INHALT
1. Die Gerichtsurteile
   a) Frau Dr.iur. Susanne Winter
   b) Frau Elisabeth Sabaditsch-Wolff, MA
2. Kommentar
   a) Aischa bint Abu Bakr
   b) Vorwurf, der Islam würde Sex mit
      Kindern und die Verheiratung von
      Mädchen im Kindesalter fördern, weil
      er alle Männer dem Vorbild
      Mohammeds nachstreben lässt
   c) "Christliche" und "feministische"
      Perspektive
   d) Methoden der Anliegenvertretung

 
Die Is­lam-Ur­tei­le un­se­rer Ge­rich­te fas­zi­nie­ren zur­zeit die gan­ze Welt. Man trium­phiert, ist em­pört oder run­zelt ver­ständ­nis­los die Stirn. So weit, so ... gut oder schlecht.
Fa­tal da­ran ist das schie­fe Licht, in das die oft ten­den­zi­ö­se Be­rich­ter­stat­tung je nach Blick­win­kel die öster­rei­chi­sche Ju­stiz, den Is­lam oder die An­ge­klag­ten rückt. Statt uns die­se Recht­spre­chung mit ge­nü­gend Sach­kom­pe­tenz zu er­klä­ren, gießt die me­dia­le Dis­kus­sion oft noch Öl ins Feu­er.

Da­mit das nicht so bleibt, mach­te ich mich schlau und schrieb die­sen Ar­ti­kel.

Hier zu­nächst die Ge­schich­te der Ver­ur­tei­lun­gen von Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff M.A. in ge­bo­te­ner Kür­ze:
 

1. DIE GE­RICHTS­UR­TEI­LE

  a) Frau Dr.iur. Su­san­ne Win­ter, ...

Dr. Susanne Winter

... FPÖ-Po­li­ti­ke­rin, da­mals Ab­ge­ord­ne­te im Na­tio­nal­rat, wur­de am 22.1.2009 zur Zah­lung von € 24.000 un­be­dingt und drei Mo­na­ten Ge­fäng­nis be­dingt ver­ur­teilt, weil sie in ei­ner Wahl­kampf­re­de De­tails aus der Bio­gra­fie des Pro­phe­ten mit den Wor­ten kom­men­tiert hat­te:

"Er als 50-Jäh­ri­ger hat ei­ne Sechs­jäh­ri­ge, ein sechs­jäh­ri­ges Mäd­chen ge­hei­ra­tet. Im heu­ti­gen Sys­tem ist die­ser Mo­ham­med ein Kin­der­schän­der."

Den Ver­such der Ver­tei­di­gung, den Wahr­heits­be­weis durch Er­läu­tern der is­la­mi­schen Tra­di­tion an­zu­tre­ten, wies Rich­ter Chri­stoph Lich­ten­berg mit dem Ar­gu­ment zu­rück, dass es hier nicht um "re­li­gions­wis­sen­schaft­li­che und hi­sto­ri­sche Aus­ei­nan­der­set­zung ge­he". Was zäh­le, ist ein­zig, dass Dr. Win­ter "Hass schüren" wol­le, und "das ist ein nie­dri­ges Mo­tiv". Es war "mit die­sem Ur­teil ei­ne ge­ne­ral­prä­ven­ti­ve Gren­ze zu zie­hen", da­mit klar wird, was man in ei­nem Wahl­kampf dür­fe und was nicht. Frau Dr. Win­ter be­kann­te sich "nicht schul­dig" und be­rief.

Im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ließ das Ober­lan­des­ge­richt zwei der vier "straf­ge­ben­den Fak­ten" fal­len, da­run­ter auch Frau Dr. Win­ters "Kin­der­schän­der"-Aus­sa­ge, weil Frau Dr. Win­ter mitt­ler­wei­le in ei­ner Post­wurf­sen­dung "ih­re Vor­wür­fe aus­rei­chend ar­gu­men­tiert und da­her die re­li­giö­se Eh­re nicht ver­letzt" hät­te. Das Straf­aus­maß blieb aber auf­grund der Schwe­re der an­de­ren zwei straf­wür­di­gen Punk­te un­ver­rin­gert. Frau Dr. Win­ter be­kann­te sich wie­der "nicht schul­dig".
 

b) Frau Eli­sa­beth Sa­ba­ditsch-Wolff M.A. ...

