn" ver­wandt, und das Wort Got­tes, der Lo­gos, ist be­kannt­lich der Sohn Gottes.61 Der "Sohn" (das Wort Got­tes) ist - wie für Re­so­nanz we­sent­lich - so­wohl im Spre­cher als auch im Hö­rer. Bei­de bilden den Raum für den Klang. Ei­ner be­ginnt, aber dann kommt es zu ei­nem Mit­schwin­gen, ei­nem ge­mein­sa­men Vi­brie­ren. Die­ser Ef­fekt stellt sich nicht auf­grund in­tel­lek­tu­el­ler Zu­stim­mung zu ge­mach­ten Aus­sa­gen ein, son­dern je nach dem Klang der Stim­me. Das Wort Got­tes hat ei­nen un­ver­wech­sel­ba­ren Klang und fühlt sich wahr an.

Wort, Klang, Ge­fühl, In­tel­lekt ... Fehlt noch der Wil­le. Möch­te der Wil­le den Re­so­nanz­raum er­hal­ten und ex­pan­die­ren? In der Re­gel ja, denn wo es sich gut an­fühlt zu sein, dort möch­te man blei­ben und das möch­te man ent­fal­ten.62

Wir ha­ben jetzt al­so das Wort Got­tes und ei­nen Re­so­nanz­raum aus Män­nern und Frau­en, der ge­ge­be­nen­falls durch neue Hö­rer wächst. Die­ser Re­so­nanz­raum ist das Ei der Mut­ter. Das Le­ben reift da­rin.

Bald legt sich, über den Zu­strom neu­er In­te­res­sier­ter hi­naus, ei­ne Ex­pan­sion die­ses Re­so­nanz­raums durch na­tür­li­che Ver­meh­rung na­he. So leicht geht die aber nicht. Es sind Frei­heit und Recht al­ler Be­tei­lig­ten zu be­rück­sich­ti­gen, es ist der Um­stand zu be­rück­sich­ti­gen, dass je­des neue Paar und je­de neue Fa­mi­lie ih­ren ei­ge­nen Re­so­nanz­raum bil­det, vor al­lem aber ist da­für zu sor­gen, dass even­tu­ell ent­ste­hen­de Ehen auch gu­te Ehen sind. Sind sie das? Nicht au­to­ma­tisch.

Da­mit im Re­so­nanz­raum gu­te Ehen ent­ste­hen, rich­tet sich die Reich-Got­tes-Ver­kün­di­gung Rev. Muns an die un­ge­bo­re­nen Kin­der und Kin­des­kin­der sei­ner Zu­hö­rer. Als Fol­ge die­ser höchst vi­si­o­nä­ren Pre­digt ent­wi­ckeln die sie hö­ren­den Män­ner und Frau­en ihr ei­ge­nes ide­a­li­sti­sches Reich-Got­tes-Be­wusst­sein. Ih­re Ehe pla­nen sie dann so, dass die Kin­der, de­nen Rev. Mun das Reich Got­tes ge­pre­digt hat, wirk­lich ent­ste­hen kön­nen. Die Seg­nung wird tat­säch­lich der Nach­kom­men we­gen ge­ge­ben.

Deutl­ich wird das auch aus dem we­sent­li­chen Un­ter­schied zwi­schen dem ge­seg­ne­ten Paar und sei­nen er­hoff­ten Nach­kom­men:

Den Fo­kus der Seg­nung zu­sam­men­fas­send, hal­te ich noch ein­mal fest, dass der Sa­me des Va­ters das Wort Got­tes ist und das Ei der Mut­ter der re­sul­tie­ren­de und ex­pan­die­ren­de Re­so­nanz­raum, ge­bil­det aus le­ben­di­gen Men­schen im Hin­blick auf die Ad­res­sa­ten der Pre­digt Rev. Muns, das sind die un­ge­bo­re­nen Kin­der. Der ge­seg­ne­te Mann und die ge­seg­ne­te Frau neh­men ih­re Mis­sion an, den Ad­res­sa­ten der Pre­digt Rev. Muns mit ih­ren Ga­me­ten zum Le­ben zu ver­hel­fen.

Da­mit ha­ben wir den pa­ral­le­len Mo­ment. Der Mann und die Frau re­prä­sen­tie­ren nach dem Seg­nungs­ri­tu­al den männ­li­chen und den weib­li­chen Ga­me­ten vor der Ver­schmel­zung. Der Fo­kus, das Ziel, der Blick liegt da­bei voll­stän­dig auf den Nach­kom­men.

4.3.4 Die un­ter­schied­li­chen Mo­men­te im Ge­burts­vor­gang, mit de­nen Be­schnei­dung, Tau­fe und Seg­nung pa­ral­lel ge­setzt sind
 

ar­cha­i­sche
Tra­di­tion

pa­ral­le­ler Mo­ment im
Ge­burts­pro­zess

Zeit­punkt re­la­tiv zur
bio­lo­gi­schen Ent­wick­lung

Be­schnei­dung

Ab­schnei­den der Na­bel­schnur

nach dem Aus­tritt des Fö­tus aus dem Ge­burts­ka­nal, al­so nach der voll­en­de­ten Ge­burt

Tau­fe

Plat­zen der Frucht­bla­se

nach dem Be­ginn der We­hen, aber vor dem Aus­tritt des Fö­tus aus dem Ge­burts­ka­nal

Seg­nung

Mo­ment vor der Ver­schmel­zung von Ei- und Sa­men­zel­le

vor der Ver­schmel­zung der bei­den Ga­me­ten, vor der Bil­dung der Zy­go­te

Die Ta­bel­le stellt, wie schon mehr­mals ge­sagt, die Pa­ral­le­li­tät der Be­schnei­dung zum Durch­tren­nen der Na­bel­schnur, der Tau­fe zum Plat­zen der Frucht­bla­se und der Seg­nung zum Mo­ment un­mit­tel­bar vor der Ver­schmel­zung von Ei- und Sa­men­zel­le dar.

So­mit se­hen wir ei­nen Un­ter­schied zwi­schen der Seg­nung ei­ner­seits und Be­schnei­dung und Taufe an­de­rer­seits. Der Un­ter­schied liegt im Wir­kungs­ra­dius. Be­schnei­dung und Taufe greifen erst nach der Zeu­gung in das Le­ben ein, die Seg­nung setzt je­doch be­reits vor der Zeu­gung des Men­schen an und um­greift sein ge­sam­tes zu­künf­ti­ges Le­ben. Der Wir­kungs­ra­dius von Be­schnei­dung und Tau­fe ist so­mit ge­rin­ger als bei der Seg­nung. Das ist auch der Grund, wa­rum Ge­ne­ra­tio­nen, die aus be­schnit­te­nen oder ge­tauf­ten El­tern her­vor­ge­hen, wie­der ge­tauft oder be­schnit­ten wer­den müs­sen, hin­ge­gen Kin­der ge­seg­ne­ter El­tern nicht das Seg­nungs- und Rei­ni­gungs­ri­tu­al, das ih­re El­tern durch­lau­fen ha­ben, nö­tig ha­ben. Kin­der ge­seg­ne­ter El­tern sind im Ur­stand vor dem Sün­den­fall.
Christ­lich ge­spro­chen: Ge­tauf­te El­tern ver­er­ben ih­ren Kin­dern die Erb­sün­de. Ge­seg­ne­te El­tern hin­ge­gen ge­bä­ren Kin­der oh­ne Erb­sün­de.
Jü­disch ge­spro­chen: Der Kna­be wird durch die Be­schnei­dung Teil des Stam­mes. Ge­seg­ne­te Kin­der sind je­doch be­reits ab der Zeu­gung der Stamm.
Theo­lo­gisch ge­spro­chen: Der Grad der Er­lö­sung ist bei Tau­fe und Be­schnei­dung par­tiell, bei der Seg­nung je­doch voll­stän­dig.

