Dass wir den ak­tu­el­len Ka­len­der Gre­go­ria­ni­schen Ka­len­der nen­nen - nach Gre­gor XIII.1, dem Papst, der ihn ein­ge­führt hat -, weißt Du, neh­me ich an.
Sein Vor­gän­ger-Kalender - seit 45 v.u.Z. (708 a.u.c.)2 - heißt we­gen des da­ma­li­gen rö­mi­schen Im­pe­ra­tors auf Le­bens­zeit Ga­ius Iu­lius Cae­sar (100-44 v.u.Z.) "Ju­lia­ni­scher Ka­len­der"3.
Auch die­ser Ka­len­der hat­te sei­nen Vor­gän­ger: ei­ne Mi­schung aus Son­nen- und Mond­ka­len­der mit al­len zwölf Monats­na­men un­se­res heu­ti­gen Ka­len­ders und - weil die Sum­me der Ta­ge die­ser Mo­na­te 355 er­gab - mit dem men­sis in­ter­ca­la­ris, dem Zu­satz­mo­nat, der für die feh­len­den zehn Ta­ge auf­kam.
Den men­sis in­ter­ca­la­ris hat­te der Ju­lia­ni­sche Ka­len­der ab­ge­schafft, die 365 Ta­ge des Jah­res auf die zwölf Mo­na­te auf­ge­teilt, den al­le vier Jah­re ein­zu­schie­ben­den Schalt­tag, den 29. Fe­bru­ar, ge­schaf­fen und so das Aus­einan­der­klaf­fen zwi­schen astro­no­mi­scher Po­si­tion der Er­de und Ka­len­der­da­tum re­pa­riert. Das orien­ta­li­sche Chri­sten­tum und mit ihm ver­bun­de­ne Kul­tu­ren ver­wen­den die­sen Ka­len­der bis heu­te.
Der rö­mi­sche Ka­tho­li­zis­mus - das west­li­che Chri­sten­tum - war dies­be­züg­lich fort­schritt­li­cher. Öster­reich ver­wen­det die Schalt­tags­ord­nung Papst Gre­gors XIII. seit 1583. Orien­ta­li­sches und west­li­ches Chri­sten­tum un­ter­schei­den sich al­so leicht - so­wohl in der Glau­bens- als auch in der Zeit­ord­nung.

Gre­gor XIII. ging da­von aus, dass die Er­de bei ih­rer Rei­se um die Son­ne sich 365,2425 mal um ih­re ei­ge­ne Ach­se dreht4 - 0,0075 mal we­ni­ger als die An­nah­me des Vor­gän­ger-Ka­len­ders. Wür­de die Er­de sich in ei­nem Jahr 365,25 mal - al­so um ei­ne Vier­tel­dre­hung mehr als 365 mal - um die ei­ge­ne Ach­se dre­hen, ge­nüg­te der Schalt­tag des Ju­lia­ni­schen Ka­len­ders, um die Zeit­ord­nung sta­bil zu hal­ten. Dreht sie sich aber 365,2425 mal - et­was WE­NI­GER als ei­ne Vier­tel­dre­hung - um die Son­ne, dann muss der Schalt­tag al­le 100 Jah­re aus­fal­len und al­le 400 Jah­re muss es ihn ge­ben, da­mit die astro­no­mi­schen Son­nen­wen­den je­des Jahr auf das glei­che Ka­len­der­da­tum fal­len - was ei­nen Tag Ka­len­der­ungenau­ig­keit al­le 3236 statt al­le 133 Jah­re er­gibt. Astro­no­mie und Ka­len­der sol­len ja mit der Ent­schei­dung des Kon­zils von Ni­zäa 325 über­ein­stim­men, wo­nach die Früh­lings-Tag-und-Nacht-Glei­che (das Pri­mar-Äqui­nok­tium) auf den 21. März fal­len soll.

So weit, so be­kannt. Doch blei­ben Fra­gen.

Schaff­ten die Men­schen vor Gre­gor XIII. es nicht, die Män­gel der ju­lia­ni­schen Schalt­tags­lö­sung zu be­he­ben? Wa­ren die Rö­mer zu Cä­sars Zei­ten wirk­lich so un­be­darft, dass sie mit ei­nem al­le vier Jah­re wie­der­keh­ren­den Schalt­tag den Ka­len­der sa­nie­ren zu kön­nen glaub­ten? Kön­nen wir die­se Fra­gen lö­sen?