Elisabeth Sabaditsch-Wolf M.A.

... hielt am 15.10.2009 und 12.11.2009 und zu­letzt am 27.10.2010 und 17.11.2010 in Ein­la­dungs-Fly­ern aus­drück­lich als "is­lam­kri­tisch" an­ge­kün­dig­te Se­mi­na­re am Frei­heit­li­chen Bil­dungs­in­sti­tut in Wien (FBI). Schon 2009 hat­te ei­ne Teil­neh­me­rin die Vor­trä­ge von Frau Sa­ba­ditsch-Wolff ver­deckt auf­ge­nom­men und die Ton­bän­der der NEWS-Re­dak­tion über­ge­ben, wel­che erst be­rich­te­te1 und dann An­zei­ge we­gen An­sta­che­lung zum Hass er­stat­te­te. Die Teil­neh­me­rin, Ve­ro­ni­ka Dol­na, war selbst Re­por­te­rin des Ma­ga­zins NEWS.

Am 15.2.2011 ver­ur­teil­te das Ge­richt Frau Sa­ba­ditsch-Wolff we­gen "He­rab­wür­di­gung ei­ner Leh­re ei­ner ge­setz­lich an­er­kann­ten Re­li­gion" zu ei­ner Geld­stra­fe von € 480.-, zu zah­len in 120 Tag­sät­zen à € 4.-. Das kam so:

Bei der Ver­hand­lung muss­te die ur­sprüng­li­che An­kla­ge we­gen "An­sta­che­lung zum Hass" fal­len­ge­las­sen wer­den, weil das Ge­richt nach dem Ab­spie­len der Ton­bän­der an­er­ken­nen muss­te, dass ur­sprüng­lich Frau Sa­ba­ditsch-Wolff zur Last ge­leg­te Aus­sa­gen nicht von ihr stamm­ten.

Nach dem Nicht-Hal­ten des An­kla­ge­punk­tes wä­re mit Frei­spruch zu rech­nen ge­we­sen, wo­mit NEWS den Pro­zess ver­lo­ren hät­te. Rich­te­rin Dr. Bet­ti­na Neu­bau­er frag­te nun Frau Sa­ba­ditsch-Wolff, ob sie in ih­rem Se­mi­nar Hand­lun­gen Mo­ham­meds da­hin­ge­hend kom­men­tiert hät­te, dass sie nach heu­ti­gen Maß­stä­ben als "pä­do­phil" zu wer­ten wä­ren. Der Ant­wort von Frau Sa­ba­ditsch-Wolff ent­nahm die Rich­te­rin, dass dem so war, und sah da­mit den Tat­be­stand der "He­rab­wür­di­gung ei­ner Leh­re ei­ner ge­setz­lich an­er­kann­ten Re­li­gion" ge­ge­ben. Mit Zu­stim­mung des Staats­an­walts er­wei­ter­te die Rich­te­rin nun die An­kla­ge um die­sen Punkt, um Frau Sa­ba­ditsch-Wolff an­schlie­ßend ver­ur­tei­len zu kön­nen. In der Ur­teils­be­grün­dung fand die Rich­te­rin es als un­an­nehm­bar, die Be­zeich­nung "pä­do­phil" auf Mo­ham­med an­zu­wen­den, weil ...

  1. Mo­ham­med mit vie­len er­wach­se­nen Frau­en se­xu­el­le Be­zie­hun­gen hat­te, und
  2. Mo­ham­meds Be­zie­hung zu Aisha nicht mit de­ren Ein­tre­ten in die Pu­ber­tät en­de­te, son­dern bis zu Mo­ham­meds Tod wei­ter­ging.

Wer jetzt noch nicht staunt über das über­trie­be­ne In­te­res­se des Ge­richts, ei­nen un­ter­halb der Ba­ga­tell­gren­ze an­mu­ten­den Aus­spruch zu ver­ur­tei­len, tut das spä­te­stens nach der Lek­tü­re der in­kri­mi­nier­ten Pas­sage des Trans­skrip­tes des Vor­trags von Frau Sa­ba­ditsch-Wolff aus dem Jah­re 2009. Man könn­te da­nach zur Mei­nung ge­langt sein, dass Frau Sa­ba­ditsch-Wolff Mo­ham­med gar nicht als pä­do­phil be­zeich­net hat. Was sie ge­sagt hat­te, war näm­lich fol­gen­des:

