I N H A L T
A) EIN­LEI­TUNG
  1. Wort­be­deu­tung
  2. Wet­ten
B) DIE BEI­DEN KON­STI-
   TU­EN­TEN DES GEL­DES
  1. Kör­per
    a) Der Aus­weis
    b) Der Geld-Sog
  2. Die Wet­te
C) WELT OH­NE GELD?
D) ZUSAM­MEN­FAS­SUNG
E) SCHLUSS­WORT
F) AP­PEN­DIX: Ein­la­dung

 
Den Vor­trag "Was ist (das) Geld?" ha­be ich An­fang 2018 in un­se­rer Woh­nung ge­hal­ten. Er ist in vie­len Ge­sprä­chen und jah­re­lan­gem Nach­den­ken ge­reift. Der fol­gen­de Ar­ti­kel re­kon­stru­iert die In­hal­te des Vor­trags.

 
 
A) EIN­LEITUNG

1. Wort­be­deutung

Das deut­sche Wort Geld ist - leicht er­kenn­bar - mit dem Verb "gel­ten" ver­wandt. Das eng­li­sche the mo­ney und das ita­lie­ni­sche la mo­ne­ta ver­dan­ken sich Mo­ne­ta, ei­nem Bei­na­men der rö­mi­schen Gott­heit Juno, so­wie dem Um­stand, dass in der Nä­he der Tem­pel die­ser Göt­tin oft Mün­zen ge­prägt wur­den. Das la­tei­ni­sche pe­cu­nia heißt ei­gent­lich Vieh(be­sitz). i sol­di (ita­lie­nisch) oder the sa­la­ry (eng­lisch) kommt von "Salz" - da­her auch der "Sol­dat", denn Sol­da­ten wur­den in rö­mi­schen Reich mit Salz be­zahlt. l'ar­gen­to (ita­lie­nisch) und l'ar­gent (fran­zö­sisch) kom­men von ar­gen­tum (la­tei­nisch für Sil­ber).

So­weit ei­ni­ge Bei­spie­le. Un­zäh­li­ge wei­te­re Na­men für Geld muss ich über­gehen.

Im Deut­schen "gilt" Geld al­so. In un­se­rer Spra­che steckt die Gül­tig­keit von Geld be­reits im Na­men. Geld wird, ab­hän­gig von der je­wei­li­gen Staats­form, von der Re­gie­rung als Ge­setz be­schlos­sen und ist in­so­fern ein Staats­ge­setz. In Öster­reich be­schließt das Par­la­ment die Ge­set­ze, und ei­nes da­von be­trifft Geld.

En­de des letz­ten Jahr­tau­sends ta­ten sich ei­ni­ge Mit­glied­staa­ten der EU zu­sam­men und ver­ein­bar­ten in mul­ti­la­te­ra­len Staats­ver­trä­gen ein ge­mein­sa­mes Zah­lungs­mit­tel - den Euro. Dem trug der öster­rei­chi­sche Na­tio­nal­rat im Euro-Ge­setz Rech­nung. Das Schil­ling-Ge­setz von 1945 trat da­mit außer Kraft.1 Ab 1. Fe­bru­ar 2001 konn­te man in Euro be­zah­len und den öster­rei­chi­schen Schil­ling in Euro um­tau­schen (Um­rech­nungs­kurs 13,7603 Schil­ling ge­gen 1 Euro), bis En­de 2001 noch in al­len Ge­schäf­ten in bei­den Wäh­run­gen be­zah­len, ab 1. Jän­ner 2002 aber nur mehr in Euro. In Ban­ken konn­te man noch bis April 2018 Schil­lin­ge in Euro um­tau­schen. Je­des Ge­wer­be in­ner­halb des Staats­ge­biets hat­te sich an die­sen Re­gie­rungs­be­schluss zu hal­ten.
 

2. Wet­ten

Aber nicht nur Ge­set­ze und Geld gel­ten, son­dern auch je­de Wet­te "gilt". Wet­ten ist im Han­del mit Geld ein gro­ßes The­ma. Ein In­ve­stor kann auf Kurs­schwan­kun­gen von bei­spiels­wei­se Wäh­run­gen, Ak­tien, Op­tio­nen oder De­ri­va­ten in­ner­halb ei­ner ge­ge­be­nen Zeit ei­ne Sum­me Gel­des wet­ten. Mit die­ser Sum­me Gel­des kauft und ver­kauft ein Bro­ker in­ner­halb der Gel­tungs­zeit die frag­li­chen Wer­te. Der In­ve­stor streift sei­nen Ge­winn ein, der Bro­ker sein Ho­no­rar und die be­tei­lig­ten Ban­ken ih­re Ge­büh­ren. Kann der Bro­ker nicht mit Ge­winn ver­kau­fen, hat der In­ve­stor sei­ne In­ve­sti­tion ver­wet­tet, al­so ver­lo­ren.

Man kann na­tür­lich auch auf Sport­er­geb­nis­se wet­ten, beim Pfer­de­ren­nen in Ascot zum Bei­spiel, beim Fuß­ball, bei al­lem, was Wett­bü­ros an­bie­ten. Das Prin­zip ist das glei­che wie beim Wet­ten auf wirt­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen.

So viel als Ein­leitung zum Wort Geld, zum Gel­ten des Gel­des und zum Gel­ten von Wet­ten.
 
 

B) DIE BEI­DEN KON­STI­TU­EN­TEN DES GEL­DES

Geld ist ei­ne he­te­ro­ge­ne Grö­ße, wie ich schon in der Ein­la­dung2 sag­te, weil es sei­ne Grund­la­gen und sei­nen Zweck nicht in sich selbst, son­dern in et­was an­de­rem hat. Geld ist kein selbst­stän­di­ges und schon gar kein selbst­er­klä­ren­des Phä­no­men.

Dass Geld ein­mal er­fun­den wor­den sein muss, steht für mich ein­fach des­halb au­ßer Fra­ge, weil es in der Na­tur nicht vor­kommt. Es wächst nicht auf Bäu­men, man kann es nicht von Pflan­zen ern­ten, we­der vom Bo­den auf­he­ben noch aus der Luft oder dem Was­ser fi­schen. Also muss je­mand es er­fun­den ha­ben. Ei­ne Er­fin­dung be­nö­tigt im­mer ein Mo­tiv und ei­ne Idee. Hat je­mand schon ein­mal von ei­nem Mo­tiv oder ei­ner Idee zur Geld­er­fin­dung ge­hört oder ge­le­sen? Ich je­den­falls nicht.
Viel­mehr las und hör­te ich seit Kin­des­ta­gen von in­do­ne­si­schen Per­len­fi­schern, die mit Kau­ri­mu­scheln Gü­ter tausch­ten, oder von Markt­fah­rern im al­ten Chi­na, die aus­ste­hen­de Zah­lun­gen mit Krei­de an die Wand ih­rer Ge­schäfts­räu­me no­tier­ten. Bei ih­nen sind Mo­tiv und Idee zur Geld­er­fin­dung aber nicht zu fin­den. Denn wä­re das der Fall, stün­den ih­re In­te­res­sen und Be­dürf­nis­se bei der Geld­er­fin­dung Pa­te und könn­ten Geld leicht er­klä­ren. Dem ist aber nicht so. Die Per­len­fi­scher und Markt­fahrer kön­nen uns Geld nicht er­klä­ren. Es muss je­mand viel in­tel­li­gen­te­rer als sie - und vor al­lem je­mand mit ei­nem sel­te­nen und ganz spe­zi­fi­schen In­te­res­se - ge­we­sen sein, der ge­mein­sam mit der mensch­li­chen Exi­stenz das Geld im­mer schon mit­ge­dacht hat.