Den Um­stand der voll­stän­di­gen Er­lö­sung von Ur­sün­de und Erb­sün­de durch die Seg­nung be­zeich­net der Uni­fi­ka­tio­nis­mus mit "Rei­ni­gung des Mut­ter­scho­ßes".

Die fol­gen­de Gra­fik il­lu­striert die Un­ter­schie­de. Die Seg­nung holt das gan­ze mensch­li­che Le­ben in den "grü­nen Be­reich", Be­schnei­dung und Tau­fe las­sen noch ei­nen "grau­en Be­reich" über:
 
erreichte Bereiche

Nur die Seg­nung deckt al­so - um es noch ein­mal zu wie­der­ho­len - die ge­sam­te mensch­li­che Le­bens­zeit ab, von der Ga­me­ten­bil­dung der El­tern bis zum Ab­le­ben der Per­son. Tau­fe und Be­schnei­dung er­rei­chen den Men­schen erst nach­dem er be­reits ent­stan­den ist. Die Tau­fe er­reicht ihn nach den We­hen, ab dem Zeit­punkt, da er den Ge­burts­ka­nal zu durch­bre­chen be­ginnt. Und die Be­schnei­dung er­reicht ihn ab der Ab­na­be­lung nach sei­ner Ge­burt. So­mit ha­ben die Vor­se­hung der Zeit­al­ter Is­ra­el, Chri­sten­tum und Uni­fi­ka­tio­nis­mus den Men­schen all­mäh­lich ganz in Gott he­rein­ge­holt.

Noch et­was zum Zu­sam­men­hang zwi­schen Seg­nung und Ga­me­ten:

Laut Bio­lo­gie ent­ste­hen Ga­me­ten durch ei­ne an­de­re Art von Zell­tei­lung als son­sti­ge Kör­per­zel­len. Ga­me­ten ent­ste­hen durch Meio­se, die an­de­ren Kör­per­zel­len durch Mi­to­se.

Die Mi­to­se ver­dop­pelt die ge­sam­te Kör­per­zel­le in­klu­si­ve der sie pro­gram­mie­ren­den DNS (Des­oxy­ri­bo­nu­klein­säu­re). Die DNS der Toch­ter­zel­le ist mit der DNA der Mut­ter­zel­le iden­tisch.

Die Meio­se hin­ge­gen er­zeugt vier von­ei­nan­der und von ih­rer Mut­ter­zel­le ver­schie­de­ne ha­plo­i­de Toch­ter­zel­len. Der dort­hin füh­ren­de Vor­gang der Se­pa­rie­rung und Neu­ord­nung der je­wei­li­gen DNA ist ent­spre­chend kom­plex.

Der Ver­gleich mag bi­zarr er­schei­nen, aber das für die Seg­nung be­stimm­te Paar wird aus der sie um­ge­ben­den Men­schen­men­ge he­raus­ge­löst - ein Se­lek­tions­pro­zess, der an Rev. Mun und sei­ne Mit­ar­bei­ter hö­he­re An­for­de­run­gen stellt als an das Braut­paar - und auf­grund ih­rer Ga­me­ten­qua­li­tät für­ei­nan­der be­stimmt. Rev. Mun ist be­kannt da­für, die Qua­li­tät der zu er­war­ten­den Kin­der zwei­er po­ten­ziel­ler Ehe­part­ner auf­grund de­ren Ga­me­ten­qua­li­tät in­tu­ier­en zu kön­nen. Die­se Fä­hig­keit wen­det er an, wenn er aus ei­ner grö­ße­ren Aus­wahl von Per­so­nen po­ten­ziel­le Ehe­paa­re zu­sam­men­stellt und sie ei­nan­der vor­schlägt ("matcht"). Bis in die spä­ten 70er-Jah­re hat er al­le ge­seg­ne­ten Paa­re selbst kom­bi­niert. Spä­te­re Seg­nungs­fei­ern ent­hiel­ten suk­zes­si­ve ei­nen im­mer grö­ße­ren Pro­zent­satz schon vor­her ver­hei­ra­te­ter Paa­re. Und ab der Seg­nung der 360.000 Paa­re im Jah­re 1995 wur­den ge­ne­rell auch ver­hei­ra­te­te Paa­re zur Seg­nung zu­ge­las­sen, wenn sie die Be­din­gun­gen er­füll­ten.
 

5. NACH­WORT

Da­mit en­den meine un­ge­len­ken Wor­te über die drei ar­cha­i­schen Tra­di­tio­nen und ih­re Pa­ral­le­len zur Bio­lo­gie. Vie­les da­ran wird vor­läu­fig und un­aus­ge­go­ren sein. In je­dem Fall woll­te ich Dir ein Ge­fühl für die in al­lem wir­ken­de Kraft ge­ben, de­ren Wir­kun­gen in un­se­rer Tra­di­tion - man­che wer­den sa­gen: Got­tes Wir­ken - ich auf mei­ne Weise dar­stel­len woll­te.
 
 

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F U S S N O T E N

1 Ich ver­wen­de die um­fas­sen­de­ren Be­grif­fe "Is­ra­el" und "is­ra­eli­tisch" auch dort, wo un­ser Sprach­ge­brauch "Ju­den­tum" und "jü­disch" sa­gen würde.

2 tra­do, tra­de­re, tra­di­di, tra­di­tum - über­ge­ben

3 "qui me tra­dit" (Mat­thäus 26:46; Mar­kus 14:42; Lu­kas 22:21) - der mich ver­rät/­aus­lie­fert
"qui tra­de­bat eum" (Jo­han­nes 18:2) - der ihn ver­riet/­aus­lie­fer­te

4 Ist es in die­sem Zu­sam­men­hang re­le­vant, dass so­wohl das er­ste Buch des Al­ten Te­sta­ments (Ge­ne­sis 1:1) als auch das Jo­han­nes-Evan­ge­lium (1:1) in der la­tei­ni­schen Fas­sung mit der Wort­fol­ge in ini­tio (am An­fang) und das Mar­kus-Evan­ge­lium (1:1) mit dem Wort ini­tium (An­fang) beginnt? Ich den­ke schon.

5 En­kel­kin­der schau­en zu ih­ren Groß­el­tern als El­tern ih­rer El­tern auf. (Ur-)Groß­el­tern lie­ben und er­zie­hen ih­re Kin­der UND die Kin­der ih­rer Kin­der (UND die Kin­der der Kin­der ih­rer Kin­der ...). Sie hand­ha­ben ei­ne trans­ge­ne­ra­tio­na­le, über die Kern­fa­mi­lie hi­naus wir­ken­de Kraft.