Die Ant­wort über­rascht. So­wohl Cä­sar als auch Gre­gor XIII. hat­ten Recht. Zu ih­rer Zeit näm­lich. Bei­de Ka­len­der stimm­ten zu ih­rer Zeit, be­zie­hungs­wei­se kei­ner stimmt für im­mer und ewig. Ich er­klär' das im Fol­gen­den.

Zu den vie­len wich­ti­gen Zah­len, die in die Ab­mes­sun­gen der Py­ra­mi­den auf dem Gi­zeh-Pla­teau in Ägyp­ten ein­kal­ku­liert sind, ge­hört auch die Zahl 365,25. An ei­ni­gen we­ni­gen Stel­len maß man auch 365,26. Falls Dich die­se Mess­da­ten in­te­res­sie­ren, fin­dest Du sie so­fort in Bü­chern und auf Web­sites.
Laut rö­mi­schen Hi­sto­ri­kern lern­te Cä­sar das Schalt­prin­zip sei­nes Ka­len­ders von ägyp­ti­schen Ge­lehr­ten vor Ort. Ich gehe da­von aus, dass die Zahl 365,25 die da­mals gül­ti­ge An­zahl der jähr­li­chen Erd­um­dre­hun­gen war und Cä­sar die­se Zahl über­nahm. 0,25 Dre­hun­gen sind ge­nau ei­ne Vier­tel­dre­hung, und die kann man mit ei­nem al­le vier Jah­re wie­der­keh­ren­den Schalt­tag per­fekt aus­glei­chen. In­so­fern war die Ju­lia­ni­sche Ka­len­der­re­form zu ih­rer Zeit ge­nau das Rich­ti­ge.

Gre­gor XIII. nahm al­lerdings, wie be­reits ge­sagt, 365,2425 Erd­um­dre­hun­gen pro Jahr an, auf der Ba­sis da­ma­li­ger Be­rech­nun­gen. Hat sich die Erd­um­dre­hung seit Cä­sar al­so ver­lang­samt? Ja. Sie ver­lang­samt sich stän­dig, seit es die Er­de gibt. Das be­stä­ti­gen Mess­wer­te. Die Er­de dreht sich grob al­le 10 bis 20 Jah­re um ei­ne Sekunde pro Jahr lang­sa­mer. Des­halb muss­ten seit 1957, dem Jahr der Fest­le­gung der Welt­zeit, im­mer wie­der Schalt­se­kun­den ein­ge­legt wer­den. Heu­te nimmt man 365,2422 Erd­um­dre­hun­gen pro Jahr an5 - 0,0003 we­ni­ger als zur Zeit Gre­gors XIII., das sind 26 Se­kun­den we­ni­ger. Die Ver­lang­sa­mung ver­läuft al­ler­dings nicht kon­ti­nu­ier­lich, son­dern in zy­k­li­schen Schwan­kun­gen von 25-30 Jah­ren. Der Um­stand, dass sich auch der Um­fang der Er­de je­des Jahr um et­wa 15-20cm ver­grö­ßert und ali­quot da­zu auch ihr Ge­wicht, er­klärt die Um­dre­hungs­ver­lang­sa­mung aus­rei­chend. Gre­gors Ka­len­der­re­form war zu ih­rer Zeit al­so auch genau das Rich­ti­ge.

Bleibt noch die Fra­ge: Was macht die Er­de grö­ßer und schwe­rer? Welt­raum­müll oder Me­te­o­re? Nein, sol­che ma­chen nur et­wa 40 Ton­nen pro Jahr aus. Ei­ne Um­fang­vergrö­ße­rung von 20 cm be­deu­tet je­doch ei­ne Ge­wichts­zunah­me von Mil­lio­nen Ton­nen (zur­zeit hält die Er­de bei ei­nem Ge­samt­ge­wicht von knapp sechs Tril­liar­den Ton­nen). Ak­tu­el­le Be­rech­nun­gen le­gen ein na­tür­li­ches Ma­te­rie­wachs­tum na­he, be­wirkt vom nor­ma­len stän­dig die Er­de über­licht­schnell durch­drin­gen­den un­sicht­ba­ren Äther. Der Be­griff "Äther" wird seit Ein­stein in der Phy­sik nicht mehr ver­wen­det. Heu­te sagt man da­zu Raum­ener­gie, Null­punkt­ener­gie, Va­kuum­feld­ener­gie, Neu­tri­no-Power und an­de­res mehr. Be­züg­lich des Ma­te­rie­wachs­tums der Er­de liegt die Dif­fe­renz zwi­schen den ge­mes­se­nen und den er­rech­ne­ten Wer­ten in­ner­halb der To­le­ranz­gren­zen - wo­mit das Wachs­tum der Er­de durch den Äther als ge­si­chert gilt6.