Die Theo­rie, die ich heu­te vor­tra­ge, nennt zwei Kon­sti­tu­en­ten des Gel­des und fin­det da­mit das Aus­lan­gen. Mehr als die­se zwei braucht es mei­ner Mei­nung nach nicht für ei­ne phi­lo­so­phi­sche Be­grün­dung des Gel­des. Den ent­schei­den­den Hin­weis, das so­ge­nann­te Pünkt­chen auf dem I, lie­fer­te mir, wie in der Ein­la­dung ge­schrie­ben, der öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph Her­bert Gil­ler. Sein Hin­weis war ein ma­thema­ti­scher.

Ei­ne der bei­den Grund­la­gen, die zweit­wich­tig­ste, näm­lich das Wet­ten, ha­be ich be­reits an­ge­schnit­ten. Das Wet­ten spielt aber nicht erst im Han­del mit Geld ei­ne Rol­le, son­dern liegt der Idee des Gel­des als sol­cher zu­grun­de. Be­reits das Aus­ru­fen ei­ner Wäh­rung im­pli­ziert ei­ne Wet­te. Wel­che, wird noch er­klärt.

An­fan­gen möch­te ich mit der wich­tig­sten Grund­la­ge des Gel­des, die auch das Wet­ten mit be­grün­det. Wa­rum wird denn über­haupt ge­wet­tet? Es wird ge­wet­tet, um et­was zu schüt­zen, zu un­ter­stüt­zen und zu per­fek­tio­nie­ren, und zwar den Kör­per. Den le­ben­den mensch­li­chen Kör­per. Die­se Aus­sa­ge leuch­tet si­cher nicht gleich ein und wird mög­li­cher­wei­se auf Er­stau­nen und Un­ver­ständ­nis sto­ßen.

Mei­ne Theo­rie be­schreibt die­se bei­den Kon­sti­tu­en­ten, den Kör­per und das Wet­ten.
 

Ex­kurs: Wa­rum ich mir das Nach­de­nken über Geld an­tue
Ich traue dem ak­tu­el­len Dis­kurs über Geld in Wirt­schaft und Ge­sell­schaft nicht. Oft ent­springt laut­star­ker Pro­test ge­gen Män­gel im Wirt­schafts­sys­tem eher un­be­wuss­ter Un­zu­frie­den­heit als ech­ter Kom­pe­tenz, und Re­form­ei­fer ist oft nicht Ak­tion, son­dern ge­tarn­te Re­ak­tion.
Da­her möch­te ich dem Geld-Diskurs ei­ne Kom­pe­tenz­sprit­ze ver­pas­sen. So groß­spu­rig bin ich.
Was wä­re, wenn die Mehr­heit gar nicht, wie es den An­schein hat, aus blin­der Er­ge­ben­heit oder Des­in­for­ma­tion schweigt, son­dern aus Wis­sen und In­tui­tion? Dann wä­re die Wahr­heit je­den­falls nicht bei den Viel­red­nern.
Um das he­raus­zu­fin­den, müs­sen wir auf den Punkt kom­men und Fun­da­men­te und Grund­la­gen beim Na­men nen­nen. An­dern­falls ver­schwen­de­ten wir un­se­re Zeit mit lee­rem Ge­tö­se.
Letz­ten En­des möch­te ich zu Frie­den und Ver­söh­nung ei­nes je­den mit sich selbst - in­klu­si­ve sei­ner Be­zie­hung zu Geld - bei­tra­gen. We­gen Geld ent­ste­hen schon ein­mal Kon­flik­te, die Men­schen die Freu­de am Le­ben ver­lie­ren las­sen. Durch das Aus­leuch­ten des We­sens des Gel­des möch­te ich sei­nem Kon­flikt­po­ten­zial die Nah­rung ent­zie­hen und Men­schen in ih­re Kom­pe­tenz, ih­re Kraft und ih­ren Frie­den kom­men las­sen.
 

1. Der Körper

Ich stel­le jetzt ei­ni­ge Fra­gen.

Wer hier hat ei­nen Kör­per? Gibt es hier je­man­den, der kei­nen Kör­per hat? Nie­mand zeigt auf, al­so darf ich da­von aus­ge­hen, dass je­der hier ei­nen Kör­per hat. Wir stim­men da­rin über­ein, dass je­der hier ei­nen Kör­per hat.

Näch­ste Fra­ge: Gibt es hier je­man­den, der ein Kör­per ist? Nein? Das er­leich­tert mich. Je­der hat ei­nen Körper, aber nie­mand ist ein Kör­per. Auch da­rin stim­men wir über­ein.

Näch­ste Fra­ge: Wenn nie­mand hier ein Kör­per ist, was sind wir dann, wenn wir kei­ne Kör­per sind? Ich rech­ne mit län­ge­rem Schwei­gen. Wer nicht weiß, was er ist, kann es auch nicht sa­gen. Und wer weiß, was er ist, sagt es in der Re­gel nicht und schreibt es sich auch nicht auf die Stirn. Da­her rech­ne ich mit län­ge­rem Schwei­gen auf die Fra­ge, was wir sind. Viel­leicht fin­den wir den­noch die ei­ne oder an­de­re all­ge­mein ge­nug ge­hal­te­ne For­mu­lie­rung da­für, was wir sind.
Die Ein­gangs­tür des Ora­kels von Del­phi in Grie­chen­land zier­te einst der Spruch gnoti seauton.3 Auch wenn nur we­ni­ge Men­schen sich selbst er­ken­nen, bleibt der Auf­trag gnoti seauton - sich selbst zu er­ken­nen - den­noch be­ste­hen.
Ha­ben wir be­reits ei­ne For­mu­lie­rung für das, was wir sind? Wie wä­re es mit: ei­ne ewi­ge See­le? Ich bin ei­ne ewi­ge See­le in ei­nem Kör­per. Für an­de­re oder bes­se­re For­mu­lie­run­gen bin ich dank­bar. Aber "ewi­ge See­le" ist je­den­falls ein­mal ein Ver­such zu sa­gen, was je­der von uns ist.

Näch­ste Fra­ge: Wir sind ewi­ge See­len und ha­ben ei­nen Kör­per. Sind un­se­re Kör­per al­le gleich wich­tig und gleich wert­voll oder gibt es Kör­per, die wich­ti­ger sind als an­de­re? Es schei­nen nicht al­le Kör­per für gleich wich­ti­ge Auf­ga­ben ge­macht zu sein. Auch schei­nen nicht al­le Kör­per gleich gut zu funk­tio­nie­ren, aber sind sie des­we­gen von un­ter­schied­li­chem Wert oder un­ter­schied­li­cher Re­le­vanz?
Kann man aus dem Um­stand, dass in ei­nem Staats­ge­fü­ge man­che Kör­per stär­ker ge­schützt sind als an­de­re, schlie­ßen, dass es wich­ti­ge­re und we­ni­ger wich­ti­ge Kör­per gibt? Der Kör­per­schutz scheint tat­säch­lich stär­ker zu sein, je hö­her das po­li­ti­sche Amt und je ge­wich­ti­ger der Staat.
Grö­ße­re Staa­ten wie Chi­na, Deutsch­land, die Golf­staa­ten, Russ­land, die Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder Mo­nar­chien mit be­son­ders wich­ti­gen Kö­ni­gen wie Thai­land be­trei­ben ei­nen um­fas­sen­de­ren Kör­per­schutz als ... An­dor­ra, Öster­reich oder die Schweiz. Der PKW des Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wiegt neun Ton­nen, ist über­all schuss­si­cher, auch die Rei­fen, und hat ei­ne ei­ge­ne Luft­ver­sor­gung für den In­nen­raum, da­mit bei ei­nem Gift­gas­an­schlag kei­ne Außen­luft in das Au­to dringt. Staats­re­prä­sen­tan­ten schei­nen al­so die schutz­be­dürf­tig­sten und gleich­zei­tig best­ge­schütz­ten Men­schen der Welt zu sein.