6 Die Kon­ti­nu­i­tät der El­tern vor und nach der Ge­burt gibt uns Hoff­nung über die­se ir­di­sche Exi­stenz hi­naus. Sie lässt uns ah­nen, dass der phy­si­sche "Tod" nicht das En­de ist, son­dern viel­mehr ei­ne wei­te­re "Ge­burt" in ein neu­es Land. Kon­ti­nu­i­tät gibt es nicht nur vom Mut­ter­schoß zum Er­den­le­ben, son­dern auch vom Er­den­le­ben zum Le­ben in der Welt des Gei­stes. Von der all dies um­fan­gen­den Prä­senz von "El­tern" bil­de­te un­se­re Tra­di­tion die Be­grif­fe "Him­mel­va­ter" und "Him­melmut­ter".

7 Sie­he vor al­lem 1 Sa­mu­el 1:3-3:18.

8 El heißt Gott, und i ist das Pos­ses­siv­suf­fix der 1. Per­son Sin­gu­lar. Das be­kann­te­ste Vor­kom­men von Eli ist der Vers 2 von Psalm 22 "Mein Gott, mein Gott, wa­rum hast du mich ver­las­sen ...", den Je­sus vom Kreuz he­rab aus­ruft (Mat­thäus 31:46, Mar­kus 15:34). Zur Kon­tro­ver­se, ob Je­sus mit Eli (Mar­kus: Eloi) an die­ser Stel­le nicht "mein Gott", son­dern viel­mehr "Elias" (Jo­han­nes den Täu­fer) meint, siehe: Mark Gibbs, Die Jung­frau und der Prie­ster. Das Ge­heim­nis des Mes­sias-Codes und der Iden­ti­tät des Va­ters Je­su, Necken­markt 2010, 201-208.

9 Siehe un­ter an­de­rem: a) Der lah­me Bo­te aus dem All. EIFOs und SIFOs: Sy­ne­sis-Ma­ga­zin 6/2009, 35-40 b) Gruß aus dem All - vom Gott E Li kom­men­tiert den am 9. Juni 2011 in der Uru­gay­er Zei­tung El Pais er­schie­ne­nen Ar­ti­kel "Un mi­ste­rio­so cá­liz en Flo­ri­da" (http://viajes.elpais.com.uy/2011/06/08/un-misterioso-caliz-en-florida) über ei­ne my­ste­ri­ö­se Baum­grup­pe in Form ei­ner kunst­vol­len Gly­phe aus den Buch­sta­ben COT ELI. Die Baum­grup­pe bedeckt ei­ne Fläche von knapp 24ha und wur­de zir­ka 1960 von un­be­kann­ter Hand ge­pflanzt.

10 Sie­he et­wa: a) Al­fred Mit­tel­bach, Das sech­ste Sie­gel: Die Si­gna­le der End­zeit und die Rück­kehr des Kö­nigs, Ver­lag tre­di­tion GmbH, Ham­burg 2014 b) Hosea Ben Zion, Die Stäm­me Is­ra­els - Teil 7 - Die Stäm­me heu­te, www.worldwidewings.de, 9.9.2016 c) Wi­ki­pe­dia-Ar­ti­kel "Bri­tish-Is­ra­el-The­o­rie"

11 Elo­him in der he­brä­i­schen Bi­bel ist der Plu­ral von Eloi­ha oder Elo­ha und meint als Sub­jekt mit ei­nem Verb im Sin­gu­lar den Gott Is­ra­els und mit ei­nem Verb im Plu­ral ei­nen an­de­ren Gott oder an­de­re Götter. Das Dop­pel­wort JHWH Elo­him wird als "Gott, der Herr" über­setzt, das Ein­fach­wort Elo­him als "der Herr" oder "Gott" (falls mit Verb im Sin­gu­lar, was in 92,6% der Vor­kom­men der Fall ist) oder als "Göt­ter" (falls mit Verb im Plu­ral, kommt in 7,4% der Fäl­le vor). El in der Bi­bel ist wie­der et­was ganz an­de­res. El ist nicht der Gott der Is­ra­e­li­ten, son­dern die je­weils lo­kal ver­ehr­te ("heid­ni­sche" - wie wir heu­te sa­gen wür­den) Gott­heit, mei­stens mit ei­nem At­tri­but wie zum Bei­spiel als El shad­dai (die Über­set­zung "Gott, der All­mäch­ti­ge" ist an­ge­foch­ten) oder El elyon (Gott, der Höch­ste). Ab­ra­ham bei­spiels­wei­se bau­te El el­yon ei­nen Al­tar. Die Fra­ge, wa­rum die Bi­bel ei­ner­seits Mo­no­the­is­mus re­kla­miert und an­de­rerseits Gott so häu­fig im Plu­ral nennt, ist bei Exe­ge­ten nicht ge­klärt. We­der ein plu­ral maie­sta­tis noch ei­ne Plu­ra­li­tät wie die Sum­me aus Gott plus En­gel be­frie­digt.

12 Jo­han­nes 14:6

13 Für die Be­schnei­dung sie­he Ge­ne­sis 17:2-14 (siehe un­ten An­mer­kung 27). Für die Tau­fe sie­he Mat­thäus 28:19-20: "Geht zu al­len Völ­kern, und macht al­le Men­schen zu mei­nen Jün­gern; tauft sie auf den Na­men des Va­ters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes, und lehrt sie, al­les zu be­fol­gen, was ich euch ge­bo­ten ha­be." Für die Seg­nung sie­he die re­le­van­ten Äu­ße­run­gen von Rev. Dr. Sun Myung Mun.

14 Mar­kus 11:27-33; vgl. Mat­thäus 21:23-27 und Lu­kas 20:1-8

15 Der Be­griff Sy­nop­ti­ker ist ein Kom­po­si­tum aus den grie­chi­schen Vo­ka­beln συν (syn = ge­mein­sam, zu­sam­men) und ωφθαλμος (oph­tal­mos = Au­ge) mit der un­ge­fäh­ren Be­deu­tung "Zu­sam­men­schau­er". Er will be­sa­gen, dass die drei neu­te­sta­ment­li­chen Evan­ge­li­sten Mat­thäus, Mar­kus und Lu­kas von der glei­chen Quel­le ab­ge­schrie­ben ha­ben.
Die­se Quel­le ist mitt­ler­wei­le be­kannt. Der dä­ni­sche San­skrit-For­scher Univ.Prof. Dr. Chri­stian Lindt­ner hat sie nach 30jäh­ri­gem Stu­dium in In­dien, dem Ti­bet und Ja­pan ge­fun­den. Sie be­steht in den bei­den bud­dhi­sti­schen San­skrit-Schrif­ten Mû­la­sar­vâ­sti­vâ­da­vi­na­ya und Sad­dhar­ma­pun­da­rî­ka, et­wa 200 Jah­re vor der Ge­burt Je­su ver­fasst. Sie ent­hal­ten vie­le - nicht al­le - in den syn­op­ti­schen Evan­ge­lien über­lie­fer­ten Pe­ri­ko­pen (griech. περικοπη pe­ri­ko­pe von περι [peri = um ... he­rum] und κοπτειν [kop­tein = schnei­den], al­so "Aus­schnitt, Ab­schnitt") mit an­de­ren Per­so­nen- und Orts­na­men, wo­bei der neu­te­sta­ment­li­che Koi­ne-grie­chi­sche Text da­rauf ach­te­te, dass 1. die Sil­be­nzahl je­der Pe­ri­ko­pe und 2. der nu­me­ri­sche Wert der Buch­sta­ben je­des Na­mens mit sei­nem bud­dhi­sti­schen Pen­dant über­ein­stimmt. Die­se Ge­ma­trìa ge­nann­te Zah­len­kunst be­dient sich der kos­mi­schen, uni­ver­sel­len Nu­me­ro­lo­gie. Sein po­pu­lär­wis­sen­schaft­li­ches Buch Ge­heim­nis­se um Je­sus Chri­stus (Lühe-Ver­lag 2005) do­ku­men­tiert dies an­schau­lich auf 372 Sei­ten. Siehe da­zu auch sei­ne Web­site jesusisbuddha.com.