"Ich er­in­ne­re mich an mei­ne Schwester, das hab' ich schon ein paar Mal er­zählt, als Su­san­ne Win­ter in Graz ih­ren be­rühm­ten Sa­ger ge­macht hat, ruft mich mei­ne Schwe­ster an und sagt: 'Um Got­tes Willen. Hast du ihr das ge­sagt?' Wo­rauf ich ge­sagt habe: 'Nein, ich war's nicht, aber es ist nach­zu­le­sen, es ist nicht wirk­lich ein Ge­heim­nis.' Und sie: 'Das kann man doch so nicht sa­gen.' Und ich: 'Ein 56-Jäh­ri­ger und ei­ne 6-Jäh­ri­ge? Wie nennt man das? Gib mir ein Bei­spiel! Wie nen­nen wir das, wenn's nicht Pä­do­phi­lie ist?' Sie: 'Na ja, das muss man ein biss­chen um­schrei­ben, di­plo­ma­ti­scher sa­gen.' Meine Schwe­ster ist symp­to­ma­tisch. Das ha­ben wir schon so oft ge­hört: 'Das wa­ren doch an­de­re Zei­ten' ..."

Frau Sa­ba­ditsch-Wolff soll mit die­ser ein­ma­li­gen Ver­wen­dung des Aus­drucks "Pädophilie" den Tat­be­stand der "He­rab­wür­di­gung ei­ner Leh­re ei­ner ge­setz­lich an­er­kann­ten Re­li­gion" ge­setzt ha­ben? Ich ver­heh­le mein Er­stau­nen nicht ob die­ses mir ak­ri­bisch streng, ja pe­dan­tisch er­schei­nen­den Fo­kus des Ge­richts. An­de­ren geht es ähn­lich: Par­tei­über­grei­fend2 be­zeich­nen Kom­men­ta­to­ren die­se Sup­pe als et­was dünn. Frau Sa­ba­ditsch-Wolff be­rief selbst­ver­ständ­lich.
 
 

2. KOM­MEN­TAR

Die Vor­wür­fe ge­gen Mo­ham­med, die Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff aus der Be­zie­hung des Pro­phe­ten zu Aischa bint Abu Bakr - viel­leicht in gu­tem Glau­ben - ab­lei­te­ten, sind un­be­rech­tigt. Die bei­den Ge­richts­ur­tei­le über­trei­ben zwar maß­los, was das Ver­hält­nis zwi­schen Straf­tat3 und Straf­aus­maß be­trifft (Frau Sa­ba­ditsch-Wolffs Ver­ur­tei­lung ist zum heu­ti­gen Zeit­punkt nicht rechts­kräf­tig4), die Aus­sa­gen von Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff wer­den dadurch aber nicht rich­ti­ger. Aus der 200 Jah­re nach Mo­ham­meds Tod nie­der­ge­schrie­be­nen Ha­di­then-Ge­schich­te über die Be­zie­hung des Pro­phe­ten zu Aischa bint Abu Bakr lässt sich nicht ab­lei­ten, dass Mo­ham­med pä­do­phil emp­fand.

Wei­ters ist nicht halt­bar, was Frau Sa­ba­ditsch-Wolff un­ter der Vor­bild­haf­tig­keit Mo­ham­meds für mus­li­mi­sche Män­ner zu ver­ste­hen gibt.

Da­mit ge­rät mei­nes Er­ach­tens so­wohl der Pä­do­phi­lie-Vor­wurf als auch die ge­sam­te Ar­gu­men­ta­tions­li­nie von Frau Sa­ba­ditsch-Wolff, dass der Is­lam Sex mit Kin­dern be­gün­sti­ge, weil er al­len Män­nern Mo­ham­med als Vor­bild vor Au­gen stel­le, ins Wan­ken.

Da­zu ei­ni­ge Ar­gu­men­te.

Die Recht­spre­chung im Fall Win­ter klas­si­fi­ziert die Aischa-Ge­schich­te zu­tref­fend als "re­li­giö­se Leh­re". Sie sieht da­rin kein hi­sto­ri­sches Fak­tum und kei­nen Ge­gen­stand, über den Ge­rich­te heu­te ur­tei­len könn­ten. Was da­mals wirk­lich ge­sche­hen ist, weiß nie­mand.