Wa­rum muss der Kör­per von Staats­chefs so gut ge­schützt wer­den? Weil Staats­chefs vie­le Fein­de ha­ben, die ih­nen nach dem Le­ben trach­ten. War das im­mer schon so? Ja. Im In­te­res­se der po­li­ti­schen Sta­bi­li­tät muss von al­len Kör­pern der Kör­per des Kö­nigs am be­sten be­schützt wer­den, weil er die mei­sten Fein­de von in­nen und von au­ßen hat.4 Er braucht un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schutz. Der Staat kann sich zu viel Ver­schleiß von Staats­ober­häup­tern nicht lei­sten , weil das die Mo­ral des Vol­kes un­ter­grü­be. Ich spre­che im Prä­sens, weil das Pro­blem des Schut­zes seit vie­len tau­sen­den Jah­ren das glei­che ist. So wur­de auch das Geld - be­stä­tigt die Ge­schichts­wis­sen­schaft - schon vor vie­len tau­sen­den Jah­ren er­fun­den.

Kö­ni­ge wa­ren und sind im­mer von Leib­wäch­tern um­ge­ben. Sie brau­chen ein­fach wel­che. Da sie wel­che brau­chen, müs­sen sie sie auch für ih­re Dien­ste schad­los hal­ten. Je­man­den schad­los hal­ten be­deu­tet: da­für zu­stän­dig sein, dass je­man­dem aus ei­ner Si­tu­a­tion kein Scha­den er­wächst. Im Fall des Leib­wäch­ters be­deu­tet das, dass der Kö­nig ihm das, was sein Reich zu bie­ten hat, ir­gend­wie zu­gu­te kom­men las­sen muss. Der Leib­wäch­ter setzt sein Le­ben für den Kö­nig ein, hält sich fit, trai­niert mit Waf­fen und Han­teln und hat viel­leicht zu Hau­se Frau und Kin­der. Er muss gut es­sen, ge­nug schla­fen, braucht ei­nen er­hol­sa­men Ur­laub, ei­nen hilf­rei­chen Coach, ein or­dent­li­ches Au­to und sei­ne Fa­mi­lie darf nicht hun­gern müs­sen - an­dern­falls wird der Leib­wäch­ter den Kö­nig nicht be­schüt­zen kön­nen oder sei­nen Dienst quit­tie­ren.

Wie soll der Kö­nig sei­nen Leib­wäch­tern die Vor­zü­ge sei­nes Rei­ches zu­gu­te kom­men las­sen? Stel­len wir uns vor, ein Leib­wäch­ter ist nach ei­nem lan­gen, har­ten Ar­beits­tag hung­rig und will sich in ei­nem Re­stau­rant stär­ken. Er geht hi­nein, setzt sich an ei­nen frei­en Tisch und der Ober kommt und fragt ihn: "Der Herr wün­schen?" Der Leib­wäch­ter sagt: "Ich bin Leib­wäch­ter des Kö­nigs, ich hät­te ger­ne Kalbs­ha­xe mit Rot­kraut und Brat­kar­tof­feln, und da­zu ein Glas Rot­wein - Char­don­nay." Wenn der Ober ihn kennt und wenn in sei­nem Re­stau­rant Leib­wäch­ter des Kö­nigs gra­tis es­sen dür­fen, dann bringt der Ober dem Leib­wäch­ter die­ses Es­sen. Wenn ihn der Ober aber nicht kennt oder wenn es in sei­nem Re­stau­rant nicht Sit­te ist, dass Leib­wäch­ter des Kö­nigs gra­tis es­sen, dann bringt der Ober dem Leib­wäch­ter nichts. Wie soll der Leib­wäch­ter al­so die Vor­zü­ge des Rei­ches für sich nut­zen kön­nen?
 

a) Der Aus­weis

Die ein­fach­ste Lö­sung wä­re ei­ne Le­gi­ti­ma­tion, ei­ne Art Aus­weis, der sei­nen Trä­ger be­rech­tigt, in ei­nem Re­stau­rant be­dient zu wer­den. Aber was wä­re die Fol­ge da­von? Wenn al­le An­ge­stell­ten des Kö­nigs im­mer al­les be­kä­men, was sie wol­len oder brau­chen, was wür­de ge­sche­hen? Es wür­de ei­ne Ge­sell­schaft ent­ste­hen, die ge­teilt ist in die, die al­les ha­ben kön­nen, oh­ne sich da­rum küm­mern zu müs­sen, wo es her­kommt, und die, die al­les zu er­zeu­gen ha­ben und da­bei schau­en müs­sen, wie sie sel­ber über die Run­den kom­men. Das wür­de nicht lan­ge gut ge­hen. Es gä­be bald ei­ne Sub­kul­tur, ei­nen Volks­auf­stand und ei­nen Um­sturz.
Al­so was soll der Kö­nig tun? Er braucht ei­ne Lö­sung, die auf Dau­er gut geht. Was tut er? Er macht ei­nen Aus­weis für al­le. Nicht nur für sei­ne Leib­wäch­ter und sei­ne An­ge­stell­ten. Je­der, der sich kür­zer oder län­ger in sei­nem Reich auf­hält - auch der, der nur durch­zieht, kann die­sen Aus­weis ha­ben, der ihm Zu­gang gibt zu al­len Vor­zü­gen des Rei­ches.

Wie müss­te so ein Reichs­aus­weis aus­se­hen, da­mit al­le Men­schen ihn als sol­chen er­ken­nen und ver­wen­den kön­nen? So ein Aus­weis müss­te ...

  1. ... das Bild des Kö­nigs tra­gen, da­zu wo­mög­lich sei­nen Na­men und ty­pi­sche Reichs­sym­bo­le.5
  2. ... klar ma­chen, wie viel an Dienst- oder Ser­vice­lei­stun­gen der Leib­wäch­ter für das Vor­wei­sen des Aus­wei­ses er­hal­ten kann. Der Kö­nig er­setzt Qua­li­tät (die Art der Dienst­lei­stung) durch Quan­ti­tät (ei­ne na­tür­li­che Zahl). Da (Dienst)Lei­stung ein mensch­li­cher Wert ist, hal­ten vie­le es für il­le­gi­tim, sie mit­tels ei­ner Zahl quan­ti­fi­zie­ren zu wol­len. Wie leicht wird die Zahl zu ei­nem er­stre­bens­wer­te­ren Ziel als die Zu­frie­den­heit des Kun­den oder der All­ge­mein­heit. An­de­rer­seits wä­re es nicht hand­zu­ha­ben, für je­de der hun­der­ten oder tau­sen­den Dienst­lei­stun­gen des Rei­ches ei­nen ei­ge­nen Aus­weis an­zu­fer­ti­gen. Ich ha­be schon ei­ne BILLA-Card, ei­ne Ko­pier­kar­te, ei­ne ÖBB-Vor­teils­card und ei­ne Jah­res­kar­te der Wie­ner Li­nien und noch ein paar an­de­re Un­ter­neh­mens­kar­ten. Nur mehr mit Un­ter­neh­mens­kar­ten kau­fen zu kön­nen, wür­de mich ent­we­der be­schrän­ken oder über­for­dern.

Die er­ste Ei­gen­schaft des Aus­wei­ses - das von al­len er­kenn­ba­re Bild des Kö­nigs - kann gra­fisch ge­löst wer­den. Der Kö­nig muss ein ein­heit­li­ches Bild von sich her­stel­len las­sen, auf dem ihn al­le Men­schen in sei­nem Reich er­ken­nen.