16 Die Pla­zen­ta ist phy­sio­lo­gisch ein Teil der Kör­pers des Kin­des und nicht der Mut­ter. Das Kind holt sich über die Pla­zen­ta os­mo­tisch aus den Blut­ge­fä­ßen der Ute­rus­wand die be­nö­tig­ten Nähr­stof­fe.

17 Ex­per­ten be­für­wor­ten ein spä­tes Ab­tren­nen der Na­bel­schnur. Denn die Pla­zen­ta schi­cke das Blut nach der Ge­burt durch die Na­bel­schnur zum Kind, weil sie um den Be­darf des Neu­ge­bo­re­nen wis­se be­zie­hungs­wei­se das Kind selbst sei­nen Be­darf an­mel­de. Nach der Blut­um­lei­tung wer­de die Na­bel­schnur weiß, weil blut­leer, und kön­ne ab­ge­trennt wer­den. Bei zu frü­her Ab­tre­nnung, wie zur­zeit in Spi­tä­lern nicht nur von Öster­reich prak­ti­ziert, be­rau­be man das Kind et­wa ei­nes Drit­tels sei­nes Blutes und da­mit not­wen­di­gen Sau­er­stoffs. Dies kann Re­ani­ma­tion nötig ma­chen, wo­zu ei­ne He­bam­me sich wie folgt äu­ßer­te: "Wir tren­nen die Na­bel­schnur durch, weil wir das Baby re­ani­mie­ren müs­sen, und wir müs­sen das Baby re­ani­mie­ren, weil wir sei­ne Na­bel­schnur durch­trennt ha­ben."

18 "Is­ra­el" meint hier, wie schon er­klärt, nicht den gleich­na­mi­gen Staat im Vor­de­ren Orient.

19 "Mo­hel" nennt man das is­ra­e­li­ti­sche Amt des Be­schnei­ders. Es setzt ei­ne be­son­de­re - heu­te auch me­di­zi­ni­sche - Aus­bil­dung und ei­ne Be­auf­tra­gung durch das Rab­bi­nat vo­raus.

20 Mir ist schon klar, dass Be­schnei­dung nicht nur von Is­ra­el prak­ti­ziert wird, und dass man­che Tra­di­tio­nen auch Mäd­chen "be­schnei­den". Ich spre­che hier al­lerdings nur über die von der To­ra vor­ge­schrie­be­ne Be­schnei­dung von Kna­ben am ach­ten Tag nach der Ge­burt (Le­vi­ti­kus 12:3), weil ich in die­se Tra­di­tion hi­nein­ge­wach­sen bin und zu ihr Zu­gang ha­be. Ich ge­be hier kei­nen Quer­schnitt al­ler Be­schnei­dungs­tra­di­tio­nen. Von da­her mög­li­che Rück­schlüs­se auf Prak­ti­ken an­de­rer Re­li­gio­nen sol­len mir will­kom­men sein, sind aber nicht mein pri­mä­res An­lie­gen.

21 In­zest wird von kei­ner mir be­kann­ten Kul­tur un­ter­stützt. Den­noch kommt er so­wohl in der sä­ku­lä­ren Ge­schich­te als auch in der Bi­bel vor. So sol­len Herr­scher­fa­mi­lien wie die der Pha­ra­o­nen zum Er­halt be­stimm­ter ge­ne­ti­scher Qua­li­tä­ten so­wohl In­zest als auch außer­ehe­li­che Schwän­ge­rung prak­ti­ziert ha­ben. Auch die Töch­ter Lots, des Nef­fen Ab­ra­hams, ver­mehr­ten sich durch In­zest (Ge­ne­sis 19:31-38). Mein Ar­ti­kel be­nö­tigt, so­weit ich se­hen kann, kei­ne wei­te­re Er­ör­te­rung des The­mas In­zest.

22 Lan­ge streb­te ich nach ei­ner Ver­ein­fa­chung die­ses Sat­zes - oh­ne Er­folg.

23 Mir geht es hier nicht um die Ab­gren­zung von Fa­mi­lie, Groß­fa­mi­lie, Clan, Sip­pe, Stamm und Volk oder Na­tion - obwohl al­le die­se Be­grif­fe ih­re Be­rech­ti­gung ha­ben -, son­dern um die Be­zeich­nung des ge­sell­schaft­li­chen be­zie­hungs­wei­se öf­fent­li­chen Rau­mes, in dem Fort­pflan­zung mög­lich ist. Und es geht da­rum, dass sich je­mand für die Schaf­fung be­zie­hungs­wei­se Er­hal­tung ei­nes sol­chen Rau­mes zu­stän­dig füh­len muss. Die­ser Raum muss - wie ge­sagt - so groß sein, dass die Ver­wandt­schafts­gra­de zwi­schen den Ehe­leu­ten ent­fernt ge­nug sind, um ge­ne­ti­sche De­fek­te zu ver­mei­den. Da­mit muss er grö­ßer sein als die Kern­fa­mi­lie und grö­ßer als die Groß­fa­mi­lie. Die­sen Raum nennt man - scheint mir - Stamm.
Zur Ver­mei­dung ge­ne­ti­scher De­fek­te ist in der ka­tho­li­schen Kul­tur, in der ich auf­ge­wach­sen bin, die Ehe zwi­schen Ver­wan­dten in di­rek­ter Li­nie sowie zwi­schen Cou­sins er­sten Gra­des (Di­spens mög­lich) ver­bo­ten. Bis 1917 wa­ren Ehen zwi­schen Cou­sins bis zum drit­ten Grad ver­bo­ten (Di­spens war bis zum er­sten Grad mög­lich). Das heu­ti­ge staat­li­che Recht von Deutsch­land und Öster­reich ver­bie­tet nicht mehr die Ehe zwi­schen Cou­sins, wohl aber die Ehe zwi­schen Fa­mi­lien­mit­glie­dern in di­rek­ter Li­nie, egal ob phy­sisch oder adop­tiert. Üb­ri­gens ver­bie­tet der Is­lam auch die Ehe zwi­schen nicht ver­wan­dten Kin­dern, die von der sel­ben Frau ge­stillt wur­den.