Die re­li­giö­sen Leh­ren an­er­kann­ter Re­li­gio­nen ge­nie­ßen in Öster­reich ei­nen Rechtsschutz, weil der Nach­weis ei­ner sol­chen Leh­re ei­ne von meh­re­ren Vo­raus­set­zun­gen für die staat­li­che An­er­ken­nung der je­wei­li­gen Re­li­gion ist. Die Deu­tungs­ho­heit re­li­giö­ser Leh­ren liegt bei den Mit­glie­dern der be­tref­fen­den Re­li­gion, nach in­nen wie nach au­ßen. Sie dür­fen ih­re Leh­re ei­ner in­te­res­sier­ten Öf­fent­lich­keit er­klä­ren. Nicht­mit­glie­der dürfen sich selbst­ver­ständ­lich da­zu äußern, ha­ben aber nicht das Recht, der re­li­giö­sen Leh­re ei­nen da­rin nicht be­find­li­chen In­halt zu un­ter­stel­len.
 

a) Aischa bint Abu Bakr

Da­mit wir wis­sen, wo­von wir spre­chen, ge­be ich hier ei­nen Teil der Aischa-Ge­schich­te aus dem Ha­dith Bukhari 5, 58, 234 wie­der:5

"Aisha be­rich­te­te: Der Pro­phet hei­ra­te­te mich, als ich ein Mäd­chen von sechs (Jah­ren) war. Wir gin­gen nach Me­dian und blie­ben im Haus von Bani-al-Ha­rith bin Khaz­radsch. Dann wur­de ich krank, und mein Haar fiel he­run­ter. Spä­ter wuchs mein Haar (wie­der) und mei­ne Mut­ter, Um Ru­man, kam zu mir, als ich in ei­ner Schau­kel mit ei­ni­gen mei­ner Freun­din­nen spiel­te. Sie rief nach mir und ich ging zu ihr, un­wis­send da­rüber, was sie mit mir tun woll­te. Sie nahm mich an der Hand und ließ mich an der Haus­tü­re ste­hen. Ich war da­mals au­ßer Atem, und als mein Atem wie­der in Ord­nung war, nahm sie Was­ser und rieb mein Ge­sicht und mei­nen Kopf da­mit ab. Dann nahm sie mich ins Haus hi­nein. Im Haus sah ich ei­ni­ge An­sa­ri-Frau­en, die sag­ten: "Be­ste Wün­sche und Got­tes Se­gen und viel Glück." Dann ver­trau­te sie mich ih­nen an und sie be­rei­te­ten mich (für die Hei­rat) vor. Un­er­war­tet kam Got­tes Apo­stel zu mir am Vor­mit­tag und mei­ne Mut­ter reich­te mich ihm über und zu die­ser Zeit war ich ein neun Jah­re al­tes Mäd­chen."

Es scheint mir bei die­ser Ge­schich­te um die Le­gi­ti­mie­rung ei­nes Herr­schafts­an­spruchs zu ge­hen. Der Va­ter Aischas, Ab­dal­lah Abu Bakr, wur­de nach Mo­ham­meds Tod er­ster Ka­lif (der er­ste der "Vier Recht­ge­lei­te­ten") und nann­te sich "Nach­fol­ger des Ge­sand­ten Got­tes". Die Ehe sei­ner Toch­ter mit dem Pro­phe­ten le­gi­ti­mier­te sei­ne Po­si­tion. Nach is­la­mi­scher Tra­di­tion war Aischa die Lieb­lings­frau Mo­ham­meds und in­ve­stier­te sich nach des­sen Tod voll für die Durch­set­zung sei­ner re­li­giö­sen Leh­ren so­wie nach dem Tod ih­res Va­ters auch für den Füh­rungs­an­spruch ih­rer Fa­mi­lie. Sie ver­dien­te sich da­mit den Ti­tel ei­ner "Mut­ter des Is­lam". Selbst kin­der­los, ad­op­tier­te sie die bei­den ver­wais­ten Kin­der ih­res Bru­ders und zog sie auf. In Aischa ver­ei­nen sich al­so Fa­mi­lie, Po­li­tik und Re­li­gion - der Is­lam lebt noch heu­te von Aischas Er­be.