Die zwei­te Ei­gen­schaft, ei­ne Quan­ti­tät, kann mit­hil­fe ei­ner Zahl dar­ge­stellt wer­den.

Der Aus­weis braucht aber noch ei­ne drit­te Ei­gen­schaft, näm­lich die, bei­de Ei­gen­schaf­ten in ei­nem ein­zi­gen Ding zu kom­bi­nie­ren. Der Aus­weis muss die Kom­bi­na­tion des Bil­des und der Zahl sein. Bild oh­ne Zahl oder Zahl oh­ne Bild geht nicht.
Bild oh­ne Zahl: Eine un­be­stimm­te, va­ge oder ge­ne­rel­le Le­gi­ti­mie­rung wür­de die Ver­bu­chung der Lei­stung ver­un­mög­li­chen. Wenn ein Aus­weis mit des Kö­nigs Bild, aber oh­ne Zahl ei­nen Dienst­lei­ster zu ei­ner Lei­stung ver­pflich­te­te, könn­te er dem Kö­nig ge­gen­über nur be­le­gen, dass er für ihn et­was ge­tan hat, aber nicht, wie viel er für ihn ge­tan hat. Ein Bau­mei­ster be­kommt ei­nen Aus­weis und baut da­für ei­ne Stra­ße von Wien nach St. Pöl­ten. Er be­kommt ei­nen zwei­ten Aus­weis und pfla­stert da­für den Geh­steig vor dem Rat­haus. Dann hat er zwei Aus­wei­se in sei­ner Kas­sa, ei­nen für viel und ei­nen für we­ni­ger Ar­beit. Hin­ge­gen hät­te ein Eis­ver­käu­fer, der für je­des Eis ei­nen Aus­weis er­hält, je­den Tag hun­der­te Aus­wei­se in sei­ner Kas­sa. So ein Sys­tem wä­re als Lei­stungs­be­leg nicht brauch­bar.
Zahl oh­ne Bild: Eine Zahl oh­ne Bild des Kö­nigs könn­te nicht er­sicht­lich ma­chen, für wen die Dienst­lei­stung er­bracht wird. Ich soll dir ei­nen Ma­se­ra­ti ge­ben und be­kom­me da­für ei­ne Zahl? Das ist mir zu we­nig. Ich weiß nicht, wo­für du den Ma­se­ra­ti brauchst. Wenn du mir Zah­len mit dem Bild des Kö­nigs gibst, dann weiß ich, dass du es dem Kö­nig ge­gen­über zu ver­ant­wor­ten hast, wenn du ei­nen Ma­se­ra­ti fährst. Das Au­to bleibt so­zu­sa­gen "im Reich", da­her kann ich es ver­ant­wor­ten, dir ei­nen Ma­se­ra­ti zu ge­ben. Aber ei­ne Zahl oh­ne Bild des Kö­nigs könn­te mir nicht sa­gen, wem der Ma­se­ra­ti, nach­dem ich ihn dir ver­kauft ha­ben wür­de, die­nen wird.

Der Aus­weis muss al­so bei­de Ei­gen­schaf­ten kom­bi­nie­ren, das Bild und die Zahl. Wel­ches Kon­zept kann das lei­sten? Eine Gra­fik mit ei­ner Zahl ... Das Kon­zept muss um­fas­sen: das For­mat (die Pro­por­tio­nen), das Ma­te­rial und die An­brin­gung auf dem Ma­te­rial. So­weit ich se­he, hat man sich hi­sto­risch auf Fol­gen­des ge­ei­nigt:

  1. Das For­mat soll klein ge­nug sein, um in die Ho­sen­ta­sche pas­sen, und groß ge­nug für die Fin­ger, es zu grei­fen, und für die Au­gen, die Gra­fi­ken da­rauf zu er­ken­nen.
  2. Das Ma­te­rial soll sta­bil sein, soll sich aber doch von Zeit zu Zeit ab­nüt­zen, da­mit der Kö­nig ei­nen Grund er­hält, die Aus­wei­se von Zeit zu Zeit zu er­neu­ern. Am be­sten eig­nen sich da­zu be­stimm­te Me­tal­le. Aus Grün­den, die hier zu weit führ­ten, ver­wen­det man auch fe­stes Pa­pier da­zu.
  3. Die An­brin­gung der Gra­fi­ken auf dem Ma­te­rial ge­schieht durch Ein­stan­zen von Re­lie­fen auf glat­te Me­tall­plätt­chen oder durch Auf­druck von Far­be auf Pa­pier­schei­ne.

Die­ses Aus­weis­kon­zept wur­de jahr­tau­sen­de­lang re­a­li­siert. Die Ei­gen­schaf­ten des so ent­ste­hen­den Aus­wei­ses kann man, wenn man sie mit ei­nem ein­zi­gen Wort zu­sam­men­fas­sen will, "kör­per­ge­recht" nen­nen. Der Aus­weis ist kör­per­ge­recht ge­stal­tet. Ich muss aber gleich da­zu sa­gen: "Kör­per­ge­recht" in wel­chem Sinn? Kör­per­ge­recht in dem Sinn, dass sich die An­sprü­che des Kör­pers des Kö­nigs in sei­ner nä­he­ren und wei­te­ren Um­ge­bung durch­set­zen las­sen. Der Aus­weis ist in Wirk­lich­keit der ver­län­ger­te Kör­per des Kö­nigs. Ob der Aus­weis auch dem Kör­per de­rer, die ihn ver­wen­den, nützt, ist nicht das The­ma.

Ich glau­be, es ist schon klar ge­wor­den, von wel­chem Aus­weis ich spre­che. In dem Au­gen­blick, da die­ser Aus­weis per Ge­setz Gül­tig­keit er­hält, spre­chen wir von Geld.
Geld hat­te manch­mal auch ei­ne Ei­gen­schaft, die es über­haupt nicht brauch­te, näm­lich ma­te­riel­len Wert. Man­che Mün­zen ver­fer­tig­te man aus Gold oder Sil­ber. Die­ses Ma­te­rial mag das Ver­trau­en des Ser­vice­lei­sters in das Geld ge­stärkt ha­ben, denn Sil­ber und Gold stel­len auch dann, wenn Kö­nig oder Reich den Bach hi­nun­ter ge­gan­gen sind und da­mit das Geld sei­ne Aus­weis­funk­tion ver­lo­ren hat, ei­nen ge­wis­sen Wert dar. Aber für die Aus­weis­funk­tion als sol­che braucht das Ma­te­rial, auf dem Gra­fik und Zahl an­ge­bracht sind, kei­nen Wert zu ha­ben.