24 Na­tion kommt ety­mo­lo­gisch vom la­tei­ni­schen Verb na­scor, na­sci, na­tus sum (ge­bo­ren wer­den, ent­ste­hen) und meint ein auf Ab­stam­mung ge­grün­de­tes sou­ve­rä­nes Volk, das der Kon­kur­renz durch an­de­re Völ­ker ge­wach­sen ist. Der Fall Is­ra­el ist die von der Bi­bel vor­exer­zier­te Grün­dung ei­ner Na­tion, hi­sto­risch ein­zig­ar­tig und in­so­fern nicht zu ver­all­ge­mei­nern, Fä­hi­gen aber den­noch zur Nach­ah­mung emp­foh­len.

25 Auf Le­bens­zeit ge­schlos­se­ner Ver­trag zwi­schen dem Mann, der Frau und ih­ren Her­kunfts­fa­mi­lien mit dem aus­drück­li­chen Zweck der Fort­pflan­zung.
Das Ety­mo­lo­gi­sche Wör­ter­buch von Wolf­gang Pfei­fer bringt da­zu: "Aus dem west­germ. Wort für 'Ge­setz, Recht, gött­li­ches Ge­bot, Ver­trag' ahd. ewa, ewi f. (8. Jh.), mhd. mnd. e(we), mnl. ewe, ee, afries. a, e, ewe, ewa, asächs. eo, eu, aengl. ǣ, ǣw ent­wi­ckelt sich (au­ßer im Afries. und Asächs.) die neue, im heu­ti­gen Dt. al­lein er­hal­te­ne Be­deu­tung 'Ehe­ver­trag, Ehe'. Of­fen bleibt, ob das hier dar­ge­stell­te west­germ. Sub­stan­tiv mit dem un­ter "ewig" (s. d.) be­han­del­ten ahd. ewa iden­tisch ist und da­nach als Grund­be­deu­tung 'im­mer­dar, ewig gel­ten­des Recht' an­ge­setzt wer­den darf, oder ob es mit aind. ḗvaḥ 'Gang, Weg', Plur. 'Ge­wohn­heit, Sit­te' (ver­wandt mit eilen, s. d.) zu ver­bin­den und als 'Ge­wohn­heits­recht' an­zu­se­hen ist": https://www.dwds.de/wb/Ehe

26 Sie­he da­zu Ul­rich Zim­mer­mann, Be­schnei­dung (AT). Ar­ti­kel auf dem Bi­bel­por­tal der Deut­schen Bi­bel­ge­sell­schaft, er­stellt Jän­ner 2009, letz­te Än­de­rung Ok­to­ber 2012 (https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wibi/pdf/Beschneidung_AT___2017-10-10_11_17.pdf; Aus­las­sun­gen und Kur­siv­set­zun­gen durch mich):
"Exo­dus 4,24-26 legt na­he, dass die Kin­der­be­schnei­dung in Is­ra­el be­reits vor dem Exil ein be­kann­ter Brauch war. Das ar­cha­i­sche Ver­ständ­nis der Be­schnei­dung als Stam­mes­zei­chen in der al­ten Tra­di­tion von Ge­ne­sis 34 lässt eben­falls Raum für die An­nah­me, dass auch die Kin­der­be­schnei­dung in Is­ra­el schon sehr früh ge­übt wur­de, um an den Kin­dern mög­lichst bald die Stam­mes­zu­ge­hö­rig­keit zu be­zeich­nen. Da­her dürf­te in Ge­ne­sis 17 die Kin­der­be­schnei­dung zu Recht be­reits in der Zeit vor der Sess­haft­wer­dung Is­ra­els ver­or­tet sein. In die­ser Früh­pha­se, in der die Be­schnei­dung wohl vor al­lem die Be­deu­tung ei­nes Stam­mes­zei­chens hat­te, könn­te bei der Fest­le­gung des Be­schnei­dungs­ter­mins auf den ach­ten Le­bens­tag das - in­zwi­schen me­di­zi­nisch be­leg­ba­re - Er­fah­rungs­wis­sen ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben, dass es wäh­rend der er­sten Le­bens­wo­che zu Pro­ble­men bei der Blut­ge­rin­nung kom­men kann. (...)
Bei der Fest­le­gung des Be­schnei­dungs­ter­mins auf den ach­ten Le­bens­tag könn­te au­ßer den ge­nann­ten me­di­zi­ni­schen Grün­den ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben, dass das AT auch in an­de­ren Be­rei­chen ei­ne Ta­bu­frist von acht Ta­gen kennt, so zum Bei­spiel bei Erst­lings­op­fer­tie­ren (Exo­dus 22,29; Le­vi­ti­kus 22,27) oder bei den Rei­ni­gungs­fri­sten für Wöch­ne­rin­nen (Le­vi­ti­kus 12,2f) und Aus­sät­zi­ge (Le­vi­ti­kus 14,8-10). Ana­log hier­zu soll­ten viel­leicht auch Kin­der erst am ach­ten Tag durch die Be­schnei­dung JHWH zu­ge­führt wer­den. (...)
Die Be­schnei­dung be­grün­det die re­li­giö­se Kult­ge­mein­schaft der Fa­mi­lie, die Kin­der und Er­wach­se­ne, Skla­ven und Freie um­fasst (Ge­ne­sis 17; Exo­dus 4,24-26; Exo­dus 12,26f.43-50). Das Fa­mi­lien­ober­haupt trägt die Ver­ant­wor­tung, die Kin­der nicht durch Un­ter­las­sung der Be­schnei­dung au­ßer­halb der Bun­des- und Kult­ge­mein­schaft zu stel­len (Ge­ne­sis 17,14). Die Meh­rungs­ver­hei­ßung wird am be­tref­fen­den Kör­per­teil sicht­bar ge­macht, um die ver­spro­che­ne zahl­rei­che Nach­kom­men­schaft be­reits dem Neu­ge­bo­re­nen zu­zu­si­chern (Ge­ne­sis 17,6f. 10). Die Be­schnei­dung wen­det JHWHs Straf­ge­richt ab (Exo­dus 4,24-26). Durch die Be­schnei­dung er­lan­gen be­reits Kin­der die Kult­fä­hig­keit, kon­kret die Teil­nah­me­be­rech­ti­gung am Pas­sa­mahl (Exo­dus 12,26f.43-50)."