Lei­der las­sen un­se­re bei­den Is­lam-Kri­ti­ke­rin­nen auch nicht an­satz­wei­se ein Ver­ständ­nis für die­se Be­zie­hungs­dy­na­mik er­ken­nen.

Was mit Aischa als Kind ge­sche­hen ist, könn­te man aus kul­tur­an­thro­po­lo­gi­scher Sicht mit "Groo­ming"6 be­zeich­nen. Ri­tu­el­le se­xu­el­le Kon­tak­te von Mäd­chen im Kin­des­al­ter mit spi­ri­tu­el­len Füh­rern be­grün­de­ten und be­grün­den in vie­len asia­ti­schen Kul­tu­ren ei­ne An­wart­schaft auf ge­ho­be­ne ge­sell­schaft­li­che Po­si­tio­nen. Die El­tern bah­nen da­bei den Kon­takt an. Da­hi­nein passt auch die Aischa-Ge­schich­te - al­lerdings nur bis hier­her, denn Ehen im recht­li­chen Sinn ent­stehen aus ei­nem sol­chen Kon­takt kei­ne. Das Be­son­de­re an Mo­ham­med ist, dass er Aischa drei Jah­re vor dem Voll­zug ehe­lich­te und die­se Ehe bis zu sei­nem Tod auf­recht er­hielt.

Hat Aischa un­ter ih­rer jun­gen Ver­mäh­lung ge­lit­ten? Hat man sie miss­braucht, wur­den ih­re Per­sön­lich­keits­rech­te miss­ach­tet, wur­de ih­re see­li­sche Ent­wick­lung be­ein­träch­tigt? Auf al­le die­se Fra­gen ha­be ich kei­ne Ant­wort. Auch die Ha­di­the schei­den als Ant­wort­ge­ber aus, denn wenn sie den Ein­druck ver­mit­teln, dass Aischa ih­re Rol­le ger­ne aus­füll­te und da­ran wuchs, dann tun sie das im In­te­res­se der Eta­blie­rung des Is­lam und nicht dem hi­sto­ri­scher Fak­ten­ge­nau­ig­keit.

Je­der möge sich sei­ne Mei­nung über die in den Ha­di­then ge­schil­der­te Vor­gangs­wei­se bil­den. Mir per­sön­lich er­scheint sie ge­mes­sen an der da­ma­li­gen Kul­tur als be­müht, ge­wis­sen­haft und or­dent­lich. Den durch Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff er­ho­be­nen Pä­do­phi­lie­vor­wurf wür­de ich so ge­se­hen als The­men­ver­feh­lung be­zeich­nen.
 

b) Vor­wurf, der Is­lam wür­de Sex mit Kin­dern und die Ver­hei­ra­tung von Mäd­chen im Kin­des­al­ter för­dern, weil er al­le Män­ner dem Vor­bild Mo­ham­meds nach­stre­ben lässt

Auch wer Frau Sa­ba­ditsch-Wolff ab­nimmt, dass sie sich in ei­ner Ge­sell­schaft wie der un­se­ren, die den Is­lam of­fen­bar im­mer stär­ker zum Zug kom­men lässt, um ih­re Toch­ter zu­neh­mend Sor­gen macht, darf fra­gen, ob ihr Vor­wurf, der Is­lam ver­scha­che­re auf­grund Mo­ham­meds Vor­bild klei­ne Mäd­chen, zu­trifft.

Es stimmt, der Ko­ran kennt tat­säch­lich Mo­ham­med als Vor­bild ...

"Ihr habt ja im Ge­sand­ten Al­lahs ein schö­nes Vor­bild, (und zwar) für ei­nen je­den, der auf Al­lah und den Jüng­sten Tag hofft und Al­lahs viel ge­denkt." (Su­re 33:21)

... al­lerdings nur an die­ser Stel­le, und nur in Be­zug auf Mo­ham­meds Glau­bens­le­ben. Wie Prof.Dr. Ha­mid Ka­si­ri ein­mal aus­führ­te7, eig­net die­se Vor­bild­haf­tig­keit al­len Pro­phe­ten, die Gott so na­he­ste­hen, dass sie des­sen Wil­len au­then­tisch ver­kün­den kön­nen.