Ich bin noch im­mer beim Kör­per. Der Kör­per des Kö­nigs, sei­ner Leib­wäch­ter und sei­ner An­ge­stell­ten soll ge­schützt wer­den. Da­rüber­hi­naus soll er das für ihn Be­ste er­hal­ten, da­mit er sei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Funk­tion mög­lichst gut und lan­ge er­fül­len kann. Er kann vie­le Qua­li­tä­ten sei­nes Rei­ches gut ge­brau­chen: Kö­che, Ärz­te, Hei­ler, Be­ra­ter, Prie­ster, Un­ter­hal­ter, Er­fin­der, Me­cha­ni­ker, In­ge­nieu­re, Pä­da­go­gen, Volks­er­zie­her, Künst­ler, sol­che, die das Volk bei Lau­ne hal­ten, sol­che, die das Volk in­for­mie­ren, was gleich­be­deu­tend ist mit sol­chen, die das Volk des­in­for­mie­ren (kein Schmäh!) usw. usf. Auch Res­sour­cen wie gu­te Luft, gu­tes Was­ser und Bo­den­schät­ze. Der Kör­per des Kö­nigs ist al­so mehr als nur sein Kör­per. Er ist ei­ne gan­ze Kör­per­schaft, zu der al­le ge­hö­ren, die an ih­rem Auf­bau mit­ar­bei­ten. Es ist al­so nur sinn­voll, wenn al­le, die Teil die­ser Kör­per­schaft sind, mit ei­nem Aus­weis be­rech­tigt wer­den, zu nut­zen, was das Reich ih­nen bie­ten kann. Dann kön­nen al­le ei­nan­der die­nen und ih­re Dienst­lei­stung ver­bu­chen.
 

b) Der Geld-Sog

Den Aus­weis er­hal­ten al­so al­le. Al­le. Wirk­lich al­le? Nein. In Wirk­lich­keit er­hal­ten ihn nur we­ni­ge. In Wirk­lich­keit er­hal­ten ihn nicht mehr als die ein­gangs Ge­nann­ten, al­so die Leib­wäch­ter und An­ge­stell­ten des Kö­nigs so­wie an­de­re von ihm mit spe­ziel­len Auf­ga­ben be­trau­te Per­so­nen.

Viel­leicht wi­der­sprichst Du mir jetzt. Es ha­ben doch al­le Geld, sagst Du, wenn sie ei­nes ver­die­nen. Und ich ant­wor­te, dass ich das nicht be­strit­ten ha­be. Ich sa­ge nicht, dass nur we­ni­ge Men­schen Geld ha­ben, son­dern ich sage, dass nur we­ni­ge Men­schen vom Kö­nig Geld er­hal­ten. Sie ha­ben die­ses Geld nicht ver­dient, sie be­kom­men es ein­fach. Sie ha­ben Geld vom Kö­nig, oh­ne es ver­dient zu ha­ben, und die an­de­ren ha­be Geld, weil es ih­nen von de­nen, die es vom Kö­nig ha­ben, wei­ter­ge­reicht wur­de - zum Bei­spiel, weil sie es ver­dien­ten.

Der Kö­nig - wir kön­nen ihn auch Re­gie­rung nen­nen - gibt Geld nur un­ter Auf­la­gen. Er gibt sei­nen Leib­wäch­tern Geld un­ter der Auf­la­ge, dass sie ihn be­schüt­zen. Er gibt sei­nen An­ge­stell­ten Geld un­ter der Auf­la­ge, dass sie be­stimm­te Auf­ga­ben er­fül­len. Men­schen, die nichts für ihn tun - und das sind die mei­sten -, be­kom­men von ihm auch kein Geld.

Da­mit ha­ben wir, was die Geld­ver­ga­be be­trifft, tat­säch­lich ei­ne Ge­sell­schaft, die ge­teilt ist zwi­schen den­je­ni­gen, die vom Kö­nig di­rekt Geld er­hal­ten, und den­je­ni­gen, de­nen er kei­nes gibt. Geld­emp­fän­gern ste­hen Nicht­emp­fän­ger ge­gen­über. Die­se Tei­lung ist un­ver­meid­lich. Gibt der Kö­nig ei­ner Per­son oder ei­ner Grup­pe Geld, er­zeugt er da­mit au­to­ma­tisch ei­ne Dif­fe­renz zum Geld­be­sitz der üb­ri­gen Reichs­be­woh­ner. Be­zeich­nen wir den Geld­be­sitz der Emp­fän­ger mit +1, dann be­deu­tet dies au­to­ma­tisch ei­ne Dif­fe­renz zum Geld­be­sitz der Nicht-Emp­fän­ger in der Hö­he von -1. Die­se Dif­fe­renz ent­steht au­to­ma­tisch. Ge­be ich mei­nem Sohn ei­nen Ap­fel, mei­ner Toch­ter aber nicht, dann hat mein Sohn +1 Ap­fel und mei­ne Toch­ter im Ver­hält­nis zum Ap­fel­be­sitz mei­nes Soh­nes ei­nen Ap­fel we­ni­ger, al­so -1 Ap­fel. Im ab­so­lu­ten Sinn hat sie null Äp­fel, aber im Ver­hält­nis zum Ap­fel­be­sitz mei­nes Soh­nes hat sie -1 Apfel.
Zählt man +1 und -1 zu­sam­men, erhält man null. Der Kö­nig kann al­so sa­gen, dass der Geld­be­sitz in sei­nem Land aus­ge­gli­chen ist. Er be­trägt ins­ge­samt null. Die­se Art von Ver­mö­gens­be­trach­tung ken­nen wir aus der zwei­mal jähr­lich er­stell­ten Bi­lanz von Un­ter­neh­men. Sind die Ver­mö­gens­wer­te ei­nes Un­ter­neh­mens - die Ak­ti­va und die Pas­si­va, das Ei­gen­ka­pi­tal und das Fremd­ka­pi­tal - aus­ge­gli­chen, dann be­trägt die Bi­lanz null. Et­was Bes­se­res kann dem Kö­nig nicht pas­sie­ren. Egal, wie viel Geld er der Emp­fän­ger-Grup­pe gibt, die Bi­lanz sei­nes Rei­ches ist im­mer aus­ge­gli­chen.
Es war Her­bert Gil­ler, der Phi­lo­soph, der mir die­sen ma­the­ma­ti­schen Hin­weis über die Er­fin­dung des Gel­des lie­fer­te. Er be­zeich­ne­te die Geld­er­zeu­gung als "Schöp­fung aus dem Nichts". An­de­re - wie Franz Hör­mann, der Er­fin­der des In­for­ma­tions­gel­des, oder Ru­dolf Dangl (So­cial Entre­pre­neur) - ha­ben Geld aus ähn­li­cher Per­spek­ti­ve als "Null­sum­me­nspiel" be­zeich­net.

Was ist die so­zia­le Fol­ge die­ser se­lek­ti­ven Geld­ver­ga­be? Der Emp­fän­ger­kreis hat Zu­gang zu den Res­sour­cen des Rei­ches, die an­de­ren Men­schen nicht. Da­raus folgt mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit, dass die an­de­ren Men­schen neid­voll auf die Geld­emp­fän­ger bli­cken und eben­falls Zu­gang zu den Res­sour­cen des Rei­ches ha­ben möch­ten: "Gebt uns et­was von eu­rem Geld!" Und die Geld­emp­fän­ger ant­wor­ten: "Kein Pro­blem. Wir ge­ben euch un­ser Geld ger­ne. Wenn ihr uns helft, die Auf­la­gen zu er­fül­len, un­ter de­nen der Kö­nig uns das Geld ge­ge­ben hat, ge­ben wir euch et­was da­von." Dem ei­nen Emp­fän­ger hat der Kö­nig Geld ge­ge­ben, da­mit er ei­nen Stau­see baut, und die­ser teilt al­len Men­schen, die ihm da­bei hel­fen, et­was von die­sem Geld zu. Ei­nem an­de­ren Emp­fän­ger hat der Kö­nig Geld ge­ge­ben für die Grün­dung ei­ner Uni­ver­si­tät. Der kann das auch nicht al­lei­ne ma­chen, al­so teilt er dem Ar­chi­tek­ten, dem Bau­mei­ster, den Ar­bei­tern und spä­ter dem Lehr­per­so­nal und der Ver­wal­tung et­was von sei­nem Geld zu. Auf die­se Wei­se er­hält ei­ne viel grö­ße­re An­zahl von Men­schen Geld als die, de­nen der Kö­nig Geld ge­ge­ben hat. Sie er­hal­ten zwar nur klei­ne Teil­be­trä­ge des Gel­des, das der Geld­ge­ber vom Kö­nig er­hal­ten hat, aber es reicht im­mer­hin für Woh­nen und Es­sen, al­so zur Exi­stenz­si­che­rung, wenn nicht so­gar zu ein we­nig mehr. Auf die­se Wei­se wird das Geld, das der Kö­nig ein­zel­nen Ver­ant­wor­tungs­trä­gern ge­ge­ben hat, vie­len Men­schen wei­ter­ge­reicht und es ha­ben dann tat­säch­lich vie­le oder al­le Men­schen Geld.