Da­mit ha­be ich ge­sagt, was ich Dir sa­gen woll­te.

Mit die­sem Wissen kannst Du al­les Mög­li­che an­fan­gen.
Zum Bei­spiel kannst du an­hand der Um­dre­hungs­ver­lang­sa­mung und der Ge­wichts- und Grö­ßen­zu­nah­me der Er­de den Zeit­punkt er­rech­nen, an dem sich die Er­de tat­säch­lich 365,25 mal pro Jahr um die ei­ge­ne Ach­se ge­dreht hat: vor et­wa 8.000 bis 12.000 Jah­ren. In­so­fern könn­te die Zahl 365,25 ei­nen Hin­weis auf den Er­bau­ungs­zeit­punkt der Py­ra­mi­den auf dem Gi­zeh-Pla­teau lie­fern.
Und vie­les an­de­re mehr ...
 
 

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F U S S N O T E N

1 Ugo Boncompagni (1502-1585, Papst 1572) wähl­te den Na­men Gre­gor XIII. und führ­te den Ka­len­der am 24.2.1582 mit der Bul­le In­ter gra­vis­si­mas in sei­nem gan­zen Ein­fluss­be­reich ein. Man­che Na­tio­nen - wie Frank­reich (fast ganz), Ita­lien, Po­len, Por­tu­gal, Spa­nien - über­nah­men ihn so­fort, an­de­re mit Ver­spä­tung (Eng­land 1752, die Tür­kei 1917, UdSSR 1922, Grie­chen­land 1922, zu­letzt China 1949).

2 v.u.Z. = vor un­se­rer Zeit­rech­nung. a.u.c. = ab ur­be con­di­ta ("ab der Stadt­grün­dung"), das ist die Jah­res­zäh­lung seit dem durch den Hi­sto­ri­ker Mar­cus Ter­ren­tius Var­ro (116-27 v.u.Z.) er­rech­ne­ten Grün­dungs­ter­min Roms, dem 21. Ap­ril des Jah­res 753 v.u.Z.

3 Nach Sosi­ge­nes An­wei­sun­gen, des Astro­no­men aus Ale­xan­dria, den Cä­sar mit der Aus­ar­bei­tung der De­tails zum neuen Ka­len­der be­auf­tragt hat­te, ver­län­ger­te man das Jahr 46 v.u.Z. um 80 Ta­ge und leg­te gleich in das er­ste Jahr da­nach (45 v.u.Z.) den Schalt­tag, den man al­ler­dings al­le drei Jah­re wie­der­keh­ren ließ. Kai­ser Au­gu­stus er­kann­te den Feh­ler, ließ die Jah­re 8 v.u.Z. bis 7 u.Z. schalt­tags­frei und be­gann im Jahr 12 u.Z. mit dem al­le vier Jah­re wie­der­keh­ren­den Schalt­tag. Das Jahr Null hat es nie ge­ge­ben, auf das Jahr 1 v.u.Z. folg­te gleich das Jahr 1 u.Z. Spä­ter nann­te man den Mo­nat quin­ti­lis zu Eh­ren Cä­sars iu­lius und den Mo­nat sex­ti­lis zu Eh­ren Au­gu­stus au­gu­stus.

4 365,25 Um­dre­hun­gen sind 365 Ta­ge plus exakt sechs Stun­den. 365,2425 Um­dre­hun­gen sind 365 Ta­ge plus fünf Stun­den, 49 Mi­nu­ten und 12 Se­kun­den - al­so zehn Mi­nu­ten und 48 Se­kun­den we­ni­ger.

5 365,2422 Um­dre­hun­gen sind 365 Ta­ge plus fünf Stun­den, 48 Mi­nu­ten und 46 Se­kun­den: https://www.helles-koepfchen.de/artikel/3046.html

6 Siehe da­zu etwa:
MEYL Kon­stan­tin, Ant­wor­ten auf Fra­gen, das Erd­wachs­tum be­tref­fend: http://www.k-meyl.de/go/50_Aufsaetze/FAQ_zu_Erdexpansion.pdf
FITZKE Franz, Und sie be­wegt sich doch (Film­do­ku­men­ta­tion im ZDF und in ARTE). Fran­zö­si­scher Ti­tel: La Terre. Une pla­nète en pleine crois­sance.