27 "Ich will ei­nen Bund stif­ten zwi­schen mir und dir und dich sehr zahl­reich ma­chen. Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stamm­va­ter ei­ner Men­ge von Völ­kern. (...) Ab­ra­ham (Va­ter der Men­ge) wirst du hei­ßen; denn zum Stamm­va­ter ei­ner Men­ge von Völ­kern ha­be ich dich be­stimmt. Ich ma­che dich sehr frucht­bar und las­se Völ­ker aus dir ent­ste­hen; Kö­ni­ge wer­den von dir ab­stam­men. Ich schlie­ße mei­nen Bund zwi­schen mir und dir samt dei­nen Nach­kom­men, Ge­ne­ra­tion um Ge­ne­ra­tion, ei­nen ewi­gen Bund: Dir und dei­nen Nach­kom­men werde ich Gott sein. (...)
Das ist mein Bund zwi­schen mir und euch samt dei­nen Nach­kom­men, den ihr hal­ten sollt: Al­les, was männ­lich ist un­ter euch, muss be­schnit­ten wer­den. Am Fleisch eu­rer Vor­haut müsst ihr euch be­schnei­den las­sen. Das soll ge­sche­hen zum Zei­chen des Bun­des zwi­schen mir und euch. Al­le männ­li­chen Kin­der bei euch müs­sen, so­bald sie acht Ta­ge alt sind, be­schnit­ten wer­den in je­der eu­rer Ge­ne­ra­tio­nen, seien sie im Haus ge­bo­ren oder um Geld von ir­gend­ei­nem Frem­den er­wor­ben, der nicht von dir ab­stammt. Be­schnit­ten muss sein der in deinem Haus Ge­bo­re­ne und der um Geld Er­wor­be­ne. So soll mein Bund, dessen Zei­chen ihr an eu­rem Fleisch tragt, ein ewi­ger Bund sein. Ein Un­be­schnit­te­ner, ei­ne männ­li­che Per­son, die am Fleisch ih­rer Vor­haut nicht be­schnit­ten ist, soll aus ih­rem Stam­mes­ver­band aus­ge­merzt wer­den. Er hat mei­nen Bund ge­bro­chen."

28 Ich ver­wei­se hier auf das schief­ge­gan­ge­ne Op­fer Ab­ra­hams in Ge­ne­sis 15:9-21, bei dem wir die Zwei­tei­lung be­obach­ten kön­nen. Er hat­te drei Ar­ten von Tie­ren in zwei Tei­le zu zer­tei­len: a) ei­ne Kuh, b) ein Schaf und ei­ne Zie­ge und c) zwei Tau­ben. Lei­der zer­teil­te er die Tau­ben nicht, hät­te es aber tun sol­len. Den­noch fuh­ren ein rau­chen­der Ofen und ei­ne leuch­ten­de Fa­ckel in der Mitte zwi­schen den Tier­tei­len hin­durch als Zei­chen, dass Gott in den Ver­trag ein­ge­stie­gen ist.

29 Hier­für ein per­fek­ter Be­leg in Je­re­mias 34:18: "Ich ma­che die Män­ner, die mein Ab­kom­men ver­letzt und die Wor­te der Ab­ma­chung, die sie vor mir ge­trof­fen hat­ten, nicht ge­hal­ten ha­ben, dem Kalb gleich, das sie in zwei Hälf­ten zer­schnit­ten ha­ben und zwi­schen des­sen Stü­cken sie hin­durch­ge­gan­gen sind."

30 "Es war ein Pha­ri­sä­er na­mens Ni­ko­de­mus, ein füh­ren­der Mann un­ter den Ju­den. Der such­te Je­sus bei Nacht auf und sag­te zu ihm: 'Rabbi, wir wis­sen, du bist ein Leh­rer, der von Gott ge­kom­men ist; denn nie­mand kann die Zei­chen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.' Je­sus ant­wor­te­te ihm: 'Amen, amen, ich sa­ge dir: Wenn je­mand nicht von neu­em ge­bo­ren wird, kann er das Reich Got­tes nicht se­hen.' Ni­ko­de­mus ent­geg­ne­te ihm: 'Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, ge­bo­ren wer­den? Er kann doch nicht in den Schoß sei­ner Mut­ter zu­rück­keh­ren und ein zwei­tes Mal ge­bo­ren wer­den.' Je­sus ant­wor­te­te: 'Amen, amen, ich sa­ge dir: Wenn je­mand nicht aus Was­ser und Geist ge­bo­ren wird, kann er nicht in das Reich Got­tes kom­men. Was aus dem Fleisch ge­bo­ren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist gebo­ren ist, das ist Geist. Wun­de­re dich nicht, dass ich dir sag­te: Ihr müsst von neu­em ge­bo­ren wer­den. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brau­sen, weißt aber nicht, woher er kommt und wo­hin er geht. So ist es mit je­dem, der aus dem Geist ge­bo­ren ist.'"

31 Jo­han­nes 4:2: "... - al­lerdings tauf­te nicht Je­sus selbst, son­dern sei­ne Jün­ger - ..."

32 1 Ko­rin­ther 1:17: "Chri­stus hat mich nicht ge­sandt zu tau­fen, son­dern das Evan­ge­lium zu ver­kün­den." Die Tat­sa­che, dass der Ver­fas­ser des Brie­fes die drei von ihm ge­tauf­ten Per­so­nen er­wähnt (Kri­spus und Gai­us in Vers 14, die Fa­mi­lie des Ste­pha­nas in Vers 16), spricht da­für, dass er sonst kaum ge­tauft ha­ben dürf­te. Pau­lus selbst war von dem Chri­sten Ha­na­nias ge­tauft wor­den (Apo­stel­ge­schich­te 9:10-18).

33 Jo­han­nes 11:18. Siehe auch ebd. 1:28.

34 Zur Zeit des Neuen Te­sta­men­tes tauf­ten vie­le. Die Es­se­ner tauf­ten sich selbst zwei­mal täg­lich. Ri­tu­el­le Was­ser-Ap­pli­ka­tio­nen gab und gibt es in al­len Kul­tu­ren. "Heid­ni­sche" Völ­ker tau­fen ih­re Kin­der in na­tür­li­chen Ge­wäs­sern. Im 19. Jahr­hun­dert be­gann die Kneipp-Kur, in der sich Kur­gä­ste mit Was­ser über­gießen las­sen. Heu­te sind Du­schen mit spe­zi­el­len Was­ser­ver­wirb­lern mo­dern, die Du­schen­de ef­fek­tiv re­vi­ta­li­sie­ren. Ein Dis­kurs über Tau­fe-ähn­li­che Was­ser­ap­pli­ka­tio­nen wä­re als Hin­ter­grund­in­for­ma­tion al­le­mal in­te­res­sant, ich muss ihn hier im In­te­res­se der Be­schrän­kung auf die Kern­punk­te mei­nes The­mas lei­der un­ter­las­sen.

35 Mar­kus 1:4, Lu­kas 3:3

36 Jo­sua 1:1-5:1. Die Ver­se 3:13, 3:16, 4:18, 4:22f und 5:1 spre­chen ex­pli­zit vom Aus­trock­nen des Jor­dan des Durch­zugs der Is­ra­e­li­ten we­gen.