Die se­lek­ti­ve Geld­ver­ga­be er­zeugt so­mit ei­nen Sog. Gro­ße Tei­le der Ge­sell­schaft wer­den zu den Geld­töp­fen der kö­nig­li­chen Geld­emp­fän­ger hin­ge­zo­gen. Al­le wol­len an ihr Geld kom­men. Das Geld, das der Kö­nig den We­ni­gen ge­ge­ben hat, saugt die Vie­len zu sich. Um an Geld zu kom­men, ar­bei­ten die Men­schen, las­sen sich an­stel­len, ma­chen Jobs. Aber auch Un­ter­neh­mer, Chefs, stre­ben nach Geld und müs­sen ih­re Buch­hal­tung pein­lich ge­nau füh­ren, um die zweck­dien­li­che Ver­wen­dung ih­res Gel­des un­ter Be­weis zu stel­len.

Da­mit möch­te ich's gut sein las­sen mit dem Geld, das der Kö­nig gibt, das sei­nen Kör­per schüt­zen soll und auch sei­nen er­wei­ter­ten Kör­per, die Kör­per­schaft, die wir als "Ge­sell­schaft" be­zeich­nen.
 

2. Die Wet­te

Das Geld­ge­setz, das die Reichs­wäh­rung des Kö­nigs be­schließt, ist ei­ne Wet­te auf den wirt­schaft­li­chen Er­folg be­zie­hungs­wei­se Miss­er­folg des Kö­nigs. Die Wett­part­ner sind glo­ba­le Player im Hin­ter­grund, so­ge­nann­te Strip­pen­zie­her (ei­nes ei­ge­nen Vor­trags wert und da­her von mir hier nicht nä­her er­ör­tert). Geld als sol­ches stellt al­so be­reits ei­ne Wet­te dar, die er­ste Wet­te.

Wenn der Kö­nig ei­ner Ver­trau­ens­per­son Geld für ein be­stimm­tes Pro­jekt gibt, ent­steht eben­falls ei­ne Wet­te auf das Ge­lin­gen des Pro­jek­tes. Das ist dann ei­ne wei­te­re Wet­te, die aus der er­sten Wet­te ent­steht.

Ver­su­chen wir kurz klar zu krie­gen, was ei­ne Wet­te ist. Ich weiß nicht, wie man zu Men­schen sagt, die ei­ne Wet­te ein­ge­hen. Wett­part­ner? Wett­ak­teu­re? Viel­leicht weißt Du es bes­ser. Je­den­falls span­nen die­se Men­schen ih­ren Geist, ih­ren Elan, ih­re Eh­re, ih­re Res­sour­cen ... auf ei­ne be­stimm­te Sa­che hin. Sie fie­bern mit ih­rem Ge­lin­gen oder Miss­lin­gen mit. Sie mo­bi­li­sie­ren be­trächt­li­che gei­sti­ge und phy­si­sche Ener­gie. Sie för­dern In­no­va­tion, Er­fin­der­geist, Kre­a­ti­vi­tät, Öf­fent­lich­keits­ar­beit und vie­les an­de­re mehr - und vor al­lem an­de­ren lie­fern sie mo­ra­li­sche Un­ter­stüt­zung.

Ei­ne der wich­tig­sten Wet­ten ist die über das Ge­win­nen und Ver­lie­ren von Krie­gen. Gibt der Kö­nig ei­nem Ge­ne­ral Geld für das Auf­stel­len ei­ner Ar­mee, um ei­nen dro­hen­den Feind zu be­sie­gen, dann mo­bi­li­siert dies den Ge­ne­ral to­tal und er möch­te al­les da­für tun, um "sein Geld wert" zu sein. Ihn mo­ti­viert na­tür­lich nicht das Geld, son­dern Kö­nig und Reich, aber er braucht das Geld, um Mann­schaft und Ge­rät zu be­zah­len. Die Wet­te be­zieht sich da­rauf, wer schnel­ler und stär­ker ist: die ei­ge­ne Ar­mee oder die des Fein­des? Es ist ei­ne Wet­te auf Le­ben und Tod.

Ei­ne er­folg­rei­che Wirt­schaft ist eben­falls das Er­geb­nis von Wet­ten. Viele Men­schen wer­den auf wirt­schaft­li­che Zie­le hin­ge­spannt. Die Zie­le wer­den mehr oder wenig er­reicht, und ab­hän­gig da­von ge­hen die da­rauf ab­ge­schlos­se­nen Wet­ten auf oder nicht.

Na­tür­lich hängt viel da­von ab, ob die Per­sön­lich­keit des Kö­nigs und sei­ner Ver­trau­ens­leu­te den Glau­ben der üb­ri­gen Men­schen er­we­cken kann.

Wir könn­ten jetzt je­den der an­ge­schnit­te­nen Punk­te noch wei­ter aus­füh­ren, müs­sen aber nicht. Es ist si­cher klar ge­wor­den, dass es beim The­ma Geld um mehr geht als bloß um Zah­len auf dem Bank­kon­to und dass Geld, so­lan­ge es Kö­ni­ge - oder Re­gie­run­gen und Staa­ten - gibt, kaum ab­ge­schafft wer­den wird.

 
 
C) WELT OH­NE GELD?

Ich bin über­zeugt da­von, dass man oh­ne Geld le­ben kann. Und zwar gut. Ich ha­be vor Jah­ren je­man­den ken­nen­ge­lernt, der Geld aus sei­nem Le­ben ge­stri­chen hat, ein di­ckes Buch über sei­ne Er­fah­run­gen ge­schrie­ben hat und wun­der­bar lebt. Die Be­deu­tung sei­nes Schrit­tes ver­stand ich da­mals al­ler­dings noch nicht.

Ein be­kann­ter Pro­ta­go­nist ei­ner Welt oh­ne Geld ist der stu­dier­te Phar­ma­zeut, Sän­ger, TV-Pro­du­zent und Hob­by-Ar­chä­o­lo­ge Mi­cha­el Tel­lin­ger, der bei den letz­ten süd­af­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len kan­di­diert hat. Er möch­te die Ge­sell­schaft mit­hil­fe de­mo­kra­ti­scher Dorf­struk­tu­ren re­for­mie­ren. Dör­fer sol­len von ei­nem Äl­te­sten­rat von ma­xi­mal zwölf Ver­ant­wor­tungs­trä­gern mit­tels pe­rio­di­scher Dorf­ver­samm­lun­gen ge­lei­tet wer­den. Das Le­ben im Dorf, Pro­duk­tion und Ver­tei­lung der le­bens­not­wen­digen Gü­ter, die Ar­beits­ein­tei­lung be­nö­tigt kein Geld. Über­schüs­si­ge Wa­re wird ver­kauft. Ei­ni­ge Bür­ger­mei­ster hat er schon für sei­ne Idee ge­won­nen. Tel­lin­ger zog den tra­di­tions­rei­chen af­ri­ka­ni­schen Be­griff Ubun­tu ("Ich bin, weil wir sind") he­ran und pro­mo­tet ihn welt­weit. In Öster­reich konn­te er be­reits Ide­a­li­sten da­zu be­we­gen, oh­ne Geld ei­ni­ges zu or­ga­ni­sie­ren. In Salz­burg zum Bei­spiel gibt es be­reits ei­nen Ubun­tu-Su­per­markt, in dem man oh­ne Geld ein­kau­fen kann. Man "spürt", dass man in die­sem Su­per­markt nur das Nö­ti­ge er­wer­ben soll, man kann fast nicht be­trü­gen.