Was ist nun, wenn je­mand be­haup­tet, der Is­lam er­mu­ti­ge da­zu, sich je­des De­tail in Mo­ham­meds Bio­gra­phie zum Vor­bild zu neh­men? Mo­ham­med trug Bart, da­her sol­len al­le Män­ner Bart tra­gen; Mo­ham­med blick­te beim Spre­chen zu Bo­den, al­so bli­cke man beim Spre­chen eben­falls zu Bo­den; Mo­ham­med schlief mit sei­ner neun­jäh­ri­gen Ehe­frau, al­so sol­le man am be­sten eben­so ver­fah­ren ... Was ist dann? Wür­de man ei­ne sol­che Be­haup­tung nicht zu­recht lä­cher­lich und de­plat­ziert finden? Kann man ernst­haft an­neh­men, der Is­lam ver­ord­ne ein sol­ches Ver­ständ­nis von Vor­bild­haf­tig­keit? Lei­der be­haup­te­te Frau Sa­ba­ditsch-Wolff ge­nau das. Na­tür­lich sind Mus­li­me nicht vor ei­nem sol­chen Miss­ver­ständ­nis ge­feit8, und viel­leicht för­dern man­che Is­lam-Leh­rer dies so­gar - aber zu mei­nen, der Is­lam wä­re so, ist viel­leicht das grö­ße­re Miss­ver­ständ­nis.

Es gibt auch Ko­ran­stel­len, die da­vor war­nen, in Mo­ham­med mehr zu se­hen als ei­nen blo­ßen Men­schen:

"... Sprich: Ich bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist es of­fen­bart wor­den, dass eu­er Gott ein Ein­zi­ger Gott ist." (Su­re 18:110)

Mo­ham­med war Über­brin­ger ei­ner Bot­schaft, wie ein Post­bo­te für ei­nen Brief, nicht mehr und nicht we­ni­ger.

Je­den­falls wa­ren die Rechts­an­wäl­te von Frau Sa­ba­ditsch-Wolff schlecht be­ra­ten, ih­re Ver­tei­di­gung auf die­ses Ar­gu­ment - das ein Miss­ver­ständ­nis als Wahr­heit aus­gibt - zu grün­den. Es konn­te nicht hal­ten.
 

c) "Christ­li­che" und "fe­mi­ni­sti­sche" Per­spek­ti­ve

Frau Dr. Win­ter be­trach­tet den Is­lam laut ei­ge­ner An­ga­be aus "christ­li­cher", Frau Sa­ba­ditsch-Wolff aus "fe­mi­ni­sti­scher" Per­spek­ti­ve. Da­ge­gen ist nichts ein­zu­wen­den, so­lan­ge man sich be­wusst bleibt, dass der Is­lam we­der christ­li­cher noch fe­mi­ni­sti­scher Lo­gik folgt. Die Tat­sa­che, dass der Is­lam sein ei­ge­nes Rechts­ver­ständ­nis pflegt, kon­sti­tu­iert kein Un­recht.
 

d) Me­tho­den der An­lie­gen­ver­tre­tung

Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff ha­ben je­de auf ih­re Wei­se wert­vol­le An­lie­gen, die sie mit­un­ter auch in po­le­mi­scher Aus­ei­nan­der­set­zung be­haup­ten. Dem Islam die Tor­pe­die­rung die­ser An­lie­gen vor­zu­wer­fen, wird sie aber, fürch­te ich, auf Dau­er nicht wei­ter­brin­gen. Be­schul­di­gun­gen - auch be­rech­tig­te - sind für die Dar­stel­lung ei­ge­ner An­lie­gen nicht im­mer hilf­reich. Ziel­füh­ren­der wä­re es he­raus­zu­stel­len, um wel­che An­lie­gen es sich han­delt und was an ih­nen so kost­bar ist.

Ich ha­be Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff nicht zu ra­ten, was sie tun sol­len. Sie sind groß­ar­ti­ge Men­schen, die ich be­wun­de­re. Je­der wächst auf sei­ne Wei­se, und Frie­den hat den län­ge­ren Atem.
 
 

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F U S S N O T E N

1 Der Ar­ti­kel in NEWS er­schien am 26.11.2009.

2 "par­tei­über­grei­fend": Es ist kein Ge­heim­nis, dass frü­her die ÖVP mit Frau Sa­ba­ditsch-Wolff sym­pa­ti­sier­te, jetzt die FPÖ, zu kei­ner Zeit aber die SPÖ. Nun aber kri­ti­sier­ten auch So­zia­li­sten das Ge­richts­ur­teil.