37 Exo­dus 14:21-30: "Mo­se streck­te sei­ne Hand über das Meer aus, und der Herr trieb die gan­ze Nacht das Meer durch ei­nen star­ken Ost­wind fort. Er ließ das Meer aus­trock­nen, und das Was­ser spal­te­te sich. Die Is­ra­e­li­ten zo­gen auf tro­cke­nem Bo­den ins Meer hi­nein, wäh­rend rechts und links von ih­nen das Was­ser wie ei­ne Mau­er stand. Die Ägyp­ter setz­ten ih­nen nach; al­le Pfer­de des Pha­rao, sei­ne Streit­wa­gen und Rei­ter zo­gen hin­ter ih­nen ins Meer hi­nein. Um die Zeit der Mor­gen­wa­che blick­te der Herr aus der Feu­er- und Wol­ken­säu­le auf das La­ger der Ägyp­ter und brach­te es in Ver­wir­rung. Er hemm­te die Rä­der an ih­ren Wa­gen und ließ sie nur schwer vo­ran­kom­men. Da sag­te der Ägyp­ter: Ich muss vor Is­ra­el flie­hen; denn Jahwe kämpft auf ih­rer Sei­te ge­gen Ägyp­ten. Da­rauf sprach der Herr zu Mo­se: Streck dei­ne Hand über das Meer, da­mit das Was­ser zu­rück­flu­tet und den Ägyp­ter, sei­ne Wa­gen und Rei­ter zu­deckt. Mo­se streck­te sei­ne Hand über das Meer, und ge­gen Mor­gen flu­te­te das Meer an sei­nen al­ten Platz zu­rück, wäh­rend die Ägyp­ter auf der Flucht ihm ent­ge­gen­lie­fen. So trieb der Herr die Ägyp­ter mit­ten ins Meer. Das Was­ser kehr­te zu­rück und be­deck­te Wa­gen und Rei­ter, die gan­ze Streit­macht des Pha­rao, die den Is­ra­e­li­ten ins Meer nach­ge­zo­gen war. Nicht ein ein­zi­ger von ih­nen blieb üb­rig. Die Is­ra­e­li­ten aber wa­ren auf tro­cke­nem Bo­den mit­ten durch das Meer ge­zo­gen, wäh­rend rechts und links von ih­nen das Was­ser wie ei­ne Mau­er stand. So ret­te­te der Herr an je­nem Tag Is­ra­el aus der Hand der Ägyp­ter. Is­ra­el sah die Ägyp­ter tot am Strand lie­gen."

38 Sie­he da­zu das Mat­thäus 2:15 zi­tier­te Wort des Pro­ph­eten Ho­sea 11:1: "Aus Ägyp­ten rief ich mei­nen Sohn." Is­ra­el war al­so Got­tes Sohn. Ein Sohn wird ir­gend­wann ge­bo­ren. Ge­bo­ren wur­de er beim Durch­zug durch das Ro­te Meer, der von Gott selbst her­bei­ge­führ­ten Ge­burt.

39 Josua 4:7

40 Josua 4:18

41 Das he­brä­i­sche Wort für "ab­schnei­den" ist der alt­orien­ta­li­sche ter­mi­nus tech­ni­cus für ei­nen Ver­trags­ab­schluss: ךרח בריח ka­rat be­rith = ei­nen Ver­trag ab­schnei­den be­zie­hungs­wei­se ei­nen Bund schlie­ßen.

42 Der Na­me des Mo­ses soll laut Exo­dus 2:10 da­ran er­in­nern, dass er aus dem Was­ser (des Nil) he­raus­ge­zo­gen wur­de, was mir ir­gend­wie als Vor­zei­chen sei­ner spä­te­ren Meer­durch­schrei­tung vor­kommt.

43 Im Be­reich des Ka­tho­li­zis­mus wur­de die­se Tauf­theo­lo­gie be­son­ders von der Er­neue­rungs­be­we­gung "Neo­ka­te­chu­me­nat" her­vor­ge­holt und stellt die Grund­la­ge der Mit­glie­der­iden­ti­tät dar. Ka­te­chu­me­nat ist das grie­chi­sche Wort für Tauf­un­ter­richt, Ka­te­chu­me­ne ist der Tauf­be­wer­ber. Es kommt von κατα (kata = he­rab, he­run­ter) und ηχη (eche = Schall, Klang, Echo). κατηχειν heißt dem­zu­fol­ge he­rab-, he­run­ter­tö­nen, -schal­len, da­von ab­ge­lei­tet ist κατηχιζειν (ka­te­chi­zein = un­ter­rich­ten).
Es gibt auch nicht-tau­fen­de christ­li­che Grup­pen wie die Heils­ar­mee oder die "Kin­der Got­tes" des Da­vid Berg, ge­nau­so wie es tau­fen­de nicht-christ­li­che Grup­pen gibt wie die Dru­sen im Vor­de­ren Orient, die Hin­du in In­dien und an­de­re.

44 Mat­thäus 3:17; Mar­kus 1:11; Lu­kas 3:22

45 Jo­han­nes 8:58

46 Lu­kas 12:49

47 Mar­kus 1:8; Jo­han­nes 1:33

48 Mat­thäus 3:11; Lu­kas 3:16

49 Das Er­leb­nis bei Pe­trus: Apo­stel­ge­schich­te 10-11. Das Er­leb­nis bei Pau­lus: Apo­stel­ge­schich­te 13:16-52. Zur Aus­ei­nan­der­set­zung zwi­schen Pe­trus und Pau­lus we­gen tra­di­tio­nel­len Hei­den-Ju­den-Un­ter­schieds­den­kens: Ga­la­ter 2:6-14

50 Eng­li­sche Über­set­zung aus dem Ko­re­a­nis­chen: "To be re­born we must go back to the ori­gin. We must go back to the sperm and egg of the mo­ther and fa­ther. God is the ori­gin so we must re­turn back to God." https://www.tparents.org/Moon-Talks/SunMyungMoon04/SM040420.htm
Lei­der reicht mein Ko­re­a­nisch noch nicht aus, um die Tex­te im Ori­gi­nal zu le­sen. Ich kann ge­ra­de die Schrift le­sen und ver­ste­he ei­ni­ge Wor­te.

51 Zur ko­re­a­ni­schen Schrift:
Sie wur­de 1443 von Ge­lehr­ten ent­wi­ckelt und am 9. Ok­to­ber 1446 von Kö­nig Se­jong dem Gro­ßen (1397-1450) ge­mein­sam mit dem Be­gleit­text "Die rich­ti­gen Lau­te zur Un­ter­wei­sung des Vol­kes" (1997 in das UNESCO-Welt­do­ku­men­ten­er­be auf­ge­nom­men) ver­öf­fent­licht. Sie be­steht aus 14 Kon­so­nan­ten und 10 Vo­ka­len. Er­wei­te­run­gen - wie et­wa im Deut­schen Deh­nun­gen, Här­tun­gen (Dop­pel­kon­so­nan­ten) und Zwie­lau­te - er­brin­gen heu­te ei­ne Zahl von als Buch­sta­ben be­zeich­ne­ten 19 Kon­so­nan­ten- und 21 Vo­kal­zei­chen und -kom­bi­na­tio­nen.
Ko­re­a­nisch ist ei­ne Buch­sta­ben­schrift in dem Sin­ne, wie man et­wa die La­tein­schrift, die Deut­sche Schreib­schrift, Ky­ril­lisch, Grie­chisch, He­brä­isch oder Ara­bisch usw. als Buch­sta­ben­schrif­ten be­zeich­net. Je­der Buch­sta­be steht für ei­nen Laut oder Zwie­laut. Die ko­re­a­ni­schen Buch­sta­ben wer­den grund­sätz­lich hin­ter­ei­nan­der von links nach rechts ge­schrie­ben, aber in Sil­ben so zu­sam­men­ge­fasst, dass die je­wei­li­ge Sil­be in ein Qua­drat passt. Ein sol­ches Sil­ben­qua­drat um­fasst bis zu vier Buch­sta­ben­zei­len und wird von links nach rechts und bei Be­darf von oben nach un­ten auf das Pa­pier ge­schrie­ben.
Am Com­pu­ter wer­den die ein­zel­nen Buch­sta­ben an­ge­tippt. Die Ta­sta­tur-Be­le­gung er­mög­licht den Griff der Kon­so­nan­ten mit der lin­ken Hand und der Vo­ka­le mit der rech­ten. Die An­ord­nung in Sil­ben­qua­dra­te er­folgt au­to­ma­tisch mit­tels Soft­ware.