Zur Kunst des Re­gie­rens ge­hört mei­nes Er­ach­tens auch, sol­che und an­de­re al­ter­na­ti­ve Le­bens­for­men ne­ben­ei­nan­der ste­hen zu las­sen und nicht al­les uni­for­mie­ren zu wol­len. Trans­zen­den­te Wer­te wie Frei­heit, Wür­de, Lie­be und der­glei­chen sind dem Men­schen im­mer schon ei­gen. Par­la­ments­be­schlüs­se oder Geld kön­nen sie nicht er­zeu­gen - höch­stens nicht be­hin­dern.

 
 
D) ZU­SAM­MEN­FAS­SUNG

Geld ist der Aus­weis oder die Le­gi­ti­ma­tion der Ge­währs­leu­te des Kö­nigs6, Zu­gang zu den Vor­zü­gen des Rei­ches zu er­hal­ten.

Als Bei­spiel für Ge­währs­leu­te des Kö­nigs ha­be ich Leib­wäch­ter und An­ge­stell­te ge­nannt. Aber na­tür­lich för­dert je­der reichs- und herr­schafts­be­wuss­te Ge­wer­be­trei­ben­de, Ar­bei­ter, Un­ter­neh­mer, Be­am­te, Künst­ler oder wer auch im­mer die Kör­per­schaft des Kö­nigs und sein Reich und ver­wen­det Geld so­mit sei­nem Zweck ge­mäß.

Geld er­hal­ten we­ni­ge Ver­trau­ens­leu­te des Kö­nigs im Vo­raus für von ih­nen zu er­fül­len­de Auf­ga­ben. Es ist zweck­ge­bun­de­nes Geld. Al­le an­de­ren Men­schen er­hal­ten - "ver­die­nen" - es, in­dem sie den Ver­trau­ens­leu­ten des Kö­nigs hel­fen, ih­re Auf­ga­ben zu er­fül­len - durch Jobs, An­stel­lun­gen, Un­ter­neh­men, Dienst­lei­stun­gen, gu­te Ideen etc.

Geld­ge­setz und Geld­ver­ga­be sind Wet­ten. Sie fo­kus­sie­ren die gei­sti­gen Ener­gien der Be­tei­lig­ten hin auf das Ge­lin­gen des de­kla­rier­ten Zie­les. Das kann span­nend und stress­reich sein, und das Ziel kann mehr oder we­ni­ger gut oder auch gar nicht er­reicht wer­den, die Wet­ten kön­nen ge­won­nen oder ver­lo­ren wer­den.

 
 
E) SCHLUSS­WORT

Ich hof­fe, dass ich Dir in die­sem Vor­trag sa­gen konn­te, was das Ding "Geld" sei­nem We­sen nach ist. Das war mein Ziel. Mehr woll­te ich nicht. Da­her ist es nur recht und bil­lig, dass vie­le Geld be­tref­fende Fra­gen of­fen blie­ben - Fra­gen wie: Wer ist der "Kö­nig"? Wie wirkt sich die Kör­per­betont­heit der Geld­wirt­schaft auf un­se­re Geist­na­tur aus? Gibt es ei­ne geld­lo­se Lö­sung für die Si­cher­heit des Kö­nigs und sei­nes Rei­ches? Brau­chen wir über­haupt ei­nen Kö­nig? Ich he­be die­se Fra­gen für ei­nen wei­te­ren Vor­trag auf.

 
 
F) AP­PEN­DIX: Ein­la­dung zum Vor­trag: WAS IST (DAS) GELD? (SYS­TEM­LEH­RE II)

Pan Tau
Pan Tau                                 

Hin­ter­grund

Pan Tau ken­nen wir seit Kin­der­ta­gen aus der tsche­chi­schen Fern­seh­se­rie. Wenn er mit Frack, Schirm und Me­lo­ne in sei­ner Lo­ko­mo­ti­ve aus dem Welt­raum zu Kin­dern auf Er­den reis­te, war er däum­lings­groß, konn­te sich aber durch Dre­hen an sei­ner Me­lo­ne Men­schen­ge­stalt ge­ben.
Man er­leb­te viel Spaß mit ihm, sei­ner Fan­ta­sie und sei­nen Fä­hig­kei­ten. Was Geld ist und wo­zu man es braucht, wuss­te er al­lerdings nicht. Al­le Ver­su­che der Kin­der, es ihm zu er­klä­ren, schlu­gen fehl, und Pan Tau än­der­te sei­ne Mei­nung, dass al­les mit Geld Mach­ba­re ge­nau­so gut auch oh­ne es mach­bar ist, nicht. So­mit frag­te ich mich als Kind, wer mir dann sa­gen kön­nen wird, was Geld ist - wenn nicht ein­mal der all­mäch­ti­ge Pan Tau es weiß! Meine Fra­ge hat sich erst vor kur­zem be­ant­wor­tet.

Er­wach­se­ne spre­chen über Geld so wie die Kin­der im Film. Sie sa­gen, was man mit Geld al­les tun kann, aber nie, was Geld ist. Und das wun­dert mich wirk­lich, weil ich es für un­mög­lich hal­te, dass man als Mensch nicht wis­sen kann, was Geld ist.
Dass die mei­sten Men­schen sich nicht für Geld in­te­res­sie­ren, son­dern nur da­für, dass sie ge­nug da­von ha­ben, ist, glau­be ich, je­dem klar und hier auch nicht das The­ma.
Das The­ma ist, dass grund­sätz­lich wiss­bar ist, was Geld ist. Wie vie­le Men­schen es tat­säch­lich wis­sen, tut nichts zur Sa­che. Ein paar müs­sen es schon sein, weil sonst das Geld, das wir ver­wen­den, nicht er­zeugt wer­den könn­te. Wir kön­nen aus der Tat­sa­che, dass Geld er­zeugt wird, schlie­ßen, dass je­mand wis­sen muss, was Geld ist.
Ge­wun­dert ha­be ich mich nur da­rüber, dass das nir­gends steht. Ich ha­be nichts Schrift­li­ches zu dem The­ma ge­fun­den. Selbst der deut­sche Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Ge­org Sim­mel, der mit sei­nem Buch "Phi­lo­so­phie des Gel­des" (1900) re­üs­sier­te, sagt nicht, was Geld ist, son­dern be­schreibt nur es um­ge­ben­de Phä­no­me­ne und Wir­kun­gen. Das ist merk­wür­dig.

Zur Ver­deut­li­chung von "Wiss­bar­keit" ein Ver­gleich mit der Luft:
Ich brau­che ge­nü­gend gu­te Luft, um at­men zu kön­nen, muss da­für aber nicht wis­sen, was Luft ist. Die mei­sten Men­schen ver­fah­ren mit Geld ge­nau­so. Sie ver­wen­den es, um zu be­zah­len, ein­zu­kau­fen und zu in­ve­stie­ren, aber wo­mit sie da be­zah­len, brau­chen sie nicht zu wis­sen und in­te­res­siert sie nicht.
Ge­gen ei­ne sol­che Hal­tung wä­re nichts ein­zu­wen­den, wenn es sich bei Geld wie bei Luft um ein Na­tur­phä­no­men han­del­te. Das ist aber nicht der Fall. Geld muss, an­ders als Luft, von Men­schen er­zeugt wer­den - an­dern­falls exi­stier­te es nicht. Es ist un­mög­lich, dass der­je­ni­ge, der Geld er­zeugt oder er­zeu­gen lässt, nicht weiß, was Geld ist. An­ders geht es nicht. Je­mand muss es wis­sen.