3 Ich ver­wen­de "Straf­tat" hier im vom Ge­richt ge­mein­ten Sinn. Da­mit ge­be ich selbst we­der ein Ur­teil - das mir nicht zu­stün­de - noch ei­ne Mei­nung da­rüber ab, ob Frau Dr. Win­ter und Frau Sa­ba­ditsch-Wolff tat­säch­lich et­was Straf­wür­di­ges ge­tan oder ge­sagt ha­ben oder nicht.

4 Mitt­ler­wei­le hat das Be­ru­fungs­ge­richt er­ster In­stanz den Schuld­spruch voll­in­halt­lich be­stä­tigt (Ober­lan­des­ge­richt Wien, 20.12.2011). Frau Sa­ba­ditsch-Wolffs An­wäl­te kün­dig­ten die Fort­set­zung des In­stan­zen­zugs an. 2013 wies der Ober­ste Ge­richts­hof Frau Sa­ba­ditsch-Wolffs An­trag auf Er­neu­e­rung des Straf­ver­fah­rens ab. Zu­letzt rief Frau Sa­ba­ditsch-Wolff den Eu­ro­pä­i­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te an, aber auch die­ser be­stä­tig­te am 25.10.2018 das Erst­ur­teil des Wie­ner Straf­lan­des­ge­richts.
So­mit scheint der In­stan­zen­zug für Frau Sa­ba­ditsch-Wolff vor­erst be­en­det zu sein.

5 An­de­re Zi­ta­te:
"Hi­schams Va­ter be­rich­te­te: Kha­did­scha starb drei Jah­re, be­vor der Pro­phet nach Me­di­na ab­reis­te. Er blieb dort für et­wa zwei Jah­re, und er hei­ra­te­te Aisha, als sie ein sechs Jah­re al­tes Mäd­chen war und kon­su­mier­te die­se Ehe, als sie neun Jah­re alt war." (Bu­kha­ri 5, 58, 236)
"Aisha be­rich­te­te: Der Ge­sand­te Al­lahs, Al­lahs Se­gen und Heil auf ihm, nahm sei­ne Ehe­schlie­ßung mit mir vor, als ich sechs Jah­re alt war, und un­ter­hielt erst ehe­li­che Be­zie­hun­gen mit mir, als ich neun Jah­re alt war.
Da­mals soll es nicht un­üb­lich ge­we­sen sein, Mäd­chen so jung zu ver­hei­ra­ten. Al­ler­dings hät­te die Ehe erst voll­zo­gen wer­den dür­fen, nach­dem der Braut­preis be­zahlt war, aber der blieb Mo­ham­med dem Braut­va­ter schul­dig. 'Die Ehe zu kon­su­mie­ren', heißt übri­gens das, was je­der da­run­ter ver­ste­hen kann." (Bu­kha­ri 7, 62, 64)

6 Laut Pons' Eng­lisch-Deut­schem Wör­ter­buch be­deu­tet "Groo­ming":
  a) je­man­den auf­bau­en,
  b) je­man­den auf et­was vor­be­rei­ten,
  c) je­man­den da­rauf vor­be­rei­ten, et­was zu tun.
An­de­re Be­deu­tun­gen die­ses Wor­tes, auch heu­te in di­ver­sen Sub­kul­tu­ren gän­gi­ge, sind von mir hier nicht in­ten­diert.

7 KA­SI­RI Prof. Dr. Ha­mid, Der Pro­phet Mo­ham­med als "Schö­nes Vor­bild", Re­fe­rat am 11.5.2002 im Is­la­mi­schen Bil­dungs- und Kul­tur­zen­trum in Wien

8 Es ist be­kannt, dass in mus­li­mi­schen Krei­sen Mäd­chen schon im Kin­des­al­ter ver­hei­ra­tet wer­den. Es wä­re zu fra­gen, wie "is­la­misch" ein sol­ches Ver­hal­ten ist. Dass El­tern im In­te­res­se des Fort­be­ste­hens ih­rer Fa­mi­lien und ih­res Stam­mes Ein­fluss auf die Part­ner­wahl ih­rer Kin­der neh­men, und zwar schon im Kin­des­al­ter, kommt über­all vor, auch bei uns - spe­zi­ell im Adel -, und hat mit Re­li­gion nicht un­be­dingt et­was zu tun.