52 Ko­rea­ner er­mit­teln das Al­ter ei­nes Men­schen ab sei­ner Zeu­gung. Für sie war Rev. Mun im April 1935 al­so be­reits 16 Jah­re alt.

53 Zur Na­mens­än­de­rung sie­he New World En­cy­clo­pe­dia, Ar­ti­kel "Sun Myung Moon": "In 1953, Moon de­cided that his birth name Moon Yong Myung was not a sui­table name for a Chri­stian evan­ge­list be­cause Yong, which means dragon, might be in­ter­pre­ted by some peo­ple as re­fer­ring to ser­pent, de­vil, or the an­ti­christ. So, he de­cided to change his name to Moon Sun Myung. The Chi­nese cha­rac­ter for Moon (문, 文) means word or li­te­ra­ture, while the cha­rac­ter Sun (선, 鮮), com­posed of fish and lamb (sym­bols of Chri­sti­a­ni­ty), means fresh. The cha­rac­ter Myung (명, 明), com­posed of sun and moon, means bright. To­ge­ther, Sun-Myung means make clear. So the full name can be taken to mean the word made clear."
Deut­sche Über­set­zung durch mich, oh­ne ko­re­a­ni­sche und chi­ne­si­sche Zei­chen: "1953 ent­schied Mun, dass sein Ge­burts­na­me Mun Yong Myung nicht zu ei­nem christ­li­chen Ver­kün­der pass­te, da man­che Men­schen Yong (Drache) im Sin­ne von Schlan­ge, Teu­fel oder An­ti­christ inter­pre­tie­ren könn­ten. Folg­lich ent­schloss er sich, sei­nen Na­men auf Mun Son Myong zu än­dern. Das chi­ne­si­sche Zei­chen für Mun heißt Wort oder Li­te­ra­tur, wäh­rend das Zei­chen Son, das sich aus Fisch und Lamm - christ­li­chen Sym­bo­len - zu­sam­men­setzt, frisch heißt. Das Zei­chen Myung, aus Son­ne und Mond zu­sam­men­ge­setzt, heißt hell. Zu­sam­men­ge­setzt be­deu­tet Son-Myung klar ma­chen. Folg­lich kann man den vol­len Na­men mit das klar­ge­mach­te Wort deu­ten."

54 Ge­ne­sis 1-2

55 "Gott seg­ne­te sie, und Gott sprach zu ih­nen: 'Seid frucht­bar, und ver­mehrt euch, be­völ­kert die Er­de, un­ter­werft sie euch, und herrscht über die Fi­sche des Mee­res, über die Vö­gel des Him­mels und über al­le Tie­re, die sich auf dem Land re­gen.'" (Ge­ne­sis 1:28)

56 "Dann wur­de Je­sus vom Geist in die Wü­ste ge­führt; dort soll­te er vom Teu­fel in Ver­su­chung ge­führt wer­den. Als er vier­zig Ta­ge und vier­zig Näch­te ge­fa­stet hat­te, be­kam er Hun­ger.
Da trat der Ver­su­cher an ihn he­ran und sag­te: 'Wenn du Got­tes Sohn bist, so befiehl, dass aus die­sen Stei­nen Brot wird.' Er aber ant­wor­te­te: 'In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, son­dern von je­dem Wort, das aus Got­tes Mund kommt.'
Da­rauf nahm ihn der Teu­fel mit sich in die Hei­li­ge Stadt, stell­te ihn oben auf den Tem­pel und sag­te zu ihm: 'Wenn du Got­tes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Sei­nen En­geln be­fiehlt er, dich auf ih­ren Hän­den zu tra­gen, da­mit dein Fuß nicht an ei­nen Stein stößt.' Je­sus ant­wor­te­te ihm: 'In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, nicht auf die Pro­be stel­len.'
Wie­der nahm ihn der Teu­fel mit sich und führ­te ihn auf ei­nen sehr ho­hen Berg; er zeigte ihm al­le Rei­che der Welt mit ih­rer Pracht und sag­te zu ihm: 'Das al­les will ich dir ge­ben, wenn du dich vor mir nie­der­wirfst und mich an­be­test.' Da sag­te Je­sus zu ihm: 'Weg mit dir, Sa­tan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, dei­nem Gott, sollst du dich nie­der­wer­fen und ihm al­lein die­nen.'
Da­rauf ließ der Teu­fel von ihm ab, und es ka­men En­gel und dien­ten ihm."
(Mat­thäus 4:1-11; ver­glei­che Mar­kus 1:12f, Lu­kas 4:1-13)

57 Sie­he da­zu nach Je­su Tod das Er­leb­nis der Ma­ria Mag­da­le­na mit dem ver­meint­li­chen Gärt­ner, der in Wirk­lich­keit Je­sus war, in Jo­han­nes 20:11-17.

58 MC = Ma­ster of Ce­re­mo­ny, ei­ne im an­gel­säch­si­schen Sprach­raum ge­läu­fi­ge Funk­tions­be­zeich­nung bei Fei­ern al­ler Art.

59 "Wah­re El­tern" ist der von Rev. Mun ge­präg­te Ti­tel des Mes­sias als Herr der Wie­der­kunft. Der Mes­sias muss in der La­ge sein, den ge­fal­le­nen Men­schen durch sei­ne Lie­be zur Auf­er­ste­hung ( = neue Ge­burt) zu ver­hel­fen. Ge­bo­ren wer­den kann je­mand nur durch El­tern. Der Mes­sias über­nimmt hier die Rol­le der El­tern, be­ste­hend aus dem voll­kom­me­nen Adam und der voll­kom­me­nen Eva.

60 "Mit dem Him­mel­reich ist es wie mit ei­nem Mann, der gu­ten Sa­men auf sei­nen Acker sä­te." (Mat­thäus 13:24)
"Der Sä­mann sät das Wort." (Mar­kus 4:14)
"Ein Sä­mann ging aufs Feld, um sei­nen Sa­men aus­zu­sä­en." (Lu­kas 8:5)

61 "Im An­fang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (...) Und das Wort ist Fleisch ge­wor­den und hat un­ter uns ge­wohnt, und wir ha­ben sei­ne Herr­lich­keit ge­se­hen, die Herr­lich­keit des ein­zi­gen Soh­nes vom Va­ter, voll Gna­de und Wahr­heit." (Jo­han­nes 1:1.14)

62 "Pe­trus sagte zu Je­sus: Rab­bi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wol­len drei Hüt­ten bau­en, ei­ne für dich, ei­ne für Mo­se und ei­ne für Eli­ja." (Mar­kus 9:5; ver­glei­che Mat­thäus 17:4, Lu­kas 9:33)