Zwei Vor­be­mer­kun­gen in Rich­tung Ant­wort:

  1. Geld ist ei­ne he­te­ro­ge­ne Grö­ße. Es ist ein Er­zeug­nis, das sei­nen Ur­sprung nicht in sich selbst hat. Man er­fährt durch das Stu­die­ren von Geld nicht, was Geld ist. Man muss wo­an­ders hin­schau­en.
  2. Den ent­schei­den­den Hin­weis da­für, was das Geld ist, ha­be ich - wie beim Staat - von au­ßen er­hal­ten. Beim Staat war es der US-ame­ri­ka­ni­sche Rechts­an­walt und Rich­ter Da­vid Wynn Mil­ler, beim Geld war es der öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph und Buch­au­tor Her­bert Gil­ler.

Hier ein paar tra­di­tio­nel­le Ant­wort-Ver­su­che: "Geld ist ..."

hl. Ba­si­lius der Gro­ße (330-397):

"... der Kot Sa­tans."7

hl. The­re­sia von Avi­la (1515-1582):

"... der Kot des Teu­fels, aber als Dün­ger wun­der­bar."

mein Schwa­ger (Gärt­ner):

"... der Teu­fel."

mein Bru­der (Kunst­händ­ler):

"... nichts."

seine Frau (Ma­le­rin und So­cial Entre­pre­neur):

"... Ener­gie!"

ein Be­kann­ter (ehem. Kir­chen­lei­ter):

"... flie­ßen­de Ener­gie, wie Blut in ei­nem Kör­per."

ein Be­kann­ter (So­cial Entre­pre­neur):

"... Angst."

Franz Hör­mann (em. Univ.Prof. für Rech­nungs­we­sen, Er­fin­der des In­for­ma­tions­gel­des):

"... ein Ge­sell­schafts­ver­trag."

Jo­han­nes E. Kreissl (Free­man):

"... ein Sym­bol für die Be­zie­hun­gen, die wir nicht ha­ben ... die uns feh­len."

Wis­sen wir jetzt, was Geld ist? Nein.
Müs­sen al­le es wis­sen? Nein.
Muss je­mand es wis­sen? Ja, je­mand muss es wis­sen.

Ich werde miss­trau­isch, wenn je­mand et­was mit Feuer­ei­fer ver­teu­felt. Rich­tig wä­re es, ei­ne Sa­che be­kannt zu ma­chen, nicht sie schlecht zu re­den. So­bald ich weiß, was ei­ne Glet­scher­spal­te ist, braucht mir nie­mand zu er­klä­ren, wie bö­se und ge­fähr­lich sol­che Spal­ten sind. Ich weiß dann schon selbst, dass ich dort nicht hi­nein­fal­len will.

So­bald das ver­stan­den ist, spä­te­stens dann, wird die ver­teu­fel­te Sa­che - in un­se­rem Fall Geld - in­te­res­sant. Ich fühl­te mich mo­ra­lisch ver­pflich­tet da­zu, dem Geld auf den Grund zu ge­hen. Ich bin jetzt so­weit, dass ich sa­gen kann, was Geld ist. Al­so tue ich es.
 
 
 

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F U S S N O T E N

1 Der Ge­setz­ge­ber spricht bin­de­strich­los von "Euro­ge­setz" (Bun­des­gesetz­blatt [BGBl.] I/2000 Nr. 72 vom 1. Au­gust 2000) und "Schil­ling­gesetz" (Staats­gesetz­blatt [StGBl.] Nr. 231 vom 30. No­vem­ber 1945).
Euro-Gesetz: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/2000_72_1/2000_72_1.pdf
Schil­ling-Gesetz: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1945_231_0/1945_231_0.pdf

2 Siehe un­ten Sei­te 12 den Ap­pen­dix un­ter Punkt F).

3 γνωτι σεαυτον (gnoti seauton) heißt "Er­ken­ne dich selbst".

4 Da­für ein Bei­spiel aus dem kal­ten Krieg: Nach dem Tod von Ti­to (1892-1980; geb. Jo­sip Broz; ab 1945 Staats­füh­rer von Ju­gos­la­wien), fand man ei­nen Brief an Sta­lin (1878-1953; geb. Io­sif Vis­sa­rio­no­vic Džu­gaš­vi­li) mit fol­gen­den Wor­ten:
"Hö­ren Sie auf, Men­schen zu schi­cken, die mich um­brin­gen sol­len. Wenn Sie nicht auf­hö­ren, mir Kil­ler zu schi­cken, werde ich ei­nen nach Mos­kau schi­cken und ich wer­de si­cher­lich kei­nen zwei­ten schi­cken müs­sen."
Ei­ne kur­ze In­ter­net-Re­cher­che er­gab, dass Sta­lin tat­säch­lich mehr­mals Kil­ler auf Ti­to an­ge­setzt hat.

5 Das Neue Te­sta­ment lässt Je­sus fra­gen: "Wes­sen Bild und Auf­schrift ist das?", als man ihm ei­ne rö­mi­sche Reichs­mün­ze zeigt (vgl. Mat­thäus 22:20, Mar­kus 12:16, Lu­kas 20:24). Hier die gan­ze Stel­le bei Lu­kas 20:19-26:
"Die Schrift­gelehr­ten und die Ho­hen­prie­ster hät­ten ihn gern noch in der­sel­ben Stun­de fest­ge­nom­men; aber sie fürch­te­ten das Volk. Denn sie hat­ten ge­merkt, dass er sie mit die­sem Gleich­nis mein­te. Da­her lau­er­ten sie ihm auf und schick­ten Spit­zel, die sich fromm stel­len und ihn bei ei­ner (un­über­leg­ten) Ant­wort er­tap­pen soll­ten. Denn sie woll­ten ihn der Ge­richts­bar­keit des Statt­hal­ters über­ge­ben. Die Spit­zel frag­ten ihn: 'Mei­ster, wir wis­sen, dass du auf­rich­tig re­dest und lehrst und nicht auf die Per­son siehst, son­dern wirk­lich den Weg Got­tes lehrst. Ist es uns er­laubt, dem Kai­ser Steu­er zu zah­len oder nicht?' Er aber durch­schau­te ih­re Hin­ter­list und sag­te zu ih­nen: 'Zeigt mir ei­nen De­nar! Wes­sen Bild und Auf­schrift sind da­rauf?' Sie ant­wor­te­ten: 'Die des Kai­sers.' Da sag­te er zu ih­nen: 'Dann gebt dem Kai­ser, was dem Kai­ser ge­hört, und Gott, was Gott ge­hört!' So ge­lang es ih­nen nicht, ihn öf­fent­lich bei ei­nem (un­über­leg­ten) Wort zu er­tap­pen. Sie wa­ren von sei­ner Ant­wort sehr über­rascht und schwie­gen."

6 Um beim Neuen Te­sta­ment zu blei­ben: Aus der Tat­sa­che, dass Je­sus auf die Fra­ge hin "Ist es uns er­laubt, dem Kai­ser Steu­ern zu zah­len oder nicht?" (sie­he vo­ri­ge Fuß­no­te) ei­ne Mün­ze zu se­hen ver­langt, kann man schlie­ßen, dass Je­sus sel­ber kein Geld mit sich trägt und kein Ge­währs­mann des Kö­nigs zu sein scheint.

7 laut ei­ner Pre­digt von Papst Fran­zis­kus im März 2013: http://bei-gott-ist-alles-moeglich.blogspot.co.at/2013/09/franziskus-hammer-geld-ist-der-kot-des.html